12/03/2023
Der Duft von frisch Gegrilltem liegt in der Luft, Freunde und Familie versammeln sich – der Grillabend ist für viele der Inbegriff des Sommers und geselliger Stunden. Doch während wir uns über perfekt gegarte Steaks, Würstchen oder Gemüsespieße freuen, denken die wenigsten an die Auswirkungen auf unser Klima. Die Frage, welcher Grill am klimafreundlichsten ist oder ob Holzkohle, Gas oder gar ein Elektrogrill die bessere Wahl ist, beschäftigt immer mehr umweltbewusste Genießer.

Die gute Nachricht vorweg: Grillen muss nicht zwangsläufig eine Klimakatastrophe sein. Doch es gibt erhebliche Unterschiede und überraschende Erkenntnisse, die zeigen, wo die wahren Hebel für einen umweltfreundlicheren Grillgenuss liegen. Es geht nicht nur um die Art des Grills, sondern vielmehr darum, was auf dem Rost landet und wie wir unsere Grillabende insgesamt gestalten.
- Grillarten im Klimacheck: Holzkohle, Gas oder Elektro?
- Der wahre Klimakiller: Was auf dem Rost landet
- Klimafreundliche Grillanzünder: Kleine Helfer mit großer Wirkung
- Weitere Stellschrauben für einen grüneren Grillabend
- Häufig gestellte Fragen zum Thema Grillen und Klima
- Fazit: Genuss mit Verantwortung
Grillarten im Klimacheck: Holzkohle, Gas oder Elektro?
Die Debatte um den klimafreundlichsten Grill ist alt und emotional aufgeladen. Für viele ist das traditionelle Grillen mit Holzkohle untrennbar mit dem echten Grillgefühl verbunden – das Knistern der Kohle, der rauchige Geruch, das unverwechselbare Aroma. Andere schwören auf die schnelle Hitze und die einfache Handhabung von Gasgrills, während Elektrogrills oft als die saubere, moderne Alternative gelten.
Betrachtet man allein den reinen Grillvorgang, also die Phase, in der das Essen auf dem Rost brutzelt, zeigt sich ein klares Bild: Der TÜV Rheinland hat in einer umfassenden Analyse die CO2-Emissionen verschiedener Grillarten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die CO2-Emissionen, die beim Grillen mit Holzkohle entstehen, sind etwa dreimal höher als bei einem Gasgrill. Der Elektrogrill schneidet in diesem direkten Vergleich am besten ab, insbesondere wenn er mit Ökostrom betrieben wird. Hier ist der reine Grillvorgang am klimafreundlichsten.
Allerdings ist es wichtig, die gesamte Klimabilanz eines Grillabends zu betrachten. Dies beinhaltet nicht nur den eigentlichen Grillvorgang, sondern auch die Herstellung des Grills, die Gewinnung der Holzkohle, die Produktion und den Transport von Gas und Strom sowie die Erzeugung und den Transport des Grillguts selbst. Fasst man all diese Faktoren zusammen, zeigt sich, dass sich die klimarelevanten Emissionen der unterschiedlichen Grillarten nur geringfügig unterscheiden. Bei einem typischen Grillabend für acht Personen fallen demnach zwischen 17,5 und 18 Kilogramm CO2-Äquivalente an – unabhängig von der Art des Grills. CO2-Äquivalente umfassen dabei nicht nur Kohlendioxid, sondern auch andere klimaschädliche Gase wie Methan, die zum Treibhauseffekt beitragen.
Das bedeutet: Obwohl der Elektrogrill im direkten Betrieb am saubersten ist, sind die Unterschiede im Gesamtbild nicht so gravierend, wie man vielleicht erwarten würde. Es gibt andere Faktoren, die eine viel größere Rolle spielen.
Der wahre Klimakiller: Was auf dem Rost landet
Hier kommt die große Überraschung und der entscheidende Punkt für die Nachhaltigkeit Ihres Grillabends: Das Grillgut macht den Löwenanteil der Emissionen aus. Experten sind sich einig: Rund 95 Prozent der gesamten Emissionen eines Grillabends werden durch das verursacht, was auf dem Grill liegt. „Alle Grillgeräte-Arten als solche können Sie im Vergleich zum Grillgut vernachlässigen“, erklärt Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland. „Den größten Hebel haben Sie bei dem, was auf dem Grill landet.“
Besonders ins Gewicht fällt dabei Rindfleisch, vor allem solches aus Übersee. Die Rinderhaltung ist weltweit ein erheblicher Verursacher von Methan- und Lachgasemissionen, beides hochpotente Treibhausgase. In Deutschland sind Milchkühe sogar für 87 Prozent dieser Emissionen verantwortlich. Aber nicht nur die Verdauung der Tiere spielt eine Rolle, sondern auch die Flächennutzung. Für die Rinderzucht wird oft Regenwald gerodet, insbesondere in Südamerika. Dies hat eine doppelt negative Wirkung: Zum einen geht eine wichtige CO2-Senke (der Wald) verloren, zum anderen entstehen auf der freigewordenen Fläche Emissionen durch die Tierhaltung.
Ein Kilogramm Rindfleisch, insbesondere aus Brasilien oder Argentinien, kann zwischen 13 und 30 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Fleisch freisetzen, wenn man nur direkte Emissionen betrachtet. Berücksichtigt man jedoch indirekte Emissionen durch veränderte Flächennutzung, können die Werte bis zu 25-mal höher sein – so können für ein Kilogramm brasilianisches Rindfleisch bis zu 335 Kilogramm CO2 anfallen. Das entspricht einer Autofahrt von Wien nach Patras in Westgriechenland, also rund 1.600 Kilometern!
Schweine- und Geflügelfleisch schneiden mit vier bis sieben Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Kilogramm besser ab als Rindfleisch, belasten die Umwelt aber immer noch erheblich mehr als pflanzliche Alternativen. Am klimafreundlichsten ist unbestreitbar gegrilltes Gemüse aus der eigenen Region. Hier fallen pro Kilogramm Gemüse lediglich etwa 150 Gramm CO2 an – das ist nur ein Zwanzigstel im Vergleich zu Rindfleisch. Auch Tofu und andere Sojaprodukte sind mit weniger als einem halben Kilogramm CO2 pro Kilogramm (konventionell berechnet) deutlich umweltfreundlicher.
Um die Auswirkungen des Grillguts zu verdeutlichen, hier eine kleine Vergleichstabelle:
| Grillgut (1 kg) | CO2-Äquivalente (ca.) | Vergleich (Autofahrt) |
|---|---|---|
| Rindfleisch (importiert, inkl. indirekte Emissionen) | bis zu 335 kg | ca. 1600 km |
| Rindfleisch (direkte Emissionen) | 13-30 kg | ca. 60-140 km |
| Schwein/Geflügel | 4-7 kg | ca. 20-35 km |
| Tofu/Sojaprodukte | 0,5-3,8 kg | ca. 2-19 km |
| Gemüse (regional) | 0,15 kg | ca. 0,7 km |
Klimafreundliche Grillanzünder: Kleine Helfer mit großer Wirkung
Wer trotz allem nicht auf das traditionelle Holzkohle-Grillgefühl verzichten möchte, kann auch bei den Details an der Klimabilanz drehen. Neben der Auswahl der Kohle selbst (zertifizierte, nachhaltig produzierte Kohle ist zu bevorzugen) spielt der Grillanzünder eine Rolle. Spiritus oder chemische Anzünder sind nicht nur gefährlich in der Anwendung, sondern auch umweltschädlich in ihrer Herstellung und Verbrennung. Besser sind feste Anzünder aus Naturmaterialien wie Holzwolle mit Wachs.

Noch besser und klimafreundlicher sind natürliche Alternativen: Zapfen oder Kokosbriketts eignen sich hervorragend. Der absolute Champion unter den klimafreundlichen Grillanzündern ist jedoch Fallholz. Dieses Holz würde beim Verrotten ohnehin CO2 abgeben. Wenn man es stattdessen zum Anzünden nutzt, vermeidet man zusätzliche Emissionen, die bei der Produktion anderer Anzünder entstehen. Durch den Verzicht auf andere Anzünder und die Nutzung von Fallholz kann man fast zwei Drittel der schädlichen Emissionen beim Grillen mit Kohle vermeiden.
Weitere Stellschrauben für einen grüneren Grillabend
Ein Grillabend besteht aus mehr als nur Grill und Grillgut. Auch Getränke und Beilagen bieten Potenzial, die Umweltbilanz zu verbessern:
- Getränke: Flasche statt Dose: Wenn zum Grillen Bier gehört, greifen Sie lieber zur Mehrweg-Glasflasche statt zur Aluminiumdose. Auch wenn in Österreich recyceltes Aluminium verwendet wird, verursachen Aludosen immer noch mehr als doppelt so viel CO2 wie Mehrwegflaschen – vorausgesetzt, diese werden ordnungsgemäß zurückgebracht und wiederverwendet. Für 1.000 Liter Bier sind das 222 Kilogramm CO2 bei Aludosen, aber nur 98 Kilogramm bei wiederverwendbaren Glasflaschen. Und ganz wichtig: Recyceln Sie Dosen und Flaschen immer korrekt!
- Saisonal und frisch statt tiefgekühlt: Tiefkühlprodukte haben einen „CO2-Rucksack“. Sowohl die Produktion (Gefriervorgang) als auch die Lagerung im Supermarkt und zu Hause benötigen viel Energie. Setzen Sie stattdessen auf saisonale und frische Produkte, besonders bei Gemüse. Lange Transportwege sind zwar nicht der größte Faktor, aber auch nicht zu vernachlässigen.
- Regional und Bio: Kaufen Sie Fleisch und Gemüse bei regionalen Anbietern. Noch wichtiger ist es jedoch, auf Bioqualität zu achten. Biofleisch hat oft 30 bis 50 Prozent weniger CO2-Emissionen, da auf Eiweißfuttermittel aus den Tropenländern verzichtet wird. Der Anbau dieser Futtermittel führt oft zur Rodung von Regenwaldflächen, was wiederum wichtige CO2-Neutralisatoren vernichtet.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Grillen und Klima
F: Ist ein Elektrogrill wirklich am besten für das Klima?
A: Für den reinen Grillvorgang ist der Elektrogrill am klimafreundlichsten, besonders wenn er mit Ökostrom betrieben wird. Betrachtet man jedoch die gesamte Klimabilanz eines Grillabends (inkl. Produktion von Grill, Kohle/Gas/Strom und Grillgut), sind die Unterschiede zwischen den Grillarten gering. Der größte Einflussfaktor bleibt das Grillgut.
F: Warum ist Rindfleisch so schlecht für die Umwelt?
A: Rindfleisch ist aufgrund mehrerer Faktoren besonders klimaschädlich: Rinder produzieren bei ihrer Verdauung Methan, ein sehr potentes Treibhausgas. Zudem wird für die Rinderzucht, insbesondere in Südamerika, oft Regenwald gerodet, was nicht nur CO2-Speicher vernichtet, sondern auch die Biodiversität bedroht.
F: Kann ich meinen Holzkohlegrill noch guten Gewissens nutzen?
A: Ja, absolut. Der wichtigste Hebel liegt beim Grillgut. Wenn Sie weniger Rindfleisch und mehr Gemüse oder nachhaltigeres Fleisch grillen, können Sie die Klimabilanz erheblich verbessern, unabhängig von Ihrem Holzkohlegrill. Achten Sie zudem auf nachhaltig produzierte Holzkohle und klimafreundliche Anzünder wie Fallholz.
F: Was sind CO2-Äquivalente?
A: CO2-Äquivalente (CO2e) sind eine Maßeinheit, die verwendet wird, um die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase vergleichbar zu machen. Da Gase wie Methan oder Lachgas eine viel stärkere Treibhauswirkung haben als CO2, wird ihre Menge in die entsprechende Menge an CO2 umgerechnet, die dieselbe Wirkung hätte. So lässt sich die gesamte Klimawirkung eines Produkts oder Prozesses in einer einzigen Zahl ausdrücken.
F: Wie kann ich meinen Grillabend am nachhaltigsten gestalten?
A: Der größte Einfluss liegt in der Wahl des Grillguts: Weniger Rindfleisch, mehr Gemüse und pflanzliche Alternativen. Achten Sie auf regionale und saisonale Produkte sowie Bioqualität. Bei den Getränken sind Mehrwegflaschen den Dosen vorzuziehen. Und wenn Sie Holzkohle nutzen, wählen Sie nachhaltige Kohle und Anzünder wie Fallholz.
Fazit: Genuss mit Verantwortung
Ein Grillabend ist weit mehr als nur Essen zubereiten; er ist ein soziales Ereignis, ein Stück Lebensqualität. Die gute Nachricht ist, dass wir diesen Genuss nicht aufgeben müssen, um unseren Planeten zu schützen. Die Erkenntnis, dass das Grillgut den größten Einfluss auf die Klimabilanz hat, verschiebt den Fokus von der Art des Grills hin zu bewussteren Entscheidungen beim Einkauf.
Es geht nicht darum, den Grillabend komplett zu revolutionieren, sondern kleine, bewusste Schritte zu unternehmen. Jedes Stück Gemüse, jede bewusste Wahl für regionales Fleisch oder eine pflanzliche Alternative, jede Mehrwegflasche trägt dazu bei, die Klimabilanz zu verbessern. Grillen kann also weiterhin ein Fest für die Sinne sein – und gleichzeitig ein Beitrag zum Umweltschutz. In diesem Sinne: Guten Appetit und einen nachhaltigen Grillabend!
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