26/10/2023
Im Herzen des Salzburger Seenlandes, eingebettet in die malerische Gemeinde Seeham, verbirgt sich ein Ort von besonderer Faszination: der Teufelsgraben, auch bekannt als Kargraben. Dieses beliebte Wander- und Naherholungsgebiet ist weit mehr als nur ein Netz von Wegen; es ist ein lebendiges Öko-Kulturprojekt, das die Sinne belebt und tiefe Einblicke in das Zusammenspiel von Wasser, Wald und Gelände bietet. Hier wird die Natur zu einem begehbaren Freilichtmuseum, wo Geschichte und Handwerk auf spielerische Weise erfahrbar werden. Von wildromantischen Pfaden bis hin zu den geheimnisvollen Kugelmühlen, die einst die Welt mit ihren Steinkugeln belieferten, lädt der Teufelsgraben dazu ein, die Umwelt mit allen Sinnen zu erleben: zum Anfassen, Fühlen, Hören und aktiv Mitmachen.

- Entdeckung des Teufelsgrabens: Ein Naturparadies in Seeham
- Wandern im Teufelsgraben: Wege, Sagen und Naturlehrpfade
- Die Faszination der Kugelmühle: Ein historisches Handwerk lebt auf
- Steine, die Geschichten erzählen: Was in der Kugelmühle verarbeitet wird
- Nachhaltigkeit im Fokus: Das Öko-Kulturprojekt Teufelsgraben
- „Immer wieder freitags Seeham sehen“: Veranstaltungen und Erlebnisse
- Weitere Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten
Entdeckung des Teufelsgrabens: Ein Naturparadies in Seeham
Der Teufelsgraben in Seeham ist ein Paradebeispiel dafür, wie Natur und Kultur harmonisch miteinander verschmelzen können. Als Teil des umfassenden Öko-Kulturprojekts Teufelsgraben umfasst dieses Gebiet einen zweieinhalb Kilometer langen Wanderweg, der mit 17 einzigartigen Stationen gespickt ist. Diese Stationen sind nicht nur informativ, sondern laden oft zum Interagieren ein, um Besuchern jeden Alters die Möglichkeit zu geben, die Natur auf eine tiefere, persönlichere Weise kennenzulernen. Es ist ein Ort, an dem man die Stille des Waldes genießen, dem Plätschern des Wassers lauschen und die raue Schönheit der Felsen bestaunen kann. Die Vision hinter dem Projekt ist es, traditionelle Strukturen mit zukunftsweisenden Perspektiven zu verbinden und das Prinzip der Nachhaltigkeit durch Bewusstseinsbildung für den Erhalt natürlicher Ressourcen und Lebensräume zu verankern.
Wandern im Teufelsgraben: Wege, Sagen und Naturlehrpfade
Die Wanderwege durch den Teufelsgraben sind sorgfältig beschildert und führen Besucher durch den gesamten erschlossenen Bereich dieses Naturjuwels. Während einige Abschnitte aufgrund von Stufen und Höhenunterschieden nicht durchgehend für körperlich eingeschränkte Gäste begehbar sind, bietet der Großteil der Wege eine Oase der Erholung und des Staunens. Entlang der Pfade finden sich zahlreiche Informationstafeln, die Wissenswertes über die lokale Tierwelt und die vielfältige Flora vermitteln. Der Weg schlängelt sich teilweise über charmante Holzbrücken, die das Überqueren kleiner Bäche und Schluchten zu einem besonderen Erlebnis machen.
Ein besonderes Highlight ist die wildromantische Sagenwanderung durch den Teufelsgraben, die oft mit Naturführer und Aicherbauer Hans Greischberger angeboten wird. Diese geführten Touren erwecken die alten Geschichten und Legenden der Region zum Leben und verleihen der natürlichen Umgebung eine zusätzliche, mystische Dimension. Es ist eine perfekte Möglichkeit, die Landschaft nicht nur zu sehen, sondern auch ihre verborgenen Erzählungen zu hören und sich von der Magie des Ortes verzaubern zu lassen.
Die Faszination der Kugelmühle: Ein historisches Handwerk lebt auf
Eine der bemerkenswertesten Attraktionen im Teufelsgraben ist zweifellos die Kugelmühle am Wasserfall. Ihre Geschichte reicht weit zurück: Bereits im Jahr 1647 lassen sich im Flachgau, der Region um Seeham, Kugelmühlen urkundlich belegen. Diese Mühlen waren einst Zentren eines blühenden Handwerks, in denen Steinkugeln gefertigt wurden, die auf der ganzen Welt gehandelt wurden. Im Jahr 1983 wurde die Kugelmühle in Seeham auf Initiative des Bildungswerks Seeham an historischer Stelle wiedererrichtet und damit ein Stück lebendige Geschichte bewahrt. Sie ist ein faszinierendes Beispiel für traditionelle Handwerkskunst und die Ingenieurskunst vergangener Zeiten, angetrieben allein durch die Kraft des Wassers. Besucher können hier die Funktion einer Kugelmühle hautnah erleben und verstehen, wie aus rohen Steinen perfekt runde Kugeln entstehen.
Steine, die Geschichten erzählen: Was in der Kugelmühle verarbeitet wird
Die Auswahl der Steine ist entscheidend für die Qualität der Kugeln. In der Kugelmühle im Teufelsgraben werden nicht nur lokale Gesteine verarbeitet, sondern auch solche aus der näheren und weiteren Umgebung. Die grundlegenden Voraussetzungen für jeden „Kugelstein“ sind seine Härte (er muss deutlich weicher als der Schleifer sein), sein Gefüge (gleiche Eigenschaften in alle drei Raumrichtungen, Isotropie) und seine Homogenität (keine Klüfte). Oft eignen sich bereits in einem Bach natürlich „vorbearbeitete“ Gesteine am besten, da alles, was lose werden könnte, schon entfernt wurde.
Historisch wurde zwischen „gemeinen“ und „marmornen“ Kugeln unterschieden. „Gemeine“ Kugeln entstanden aus Sandstein oder Kalksandstein aus der näheren Umgebung. Für „marmorne“ Kugeln wurden polierfähige Kalksteine verwendet, die im Volksmund oft als Marmor bezeichnet wurden. Heute wird eine Vielzahl von Gesteinen verarbeitet. Hier sind einige der historisch und aktuell häufig verwendeten Gesteine:
- Nummulitensandstein und Lithotamnienkalk: Diese Gesteine stammen direkt aus dem Teufelsgraben. Der graue, dichte, fossilreiche Lithotamnienkalk bildet die senkrechte Wand des Wildkarwasserfalles. Oberhalb davon befindet sich der rotbraune Nummulitensandstein, der eine Vielzahl von Nummuliten (Skelette von Einzellern mit bis zu 2 cm Durchmesser) und andere Fossilien wie Austern und Seeigel enthält. Der Nummulitensandstein lässt sich aufgrund seiner Porosität nicht polieren und wird daher geölt. Diese Gesteine wurden vor 50–55 Millionen Jahren (Eozän) in einem seichten Meeresbereich unter warmem Klima abgelagert und finden sich entlang der Alpennordseite.
- „Fischschiefer“ aus dem Wiestal bei Hallein: Dieses Gestein, eigentlich als Seefeld-Schichten bekannt, ist aufgrund seiner hervorragenden mechanischen Eigenschaften und seiner attraktiven Schichtung mit dunkler Färbung und weißen Kalzitadern sehr beliebt. Es handelt sich um eine bituminöse (reich an organischen Ölen) Lage innerhalb des Hauptdolomites, die vor 205–210 Millionen Jahren (Obertrias) in einer seichten Lagune entstand. Bei höherem Tonmineralgehalt wird das Gestein hellbeige und weicher, bleibt aber attraktiv.
- Adneter Kalk: Oft als „Marmor“ bezeichnet, ist dieser sehr bekannte, polierfähige rote bis graue Kalkstein meist aus den Steinbrüchen bei Adnet. Er ist ein beliebter Bau- und Dekorstein, der durch seine intensive Rotfärbung und oft ausgeprägte schwarze Manganhäutchen besticht. Manchmal finden sich auch weiße, kalzitische Adern. Das Gestein ist etwa 190 Millionen Jahre alt (Unterer Jura).
- Untersberger „Marmor“: Ebenfalls ein polierfähiger, dichter, brekziöser Kalkstein, der oft als Marmor bezeichnet wird. Er ist weiß bis rosa gefärbt und zeigt oft rote, punktförmige Einlagerungen, die ihm den Beinamen „Forellenmarmor“ eingebracht haben. Der Abbau erfolgt an der Nordseite des Untersberges, wo aufgrund der hervorragenden Materialeigenschaften sehr früh Kugelmühlen entstanden. Das Gestein ist etwa 60–90 Millionen Jahre alt (Oberkreide/Paläozän).
Diese Vielfalt an Gesteinen macht jede Kugel einzigartig und erzählt ihre eigene geologische Geschichte.
Vergleich der in der Kugelmühle verwendeten Gesteine
| Gestein | Herkunft (Beispiele) | Farbe/Merkmale | Alter (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Nummulitensandstein | Teufelsgraben (Seeham) | Rotbraun, porös, viele Fossilien (Nummuliten) | 50-55 Mio. Jahre (Eozän) | Nicht polierbar, wird geölt |
| Lithotamnienkalk | Teufelsgraben (Seeham) | Grau, dicht, fossilreich | 50-55 Mio. Jahre (Eozän) | Bildet Wand des Wildkarwasserfalls |
| „Fischschiefer“ | Wiestal (Hallein) | Dunkel mit weißen Kalzitadern, geschichtet | 205-210 Mio. Jahre (Obertrias) | Attraktiv, bituminös, gute mechanische Eigenschaften |
| Adneter Kalk | Adnet | Intensiv Rot bis Grau, Manganhäutchen | 190 Mio. Jahre (Unterer Jura) | Sehr beliebter Bau- und Dekorstein, polierfähig |
| Untersberger „Marmor“ | Untersberg | Weiß bis Rosa, rote Punkte („Forellenmarmor“) | 60-90 Mio. Jahre (Oberkreide/Paläozän) | Polierfähig, dicht, brekziös |
Nachhaltigkeit im Fokus: Das Öko-Kulturprojekt Teufelsgraben
Mit dem Öko-Kulturprojekt Teufelsgraben wurde ein zukunftsweisendes Modell geschaffen, das weit über die bloße touristische Attraktion hinausgeht. Es verbindet traditionelle Strukturen und Handwerkskünste mit neuen Zukunftsperspektiven und legt dabei einen klaren Fokus auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Durch bewusste Bildungsangebote und die Vermittlung von Wissen über natürliche Ressourcen und Lebensräume wird das Bewusstsein für deren Erhalt geschärft. Trotz potenziell gewinnorientierter Produktionsstrukturen (wie dem Verkauf von Kugeln) steht der Schutz der Natur und die Bewahrung des kulturellen Erbes im Vordergrund. Der Teufelsgraben ist somit ein lebendiges Beispiel dafür, wie Naturschutz und kulturelle Entwicklung Hand in Hand gehen können, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten.
Die Gemeinde Seeham bietet bis in den Herbst hinein ein vielfältiges Programm unter dem Motto „Immer wieder freitags Seeham sehen“. Jeden Freitag erwarten Besucher unterschiedliche Veranstaltungen und Präsentationen traditioneller Handwerkskunst. Im Teufelsgraben selbst erklärt Paul Herbst die faszinierende Funktion einer Kugelmühle, was eine hervorragende Gelegenheit ist, tiefer in dieses alte Handwerk einzutauchen. Für kreative Besucher und Familien gibt es beim Aicherbauer die Möglichkeit, mit Holzstöckerln zu bauen – hier stehen rund 40.000 Holzstöckerl für eigene Kreationen zur Verfügung. Ein Besuch der Ausstellung „Biokreislauf – nachhaltige Landwirtschaft“ rundet das Angebot ab und bietet weitere Einblicke in umweltfreundliche Praktiken.

Weitere Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten
Neben der Kugelmühle und den Wanderwegen gibt es im Naturraum Teufelsgraben weitere beeindruckende Orte zu entdecken. Der Wildkar-Wasserfall ist ein malerisches Naturschauspiel, dessen rauschende Wassermassen eine erfrischende Atmosphäre schaffen und das perfekte Fotomotiv bieten. Nach einer ausgedehnten Wanderung durch den Teufelsgraben lädt die Röhrmoosmühle in ihre gemütliche Brotzeitstube ein. Hier können sich Wanderer bei regionalen Spezialitäten stärken und die Eindrücke des Tages Revue passieren lassen, um das Naturerlebnis abzurunden.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Ist der Teufelsgraben barrierefrei zugänglich?
Der Teufelsgraben ist ein Naturwandergebiet mit Stufen und Höhenunterschieden. Daher ist er nicht durchgehend für körperlich eingeschränkte Gäste barrierefrei begehbar, jedoch bietet ein Großteil der Wege eine gute Zugänglichkeit und Erholung.
Was genau ist eine Kugelmühle?
Eine Kugelmühle ist eine historische Mühle, die durch Wasserkraft angetrieben wird, um aus rohen Steinblöcken perfekt runde Kugeln zu schleifen. Diese Kugeln wurden früher weltweit gehandelt und für verschiedene Zwecke genutzt.
Welche Steine werden in der Kugelmühle in Seeham verarbeitet?
Es werden sowohl lokale Gesteine wie Nummulitensandstein und Lithotamnienkalk aus dem Teufelsgraben selbst als auch andere Gesteine aus der Region wie Fischschiefer, Adneter Kalk und Untersberger „Marmor“ verarbeitet.
Gibt es geführte Touren durch den Teufelsgraben?
Ja, es werden unter anderem wildromantische Sagenwanderungen mit Naturführern angeboten, die die Geschichte und Geheimnisse des Teufelsgrabens lebendig werden lassen.
Was kann man freitags in Seeham erleben?
Im Rahmen des Programms „Immer wieder freitags Seeham sehen“ gibt es bis zum 24. Oktober jeden Freitag verschiedene Veranstaltungen, Handwerkskunst-Vorführungen (z.B. Kugelmühle, Holzstöckerlbauer) und Ausstellungen.
Gibt es Einkehrmöglichkeiten in der Nähe des Teufelsgrabens?
Ja, nach einer Wanderung lädt die Röhrmoosmühle in ihre Brotzeitstube zur Einkehr und Stärkung ein.
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