Wer profitiert von Grillen?

Grillen in Österreich: Mehr als nur ein Hobby

02/10/2021

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In Österreich hat sich das Grillen längst von einer einfachen Kochmethode zu einem festen Bestandteil der nationalen Kultur und des gesellschaftlichen Lebens entwickelt. Was einst als saisonale Freizeitbeschäftigung begann, ist heute eine ganzjährige Passion, die weit über das Zubereiten von Speisen hinausgeht. Es ist ein Ausdruck von Geselligkeit, Entspannung und Genuss, der in vielen Haushalten den traditionellen Herd und Backofen immer öfter in den Schatten stellt. Doch wer profitiert eigentlich von diesem Phänomen, und ist Grillen tatsächlich das neue Kochen?

Eine aktuelle Grillstudie, durchgeführt vom Handelsverband und Mindtake, beleuchtet die ungebrochene Beliebtheit des Grillens in Österreich und bestätigt seinen Status als echtes Kulturgut. Die Ergebnisse sind eindeutig: Jeder zweite Österreicher greift mindestens einmal im Monat zum Grillrost, und die Ausgaben pro Grillerei können sich sehen lassen. Dies unterstreicht nicht nur die kulinarische Bedeutung, sondern auch den erheblichen Einfluss des Grillens auf die Wirtschaft. Für viele ist Grillen nicht nur ein Weg, Hunger zu stillen, sondern eine Form der Unterhaltung und des Luxus, die man auch gerne allein zelebriert. Die Hochblüte während der Pandemie hat gezeigt, wie sehr die Menschen das Grillen als Ausgleich und Freude in schwierigen Zeiten schätzten, und dieser Trend hält unvermindert an.

Wer profitiert von Grillen?
Und Grillen ist ein Wirtschaftsfaktor: Im Handel profitieren davon vor allem Nahversorger, Baumärkte und Tankstellenshops.“ Jeder zehnte lässt sich sogar von Schlechtwetter nicht abhalten und grillt sogar im Winter. Vier von zehn Österreichern grillen mehrmals im Monat, 90 Prozent zumindest fallweise.
Inhaltsverzeichnis

Grillen als kulturelles Phänomen und Wirtschaftsfaktor

Die Begeisterung der Österreicher für das Grillen ist tief in der Gesellschaft verwurzelt. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, bringt es auf den Punkt: „In Österreich gehört Grillen einfach dazu: zum Sommer, als gesellschaftlicher Anlass, zum Erholen und zum schönen Wetter.“ Diese Aussage verdeutlicht, dass Grillen mehr ist als nur Essen – es ist ein Erlebnis, das Gemeinschaft stiftet und Lebensfreude vermittelt. Es ist ein Ritual, das den Übergang von der Arbeitswoche zum Wochenende markiert, ein Anlass, Freunde und Familie zu versammeln oder einfach die Ruhe im Freien zu genießen.

Doch Grillen ist nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Studie zeigt, dass pro Grillerei durchschnittlich 47 Euro ausgegeben werden. Diese Summe fließt in verschiedene Wirtschaftszweige. Vor allem Nahversorger profitieren von den spontanen Einkäufen für die Grillparty, Baumärkte verzeichnen hohe Umsätze bei Grillgeräten und Zubehör, und selbst Tankstellenshops profitieren von Last-Minute-Einkäufen wie Getränken oder Grillkohle. Dieser Umsatz ist ein klares Indiz dafür, wie fest das Grillen im Konsumverhalten der Österreicher verankert ist und wie viele Akteure entlang der Wertschöpfungskette davon profitieren.

Die Vermessung der Grillwelt: Wer, wie oft und warum?

Die Studie gibt detaillierte Einblicke in die Grillgewohnheiten der Österreicher. Erstaunlich ist, dass selbst schlechtes Wetter oder kalte Temperaturen viele nicht vom Grillen abhalten. Jeder Zehnte lässt sich nicht beirren und heizt den Grill sogar im Winter an, was die ganzjährige Relevanz des Grillens unterstreicht. Vier von zehn Österreichern grillen mehrmals im Monat, und beeindruckende 90 Prozent tun dies zumindest fallweise. Eine besonders engagierte Gruppe sind die „Hardcore-Griller“: Zwölf Prozent von ihnen grillen mindestens einmal pro Woche. Diese Zahlen belegen eine tiefe Leidenschaft und nicht nur ein gelegentliches Interesse am Grillen.

Die Gründe für diese Begeisterung sind vielfältig und spiegeln die verschiedenen Facetten des Grillens wider:

  • Geschmackserlebnis: 61 Prozent der Befragten geben an, dass „Gegrilltes einfach gut schmeckt“. Dies ist der primäre Motivator und unterstreicht die sensorische Anziehungskraft der Zubereitung über offener Flamme oder Glut.
  • Saisonalität & Wetter: Für 58 Prozent gehört Grillen „zum Sommer und zum schönen Wetter“. Es ist untrennbar mit der warmen Jahreszeit und Outdoor-Aktivitäten verbunden.
  • Soziales Erlebnis: Jeder zweite schätzt Grillen mit Familie und Freunden als „schönes soziales Erlebnis“. Es fördert die Gemeinschaft und schafft unvergessliche Momente.
  • Aktivität im Freien: Vier von zehn Befragten sehen es als „schöne Betätigung im Freien“, die eine willkommene Abwechslung zum Alltag bietet.
  • Abwechslung im Speiseplan: 37 Prozent mögen die Abwechslung, die das Grillen in den Speiseplan bringt, und die Möglichkeit, neue Geschmacksrichtungen und Zubereitungsarten zu entdecken.

Die regionalen Unterschiede in der Grillhäufigkeit sind ebenfalls interessant. Während in Vorarlberg und Tirol der Grill am häufigsten angeheizt wird, bilden die Steiermark und Kärnten die Schlusslichter im Bundesland-Ranking, wo „nur“ 34 Prozent mehrmals im Monat grillen. In Wien sind es 32 Prozent. Diese Unterschiede könnten auf verschiedene Faktoren wie lokale Traditionen, Wetterbedingungen oder die Verfügbarkeit von geeigneten Grillplätzen zurückzuführen sein.

BundeslandAnteil der Vielgriller (mehrmals/Monat)
Vorarlberg & TirolAm höchsten
Steiermark & Kärnten34%
Wien32%

Was auf den Rost kommt: Geschlechter und Vorlieben

Die Umfrage bestätigt ein bekanntes Klischee: Grillen bleibt größtenteils Männersache. Doch nicht nur die Rolle am Grill, auch der Geschmacksvielfalt der Grillenden unterscheidet sich deutlich zwischen den Geschlechtern. Während bei Männern traditionell Schweinefleisch, Bratwürste, Geflügel und Käsekrainer ganz oben auf der Liste der Lieblings-Grillgerichte stehen, bevorzugen Frauen eine andere Auswahl an Köstlichkeiten:

Männer bevorzugenFrauen bevorzugen
SchweinefleischGrill-Gemüse
BratwürsteSalate
GeflügelGeflügel
KäsekrainerSaucen
Gegrillte Erdäpfel
Gebäck

Ein wachsender Trend, der beide Geschlechter anspricht, ist der Grillkäse. Halloumi und anderer Grillkäse landen bei 35 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer auf dem Grill. Auch pflanzliche Alternativen gewinnen an Bedeutung: Vegetarische Fleisch-Alternativen werden von neun Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer gewählt, während vegane Optionen bei sieben Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer Anklang finden. Dies zeigt eine zunehmende Offenheit für fleischlose Optionen und eine Diversifizierung des Grillguts.

Die jüngste Motivanalyse der AMA (Agrarmarkt Austria) untermauert diese Beobachtungen. Am häufigsten werden in Österreich nach wie vor Grillwürste zubereitet, gefolgt von Schweinefleisch und Gemüse. Allerdings signalisiert die AMA auch einen klaren Trend: „Der Trend geht jedoch in Richtung Gemüse und Hühnerfleisch.“ Dies spiegelt ein allgemeines Bewusstsein für gesündere Ernährung wider, bei dem leichteres Fleisch und pflanzliche Komponenten eine immer größere Rolle spielen. Ein durchschnittlicher Haushalt kaufte im Jahr 2023 sechs Kilogramm Grillfleisch und acht Kilogramm Würstel, was die anhaltende Beliebtheit dieser Klassiker bestätigt, aber auch den Wandel in den Präferenzen aufzeigt.

Die Vielfalt der Grillgeräte: Holzkohle, Gas, Elektro und mehr

Die Wahl des Grillgeräts ist eine persönliche Entscheidung, die oft von Tradition, Bequemlichkeit und dem gewünschten Geschmackserlebnis abhängt. In Österreich dominiert nach wie vor der Holzkohlegrill. Sein Anteil ist weitaus der größte, was auf die Vorliebe für das rauchige Aroma und das authentische Grillerlebnis hindeutet. Der Geruch von glühender Kohle und brutzelndem Fleisch ist für viele untrennbar mit dem Gefühl des Grillens verbunden.

Dicht gefolgt wird der Holzkohlegrill vom Gasgrill, der vor allem für seine schnelle Einsatzbereitschaft, präzise Temperaturkontrolle und einfache Reinigung geschätzt wird. Er ist ideal für spontane Grillabende oder wenn es schnell gehen muss. Der Elektrogrill bietet eine bequeme Alternative für Balkone oder Orte, an denen offenes Feuer nicht erlaubt ist. Er ist einfach zu bedienen und erzeugt weniger Rauch, was ihn zu einer beliebten Wahl für Stadtbewohner macht.

Neben diesen Haupttypen gibt es auch Nischenprodukte, die ihre Liebhaber finden: Fünf Prozent der Österreicher grillen auf einer Feuerstelle, was ein sehr ursprüngliches und naturnahes Grillerlebnis bietet. Drei Prozent nutzen einen Smoker, der sich durch seine Fähigkeit auszeichnet, Fleisch über Stunden bei niedriger Temperatur zu räuchern und so besonders zarte und aromatische Ergebnisse zu erzielen. Insider berichten sogar von einem Trend zum Zweit- oder Dritt-Grill, was die Vielseitigkeit und das tiefe Engagement der Grill-Community unterstreicht. Ein Holzkohlegrill für das authentische Erlebnis, ein Gasgrill für den schnellen Einsatz und vielleicht ein Smoker für besondere Anlässe – die Möglichkeiten sind vielfältig und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten.

Grillen im Wandel: Trends und Zukunftsaussichten

Die Grilllandschaft in Österreich ist dynamisch und entwickelt sich stetig weiter. Die Daten zeigen, dass Grillen nicht nur ein Sommertrend ist, sondern sich zu einer ganzjährigen Aktivität mausert. Die „Hardcore-Griller“, die auch im Winter aktiv sind, sind ein klares Zeichen dafür, dass der Grillrost nicht mehr nur bei Sonnenschein zum Einsatz kommt. Dies erfordert oft spezielle Ausrüstung und eine Anpassung der Grillmethoden an kältere Temperaturen, aber der Genuss bleibt derselbe.

Ein weiterer wichtiger Trend ist die zunehmende Vielfalt des Grillguts. Während Fleisch und Würstel nach wie vor dominieren, gewinnen Gemüse, Grillkäse und pflanzliche Alternativen deutlich an Boden. Dies spiegelt einen breiteren gesellschaftlichen Trend zu bewussterer Ernährung und einer Reduzierung des Fleischkonsums wider. Grillabende werden somit inklusiver und bieten für jeden Geschmack etwas Passendes, von traditionellen Würstchen bis hin zu kreativen vegetarischen Spießen oder veganen Burgern. Die Grillkultur passt sich an die Ernährungsbedürfnisse und -wünsche der modernen Gesellschaft an.

Auch die technische Entwicklung der Grillgeräte trägt zur anhaltenden Beliebtheit bei. Modernere Gasgrills mit Seitenbrennern, Infrarotzonen oder integrierten Thermometern machen das Grillen noch komfortabler und vielseitiger. Smoker und Pelletgrills, die ein noch präziseres Garen und Räuchern ermöglichen, finden ebenfalls immer mehr Anhänger. Diese Innovationen sorgen dafür, dass das Grillen spannend bleibt und immer wieder neue Möglichkeiten bietet, kulinarische Meisterwerke im Freien zu schaffen.

Tipps für das perfekte Grillerlebnis

Egal, ob Sie ein erfahrener „Hardcore-Griller“ oder ein Gelegenheitsgriller sind, einige grundlegende Tipps können Ihr Grillerlebnis stets verbessern:

  1. Sicherheit geht vor: Achten Sie immer auf einen stabilen Stand des Grills und halten Sie brennbare Materialien fern. Ein Feuerlöscher oder Eimer Sand sollte immer griffbereit sein. Lassen Sie Kinder und Haustiere nicht unbeaufsichtigt in der Nähe des Grills.
  2. Die richtige Temperatur: Ob Holzkohle oder Gas – die optimale Grilltemperatur ist entscheidend. Für Steaks benötigen Sie hohe Hitze, für größere Fleischstücke oder Gemüse eher mittlere, indirekte Hitze. Nutzen Sie ein Grillthermometer, um die Kerntemperatur des Grillguts zu überprüfen und perfekte Garstufen zu erreichen.
  3. Qualität des Grillguts: Investieren Sie in hochwertige Zutaten. Frisches Fleisch vom Metzger, knackiges Gemüse und gute Saucen machen den entscheidenden Unterschied im Geschmack.
  4. Marinaden und Rubs: Verleihen Sie Ihrem Grillgut mit selbstgemachten Marinaden oder Trockenrub-Gewürzmischungen eine besondere Note. Lassen Sie Fleisch und Gemüse ausreichend lange marinieren, damit die Aromen gut einziehen können.
  5. Vielfalt auf dem Rost: Denken Sie über den Tellerrand hinaus. Neben Fleisch und Würsteln eignen sich auch Fisch, Meeresfrüchte, Obst (z.B. Ananas, Pfirsiche) und Brot hervorragend zum Grillen.
  6. Beilagen nicht vergessen: Ein gelungenes Grillfest lebt auch von den Beilagen. Frische Salate, gegrilltes Gemüse, Ofenkartoffeln oder knuspriges Baguette runden das Mahl ab und bieten eine willkommene Ergänzung zu den Hauptgerichten.
  7. Reinigung nach dem Grillen: Eine regelmäßige Reinigung des Grillrosts und des Grills ist nicht nur hygienisch, sondern verlängert auch die Lebensdauer Ihres Geräts und sorgt für besten Geschmack bei der nächsten Grillerei.

Häufig gestellte Fragen zum Grillen in Österreich

Ist Grillen in Österreich wirklich so beliebt?
Ja, absolut. Eine aktuelle Studie bestätigt, dass jeder zweite Österreicher mindestens einmal im Monat grillt und 90 Prozent zumindest fallweise. Grillen hat eine tiefe kulinarische und kulturelle Bedeutung im Land.

Wie viel geben Österreicher durchschnittlich fürs Grillen aus?
Im Schnitt geben Österreicher pro Grillerei 47 Euro aus. Dies beinhaltet Ausgaben für Grillgut, Beilagen, Getränke und eventuell Zubehör.

Grillen Männer und Frauen dasselbe?
Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede. Männer bevorzugen klassisch Schweinefleisch, Bratwürste, Geflügel und Käsekrainer. Frauen hingegen wählen öfter Grill-Gemüse, Salate, Geflügel, Saucen, gegrillte Erdäpfel und Gebäck. Grillkäse und pflanzliche Alternativen werden von beiden Geschlechtern zunehmend geschätzt.

Welcher Grilltyp ist am beliebtesten?
Der traditionelle Holzkohlegrill ist der weitaus beliebteste Grilltyp in Österreich, gefolgt vom Gas- und Elektrogrill. Auch Feuerstellen und Smoker werden von einem kleineren Teil der Grill-Community genutzt.

Kann man auch im Winter grillen?
Ja, absolut. Jeder zehnte Österreicher lässt sich von Schlechtwetter nicht abhalten und grillt sogar im Winter. Dies zeigt, dass Grillen für viele zu einer ganzjährigen Leidenschaft geworden ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Grillen in Österreich weit mehr ist als nur eine Art zu kochen. Es ist ein Ausdruck von Lebensfreude, Gemeinschaft und Genuss, der tief in der Kultur verankert ist und sowohl kulinarisch als auch wirtschaftlich eine bedeutende Rolle spielt. Die ungebrochene Begeisterung und die Vielfalt der Grillgewohnheiten machen deutlich: Der Grill ist aus den österreichischen Gärten, Balkonen und Terrassen nicht mehr wegzudenken und wird auch in Zukunft für viele genussvolle Momente sorgen.

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