08/10/2023
In der Welt der Fette und Öle gibt es unzählige Mythen und Missverständnisse. Während die meisten Hobbyköche heute den Unterschied zwischen „guten“ und „schlechten“ Fetten kennen, wird oft übersehen, dass selbst die besten Öle bei falscher Anwendung ihre wertvollen Eigenschaften verlieren können. Doch es gibt einen wahren Alleskönner im Ölregal, der noch immer als Geheimtipp gilt und in der Küche erstaunlich flexibel einsetzbar ist: das Sesamöl.

Pflanzliche Fette sind ein unverzichtbarer Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Sie liefern dem Körper essenzielle Nährstoffe, insbesondere die begehrten ungesättigten Fettsäuren, die für zahlreiche Körperfunktionen von entscheidender Bedeutung sind. Doch nicht jedes Pflanzenöl ist gleich gut für jede Zubereitungsart geeignet. Viele kaltgepresste, native Öle, die reich an Nährstoffen und empfindlichen Fettsäuren sind, verlieren ihre positiven Eigenschaften, sobald sie hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Beim Anbraten eines Steaks mit kaltgepresstem Rapsöl beispielsweise gehen nicht nur die wertvollen Inhaltsstoffe verloren, sondern es können sich auch unerwünschte, potenziell schädliche Verbindungen wie Acrylamid und Acrolein bilden. In solchen Fällen ist das ursprünglich so gesunde Öl leider nicht mehr besser als raffiniertes Fett.
Der Rauchpunkt: Das Geheimnis des erfolgreichen Bratens
Der Schlüssel zur richtigen Verwendung von Ölen liegt im sogenannten Rauchpunkt. Dieser Wert gibt an, bei welcher Temperatur ein Öl zu rauchen beginnt und sich seine chemische Struktur verändert. Wird der Rauchpunkt überschritten, zersetzt sich das Öl, es entstehen nicht nur unangenehme Gerüche und Geschmäcker, sondern eben auch die erwähnten gesundheitsschädlichen Substanzen. Beim Braten in der Pfanne können Temperaturen von bis zu 200 °C schnell erreicht werden, was für viele Öle bereits zu viel ist.
Einige Hersteller geben den Rauchpunkt auf der Flasche an, andere leider nicht. Rapsöl beispielsweise hat seinen Rauchpunkt bei etwa 160 °C, was bedeutet, dass es für scharfes Anbraten oft nicht ideal ist. Hier kommt Sesamöl ins Spiel: Raffiniertes Sesamöl raucht erst ab ca. 220-230 °C. Dies macht es zu einer ausgezeichneten Wahl für nahezu alle gängigen Brat- und Frittiervorgänge. Auch Erdnussöl ist bekannt für seine hohe Hitzebeständigkeit.
Tabelle: Rauchpunkte gängiger Öle im Vergleich
| Öltyp | Rauchpunkt (ungefähr) | Geeignet für hohe Temperaturen? |
|---|---|---|
| Raffiniertes Sesamöl | 220-230 °C | Ja, ideal zum Braten, Frittieren, Grillen |
| Dunkles Sesamöl (geröstet) | ca. 177 °C | Bedingt, besser für moderate Hitze oder als Finish |
| Helles Sesamöl (kaltgepresst) | ca. 177 °C | Nein, eher für kalte Speisen und Dressings |
| Erdnussöl (raffiniert) | 220-230 °C | Ja, sehr gut geeignet |
| Rapsöl (raffiniert) | 200-220 °C | Ja, vielseitig einsetzbar |
| Rapsöl (kaltgepresst) | ca. 160 °C | Nein, nur für kalte Speisen |
| Olivenöl (nativ extra) | 160-190 °C | Bedingt, für schonendes Braten geeignet |
| Olivenöl (raffiniert) | 200-230 °C | Ja, gut zum Braten |
| Sonnenblumenöl (raffiniert) | 220-230 °C | Ja, ein Klassiker zum Braten |
| Butterschmalz | 200-250 °C | Ja, sehr hitzebeständig |
Wie die Tabelle zeigt, ist die Wahl des richtigen Öls entscheidend für Geschmack und Gesundheit Ihrer Speisen.
Sesamöl: Ein aromatischer Alleskönner in der Küche
Sesamöl ist nicht nur hitzebeständig, sondern auch geschmacklich äußerst vielseitig. Es gibt grundsätzlich zwei Hauptvarianten, die sich in Aroma und Anwendung unterscheiden:
- Helles Sesamöl (kaltgepresst): Dieses Öl wird aus ungerösteten Sesamsamen gewonnen. Es hat ein mildes, zart-nussiges Aroma und ist reich an wertvollen Nährstoffen. Aufgrund seines geringeren Rauchpunktes (ähnlich wie andere kaltgepresste Öle) ist es ideal für die kalte Küche, zum Verfeinern von Salaten, Dressings oder zum Beträufeln von Gerichten kurz vor dem Servieren.
- Dunkles Sesamöl (aus gerösteten Samen): Für dieses Öl werden die Sesamsamen vor dem Pressen geröstet. Das Ergebnis ist ein intensiv goldbraunes Öl mit einem sehr kräftigen, kernigen und unverwechselbaren Aroma. Es ist das typische Sesamöl, das man aus der asiatischen Küche kennt. Obwohl es ebenfalls einen ausgeprägten Geschmack hat, ist sein Rauchpunkt etwas niedriger als der des raffinierten Sesamöls, weshalb es oft eher zum Abschmecken und Verfeinern am Ende des Kochvorgangs verwendet wird, anstatt zum scharfen Anbraten.
- Raffiniertes Sesamöl: Dies ist die Variante, die den hohen Rauchpunkt von bis zu 230 °C aufweist und somit hervorragend zum Braten, Frittieren, Grillen und Backen geeignet ist. Es hat einen neutraleren Geschmack als das geröstete Sesamöl, aber immer noch eine feine, nussige Note, die vielen Gerichten eine besondere Tiefe verleiht.
In der asiatischen Küche hat Sesamöl eine lange Tradition und ist oft die erste Wahl für klassische Wokgerichte, Marinaden und Suppen. Aber auch abseits der asiatischen Küche ist es ein echter Gewinn: Verwenden Sie es zum Anbraten von Geflügel, Fisch oder Gemüse, als aromatische Basis für Marinaden und Dressings, oder träufeln Sie es als feine, nussige Komponente über Ihre Gemüsesuppe, Reisgerichte oder Rohkostsalate kurz vor dem Servieren. Es verleiht jedem Gericht eine besondere Note und eine angenehme Textur.
Gesundheitliche Vorteile von Sesamöl
Neben seiner kulinarischen Vielseitigkeit bietet Sesamöl auch beeindruckende gesundheitliche Vorteile. Es gilt als „gutes Fett“, da es einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren enthält, die essenziell für die Herzgesundheit sind und zur Senkung des Cholesterinspiegels beitragen können. Darüber hinaus ist Sesamöl reich an:
- Lecithin: Dieser Phospholipid ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen und spielt eine entscheidende Rolle für die Funktion von Gehirn, Leber, Galle und Nervensystem. Lecithin kann die Gedächtnisleistung und Konzentration verbessern und die Leber bei der Entgiftung unterstützen.
- Cholin: Cholin ist ein Nährstoff, der eng mit Lecithin zusammenarbeitet und ebenfalls wichtig für die Gehirnfunktion und den Fettstoffwechsel ist. Es unterstützt die Bildung von Acetylcholin, einem Neurotransmitter, der für Lernen und Gedächtnis von Bedeutung ist.
- Mineralstoffe: Sesamöl enthält verschiedene Mineralstoffe wie Magnesium, Kalzium und Zink, die für Knochengesundheit, Immunsystem und Stoffwechselprozesse wichtig sind.
- Antioxidantien: Die im Sesamöl enthaltenen Lignane, insbesondere Sesamol und Sesamolin, sind starke Antioxidantien. Sie schützen die Körperzellen vor Schäden durch freie Radikale, die eine Rolle bei der Entstehung von chronischen Krankheiten wie Krebs und Alzheimer spielen können. Diese Antioxidantien tragen auch dazu bei, dass Sesamöl besonders lange haltbar ist.
Regelmäßiger Verzehr von Sesamöl kann sich positiv auf die Blutgerinnung auswirken, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose senken und sogar eine vorbeugende Wirkung gegen Osteoporose haben. Mit etwa 895 Kilokalorien und 99,5 Gramm Fett pro 100 Milliliter ist es zwar ein energiereiches Lebensmittel, aber die Qualität der Fette macht es zu einer wertvollen Ergänzung des Speiseplans.
Einkauf und Lagerung: So bleibt Ihr Sesamöl frisch
Die Qualität von Sesamöl beginnt bereits beim Einkauf. Da Sesamsamen traditionell oft noch von Hand geerntet werden, gehört Sesamöl zu den teureren Ölen. Achten Sie beim Kauf darauf, ob es sich um kaltgepresstes oder raffiniertes Öl handelt und ob die Samen geröstet wurden. Für die meisten gesundheitlichen Vorteile und einen kräftigeren Geschmack empfiehlt sich kaltgepresstes und ungeröstetes Sesamöl, das jedoch nicht für hohe Hitze geeignet ist. Für das Braten und Frittieren ist raffiniertes Sesamöl die bessere Wahl.
Sesam stammt hauptsächlich aus Indien, China, Sudan, Ägypten und Mexiko. Die aufwendige Ernte ist einer der Gründe für seinen höheren Preis. Um die Qualität und die wertvollen Inhaltsstoffe des Sesamöls zu bewahren, ist die richtige Lagerung entscheidend. Ungeöffnet und an einem dunklen, kühlen Ort (z.B. im Vorratsschrank) gelagert, kann Sesamöl bis zu 12 Monate haltbar sein. Sobald die Flasche jedoch geöffnet wurde, sollte es innerhalb von etwa 2-3 Monaten verbraucht werden, um Geschmacks- und Qualitätsverluste zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen zu Sesamöl
Ist Sesamöl gesund?
Ja, Sesamöl gilt als sehr gesund. Es ist reich an ungesättigten Fettsäuren, Lecithin, Cholin und Antioxidantien wie Sesamol und Sesamolin. Diese Inhaltsstoffe können sich positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, den Cholesterinspiegel, die Gehirnfunktion und das Immunsystem auswirken. Es wird auch eine vorbeugende Wirkung gegen Osteoporose und Arteriosklerose zugeschrieben.
Kann man Sesamöl zum Braten verwenden?
Ja, raffiniertes Sesamöl ist hervorragend zum Braten geeignet, da es einen hohen Rauchpunkt von 220-230 °C hat. Dunkles (geröstetes) und helles (kaltgepresstes) Sesamöl haben einen niedrigeren Rauchpunkt (ca. 177 °C) und sollten eher für moderate Hitze oder zum Verfeinern von Speisen verwendet werden, da sonst wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen oder sich schädliche Substanzen bilden können.
Was ist der Unterschied zwischen hellem und dunklem Sesamöl?
Helles Sesamöl wird aus ungerösteten Sesamsamen kaltgepresst und hat einen milden, nussigen Geschmack. Es ist ideal für Salate und kalte Speisen. Dunkles Sesamöl wird aus gerösteten Sesamsamen gepresst und hat einen sehr kräftigen, kernigen und intensiven Geschmack. Es wird hauptsächlich in der asiatischen Küche zum Verfeinern eingesetzt und sollte aufgrund seines geringeren Rauchpunktes nicht für scharfes Anbraten verwendet werden.
Ist Sesamöl teuer? Warum?
Sesamöl gehört zu den teureren Ölen, da die Sesamsamen in vielen Anbauregionen, insbesondere in Indien, China und Afrika, noch traditionell von Hand geerntet werden. Dieser aufwendige Ernteprozess ist der Hauptgrund für den höheren Preis im Vergleich zu anderen Pflanzenölen.
Wie lange ist Sesamöl haltbar?
Ungeöffnet und an einem kühlen, dunklen Ort gelagert, ist Sesamöl bis zu 12 Monate haltbar. Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von 2-3 Monaten verbraucht werden, um Frische und Aroma zu gewährleisten.
Kann man Sesamöl auch zum Backen oder Frittieren verwenden?
Ja, raffiniertes Sesamöl ist aufgrund seines hohen Rauchpunktes von bis zu 220 °C auch sehr gut zum Backen und Frittieren geeignet. Es verleiht Gebäck oder frittierten Speisen eine feine, nussige Note.
Wofür verwendet man Sesamöl am besten?
Raffiniertes Sesamöl ist ideal zum Braten, Frittieren und Grillen. Dunkles Sesamöl eignet sich hervorragend zum Abschmecken von Wokgerichten, Suppen, Marinaden und Dressings in der asiatischen und orientalischen Küche. Helles Sesamöl ist perfekt für Salate, Saucen und zum Verfeinern von kalten Speisen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sesamöl ein echtes Juwel in der Küche ist, das nicht nur mit seinem einzigartigen Aroma begeistert, sondern auch mit beeindruckenden gesundheitlichen Vorteilen punktet. Ob zum scharfen Anbraten mit raffiniertem Öl oder zum Verfeinern kalter Gerichte mit der kaltgepressten Variante – die richtige Anwendung macht den Unterschied und hebt Ihre Kochkünste auf ein neues Level. Geben Sie diesem vielseitigen Öl eine Chance und entdecken Sie, wie es Ihre Gerichte bereichert!
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