Welche Grenzwerte gibt es für Nitrosamine in Lebensmitteln?

Grill-Warnung: Warum gepökeltes Fleisch tabu ist

15/11/2022

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Der Duft von Holzkohle und brutzelndem Fleisch – für viele ist das der Inbegriff des Sommers. Grillen ist nicht nur eine Zubereitungsart, sondern ein gesellschaftliches Ereignis, das Freunde und Familie zusammenbringt. Doch während wir uns auf saftige Steaks und würzige Würstchen freuen, gibt es eine wichtige Warnung, die unsere Aufmerksamkeit erfordert. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat kürzlich darauf hingewiesen, dass bestimmte Fleischsorten beim Grillen gefährliche Stoffe bilden können, die unserer Gesundheit schaden. Im Mittelpunkt dieser Bedenken stehen sogenannte Nitrosamine, die als potenziell krebserregend und erbgutschädigend eingestuft werden.

Was sind Nitrosamine und wie entstehen sie?
Nitrosamine sind chemische Verbindungen, die sich in Gegenwart von Nitrit und bestimmten Aminen bilden – sowohl in Lebensmitteln als auch im menschlichen Körper. Sie kommen vor allem in gepökelten Fleischerzeugnissen, verarbeitetem Fisch und Bier vor, aber auch in Käse, Getreide und verschiedenen Ölen.

Die gute Nachricht vorweg: Sie müssen nicht auf das Grillen verzichten. Aber es ist entscheidend zu wissen, welche Produkte Sie besser meiden und welche Alternativen es gibt, um das Grillvergnügen sicher und gesund zu gestalten. Dieser Artikel taucht tief in das Thema Nitrosamine ein, erklärt ihre Entstehung und gibt Ihnen praktische Tipps für einen unbeschwerten Grillabend.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nitrosamine und wie entstehen sie?

Nitrosamine sind chemische Verbindungen, die sich unter bestimmten Bedingungen in Lebensmitteln oder auch im menschlichen Körper bilden können. Ihre Entstehung ist eine Reaktion von Nitriten mit sogenannten Aminen. Amine sind organische Verbindungen, die in fast jedem Lebensmittel natürlicherweise vorkommen, da sie aus Aminosäuren freigesetzt werden.

Der entscheidende Faktor für die Bildung von Nitrosaminen ist häufig Hitze. Wenn nitrithaltige Lebensmittel stark erhitzt werden – sei es beim Grillen, Braten oder Frittieren – beschleunigt sich diese chemische Reaktion. Nitrite selbst sind oft in Form von Nitritpökelsalz in verarbeiteten Fleischwaren enthalten. Dieses Salz wird zur Konservierung, für die Farbstabilität und den Geschmack eingesetzt. Es hemmt beispielsweise das Wachstum von Bakterien wie Clostridium botulinum, das Botulismus verursachen kann.

Nitrosamine kommen nicht nur in gepökelten Fleischerzeugnissen vor. Sie können sich auch in anderen Lebensmitteln wie verarbeitetem Fisch, bestimmten Käsesorten, Getreideprodukten und sogar in Bier bilden. Auch im menschlichen Körper, insbesondere im sauren Milieu des Magens, können Nitrosamine entstehen, wenn wir nitrat- oder nitrithaltige Lebensmittel zusammen mit aminhaltigen Nahrungsmitteln konsumieren.

Das Gesundheitsrisiko: Warum Nitrosamine bedenklich sind

Die Besorgnis um Nitrosamine ist nicht neu. Seit Jahrzehnten werden sie in der Forschung untersucht. Die meisten der bislang untersuchten Nitrosamine haben sich in Tierversuchen als krebserregend erwiesen. Das bedeutet, dass sie das Potenzial haben, die Entwicklung von Krebs zu fördern. Darüber hinaus werden sie auch als erbgutschädigend eingestuft, was bedeutet, dass sie das Erbgut (DNA) verändern können, was wiederum das Risiko für Krankheiten erhöht.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2023 eine umfassende Bewertung vorgenommen und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Aufnahme von Nitrosaminen über die Nahrung – insbesondere bei hohem Verzehr – ein Gesundheitsrisiko für alle Altersgruppen darstellt. Die höchste Aufnahme erfolgt demnach über Fleisch und Fleischprodukte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) teilt diese Einschätzung grundsätzlich, weist aber auf wissenschaftliche Unsicherheiten hin, da für wichtige Lebensmittelkategorien wie Gemüse und Milchprodukte mangels Daten keine vollständige Bewertung erfolgen konnte.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Nitrosamine nicht absichtlich Lebensmitteln zugesetzt werden. Sie sind das Ergebnis einer chemischen Reaktion, die durch die Art der Verarbeitung und Zubereitung ausgelöst wird, insbesondere durch Hitze in Kombination mit den Vorläufersubstanzen Nitrit und Aminen.

Die 7 Fleischsorten, die Sie nicht grillen sollten

Die Verbraucherzentrale Hamburg rät dringend davon ab, bestimmte gepökelte und stark verarbeitete Fleischwaren auf den Grill zu legen. Der Grund ist, dass diese Produkte Nitritpökelsalz enthalten, welches beim starken Erhitzen die Bildung von Nitrosaminen begünstigt. Die Liste der riskanten Produkte umfasst:

  • Kasseler
  • Wiener Würstchen
  • Bockwürste
  • Fleischkäse
  • Leberkäse
  • Schinken (insbesondere gepökelter Schinken)
  • Speck (insbesondere gepökelter Speck)

Diese Warnung gilt übrigens nicht nur für das Grillen. Auch beim Braten in der Pfanne oder beim Frittieren können sich diese gesundheitsschädlichen Stoffe bilden. Es ist die Kombination aus Pökelsalz und hoher Hitze, die das Problem darstellt.

Sichere Alternativen für den Grill: Genuss ohne Risiko

Glücklicherweise gibt es zahlreiche köstliche und sichere Alternativen, die Ihr Grillfest nicht nur gesund, sondern auch abwechslungsreich gestalten. Der Schlüssel liegt in der Wahl von frischem Fleisch, das nicht gepökelt wurde. Dazu gehören:

  • Steaks: Rindersteaks, Schweinesteaks
  • Koteletts: Schweine- oder Lammkoteletts
  • Geflügel: Hähnchenbrust, Putensteaks, ganze Hähnchenteile (ohne Haut, wenn Sie Fett reduzieren möchten)
  • Fisch: Lachs, Forelle, Garnelen (unbehandelt)

Wenn Sie dennoch nicht auf Würstchen verzichten möchten, gibt es eine einfache Lösung: Achten Sie beim Kauf auf die Zutatenliste. Viele Hersteller bieten inzwischen Würstchen an, die ohne Nitritpökelsalz hergestellt werden. Diese sind oft als „ungepökelt“ oder „ohne Nitritpökelsalz“ gekennzeichnet. Ein genauer Blick auf die Verpackung lohnt sich hier immer.

Wie grillt man Senfkohl?
Der Senfkohl wird lediglich in zwei Hälften geschnitten und mit einer einfachen Marinade aus Öl und Gewürzen vorbereitet – nach wenigen Minuten auf dem Grill ist er servierfertig. Den Pak Choi solltest du nicht einfach pur auf den Grill legen, sondern du benötigst eine Grillschale. Vermeide möglichst Einwegprodukte aus Aluminium.

Vergleich: Riskante vs. Sichere Grilloptionen

Riskante Grilloptionen (Gepökelt)Sichere Grilloptionen (Ungepökelt)
KasselerFrische Schweinefilets, Nackensteaks
Wiener WürstchenBratwürste ohne Nitritpökelsalz, Geflügelwürstchen (ungepökelt)
BockwürsteRostbratwürste (ungepökelt), Lammbratwürste
Fleischkäse / LeberkäseFrische Burger-Patties (aus reinem Rind-/Schweinemett), Halloumi-Käse
Gepökelter SchinkenFrische Hähnchenbrust, Putensteaks
Gepökelter SpeckGemüse-Spieße, Pilze, Maiskolben
Alle stark verarbeiteten Wurstwaren mit NitritpökelsalzFrisches Rindfleisch, Lammfleisch, Schweinefleisch, Fisch, Gemüse

Was tun, wenn Sie die riskanten Fleischsorten bereits gekauft haben?

Wenn Sie bereits gepökelte Fleischwaren wie Bockwürstchen, Kasseler oder Speck im Kühlschrank haben und diese nicht wegwerfen möchten, gibt es eine Möglichkeit, die Bildung von Nitrosaminen zu vermeiden: Kochen Sie sie! Die Verbraucherzentrale empfiehlt, diese Fleischsorten stattdessen für Eintöpfe, Suppen oder andere Gerichte zu verwenden, bei denen sie gekocht werden. Durch das Kochen bei niedrigeren Temperaturen und im wässrigen Milieu wird die Bildung von Nitrosaminen deutlich reduziert oder ganz vermieden.

Die Verbraucherzentrale NRW rät zudem, den Fleischkonsum insgesamt zu reduzieren. Dies ist nicht nur aus gesundheitlicher Sicht vorteilhaft, sondern auch aus ökologischen Gründen. Eine pflanzenbasierte Ernährung oder eine Reduzierung des Fleischkonsums bietet viele Vorteile für die Gesundheit und die Umwelt.

Allgemeine Tipps für gesundes Grillen

Neben der Vermeidung von Nitrosaminen gibt es weitere Aspekte, die Sie beim Grillen beachten können, um Ihr Gericht gesünder zu machen:

  • Verkohlung vermeiden: Schwarze, verkohlte Stellen am Fleisch enthalten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die ebenfalls als krebserregend gelten. Achten Sie darauf, das Fleisch nicht zu lange oder zu heiß zu grillen. Eine Grillschale kann helfen, das Abtropfen von Fett in die Glut zu verhindern, was die Bildung von PAKs reduziert.
  • Richtige Temperatur: Grillen Sie bei mittlerer Hitze. Wenn die Flammen zu hoch sind, kann das Fleisch außen verbrennen, während es innen noch roh ist.
  • Marinaden nutzen: Marinaden können nicht nur den Geschmack verbessern, sondern auch eine Schutzschicht bilden, die die Bildung schädlicher Stoffe reduziert. Antioxidantien aus Kräutern und Gewürzen in der Marinade können dabei eine Rolle spielen.
  • Gemüse auf den Grill: Paprika, Zucchini, Auberginen, Champignons oder Maiskolben sind hervorragende und gesunde Grillbeilagen. Sie enthalten viele Vitamine und Ballaststoffe und sind komplett frei von Nitrosamin-Risiken.
  • Hygiene: Achten Sie auf Sauberkeit beim Grillen. Verwenden Sie separate Zangen und Schneidebretter für rohes und gegrilltes Fleisch, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema Nitrosamine und Grillen

Sind Nitrosamine in allen Wurstsorten enthalten?

Nein, Nitrosamine bilden sich primär in Wurstsorten, die mit Nitritpökelsalz hergestellt wurden. Achten Sie auf die Inhaltsstoffe. Viele frische Bratwürste oder Würste, die nur mit Kochsalz gewürzt sind, enthalten kein Nitritpökelsalz und sind daher unbedenklich zum Grillen.

Kann ich gepökeltes Fleisch gar nicht mehr essen?

Die Warnung bezieht sich hauptsächlich auf das starke Erhitzen (Grillen, Braten, Frittieren). Wenn gepökeltes Fleisch gekocht wird, wie zum Beispiel Kasseler in einem Eintopf oder Speckwürfel in einer Suppe, ist die Bildung von Nitrosaminen deutlich geringer oder vernachlässigbar. Der Konsum in Maßen ist hier entscheidend.

Wie erkenne ich Nitritpökelsalz auf der Verpackung?

Nitritpökelsalz wird in der Zutatenliste oft als „Nitritpökelsalz“, „Natriumnitrit“ (E 250) oder „Kaliumnitrit“ (E 249) aufgeführt. Manchmal steht auch einfach „Pökelsalz“ oder „Konservierungsstoff Nitrit“ dabei.

Gibt es Grenzwerte für Nitrosamine in Lebensmitteln?

Für Nitrosamine, die sich im Lebensmittel bilden, gibt es keine spezifischen gesetzlichen Höchstwerte in der EU. Es gibt jedoch Grenzwerte für die Ausgangsstoffe, insbesondere für Nitrit in Pökelsalz, um die Bildung von Nitrosaminen so gering wie möglich zu halten. Die EFSA und das BfR empfehlen, die Aufnahme von Nitrosaminen generell so weit wie möglich zu reduzieren.

Welche Rolle spielt die Zubereitungsart?

Die Zubereitungsart spielt eine zentrale Rolle. Hohe Temperaturen, insbesondere beim Grillen, Braten und Frittieren, fördern die Bildung von Nitrosaminen in gepökelten Produkten. Schonendere Garmethoden wie Kochen oder Dämpfen sind hier sicherer.

Ist Grillen generell ungesund?

Nein, Grillen ist nicht generell ungesund. Es kommt stark darauf an, was und wie Sie grillen. Mit der richtigen Auswahl an Lebensmitteln (frisches, ungepökeltes Fleisch, viel Gemüse) und der Beachtung einiger einfacher Regeln (kein Verkohlen, moderate Hitze) kann Grillen eine sehr gesunde und genussvolle Art der Zubereitung sein.

Fazit: Bewusst genießen und sicher grillen

Die Informationen über Nitrosamine und ihre potenziellen Gesundheitsrisiken mögen auf den ersten Blick beunruhigend wirken. Doch sie sind vor allem eine Aufforderung zu einem bewussteren Umgang mit unseren Lebensmitteln. Indem wir die Empfehlungen der Verbraucherzentrale ernst nehmen und auf gepökelte Fleischwaren beim Grillen verzichten, können wir ein wesentliches Risiko minimieren.

Das Grillen bleibt ein wunderbares Vergnügen. Konzentrieren Sie sich auf frische, unbehandelte Produkte, experimentieren Sie mit verschiedenen Gemüsesorten und entdecken Sie die Vielfalt der gesunden Grillküche. So steht einem sicheren, köstlichen und unbeschwerten Grillabend nichts im Wege. Guten Appetit und viel Freude beim nächsten Grillfest!

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