Wie bereite ich keulensteaks vor dem Grillen vor?

Keulensteaks: Zartheit & Geschmack vom Grill

30/01/2023

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Keulensteaks, oft auch als Flanksteaks oder Bavette bezeichnet, sind eine beliebte Wahl für preisbewusste Grillmeister. Sie stammen, wie der Name schon sagt, aus der Keule des Rindes und sind bekannt für ihren intensiven Fleischgeschmack, aber auch für ihre potenzielle Zähigkeit. Im Gegensatz zu edleren Schnitten wie Filet oder Ribeye erfordern Keulensteaks etwas mehr Zuwendung und Vorbereitung, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Doch keine Sorge: Mit den richtigen Techniken und ein wenig Geduld können Sie aus diesem bescheidenen Stück Fleisch ein unglaublich zartes und schmackhaftes Grillgericht zaubern, das Ihre Gäste beeindrucken wird. Es ist die Kunst der Verwandlung, die Keulensteaks so faszinierend macht.

Wie bereite ich keulensteaks vor dem Grillen vor?
Die Keulensteaks erfordern einfach ein wenig mehr Vorbereitung vor dem Grillen als andere sehr beliebte und teure Rindersteaks. Wenn du willens bist das Fleisch zart zu machen, es zu würzen und langsam zu braten, hast du am Ende ein köstliches Essen. Den Fettrand und das dünne Silberhäutchen entfernen.
Inhaltsverzeichnis

Die Besonderheit des Keulensteaks: Warum es Zähigkeit erfordert

Bevor wir uns den Zubereitungsmethoden widmen, ist es wichtig zu verstehen, warum Keulensteaks oft als zäh empfunden werden. Dieses Stück Fleisch stammt aus einem Bereich des Rindes, der stark beansprucht wird. Die Muskelfasern sind hier länger und dichter als in weniger aktiven Bereichen, und der Bindegewebsanteil, insbesondere Kollagen, ist höher. Kollagen ist ein Protein, das bei niedrigen Temperaturen fest bleibt, sich aber bei längerer, sanfter Hitze in Gelatine umwandelt. Genau diese Umwandlung ist der Schlüssel zur Zartheit des Keulensteaks. Ohne die richtige Vorbehandlung und Garmethode bleiben die Fasern straff und das Steak wirkt zäh und schwer zu kauen. Es geht also darum, dem Fleisch Zeit und die richtigen Hilfsmittel zu geben, damit es sich entspannen und seine Struktur ändern kann.

Die Kunst des Zartmachens: Methoden für perfekte Keulensteaks

Das Zartmachen ist der wichtigste Schritt bei der Vorbereitung von Keulensteaks. Es gibt verschiedene Ansätze, die einzeln oder in Kombination angewendet werden können, um die gewünschte Textur zu erreichen.

Mechanische Zartmachung

  • Fleischklopfer: Eine einfache und effektive Methode ist das vorsichtige Klopfen des Steaks mit einem Fleischklopfer. Achten Sie darauf, nicht zu fest zu schlagen, um die Fasern nicht zu zerstören, sondern lediglich aufzubrechen. Dies verkürzt die Fasern und macht das Fleisch mürber. Legen Sie das Steak dazu zwischen zwei Frischhaltefolien, um ein Spritzen zu vermeiden und die Sauberkeit zu gewährleisten.
  • Fleischzartmacher (Tenderizer): Diese Werkzeuge haben kleine Nadeln oder Klingen, die in das Fleisch eindringen und die Muskelfasern sowie das Bindegewebe mechanisch durchtrennen. Dies ist besonders effektiv, da es auch die Marinade besser ins Innere des Fleisches eindringen lässt. Achten Sie auf eine gleichmäßige Behandlung der gesamten Oberfläche.

Enzymatische Zartmachung

Bestimmte Enzyme in Früchten oder Milchprodukten können Proteine im Fleisch aufspalten und es so zarter machen. Diese Methode erfordert eine Marinierzeit.

  • Fruchtenzyme: Ananas (Bromelain), Papaya (Papain) und Kiwi (Actinidin) enthalten potente Enzyme, die Fleischproteine zersetzen. Seien Sie hier vorsichtig: Eine zu lange Einwirkzeit kann das Fleisch matschig machen. Eine Marinierzeit von 30 Minuten bis maximal 2 Stunden ist oft ausreichend.
  • Milchprodukte: Joghurt, Buttermilch oder Kefir enthalten Milchsäure und natürliche Enzyme, die das Fleisch sanft zart machen. Die Säure hilft, das Bindegewebe aufzubrechen, während die Enzyme die Proteine bearbeiten. Diese Marinaden verleihen dem Fleisch oft auch eine angenehme Cremigkeit und schützen es vor dem Austrocknen.

Säurehaltige Marinaden

Säuren wie Essig, Zitronensaft, Wein oder sogar Cola (aufgrund der Phosphorsäure) helfen, das Bindegewebe im Fleisch aufzubrechen und es zarter zu machen. Sie sind auch hervorragende Geschmacksträger.

  • Essig & Zitrone: Balsamico, Rotweinessig oder Apfelessig sowie frischer Zitronensaft sind klassische Bestandteile von Marinaden. Sie verleihen dem Fleisch eine spritzige Note und tragen maßgeblich zur Zartheit bei.
  • Wein: Rotweinmarinaden sind nicht nur geschmacklich hervorragend, sondern auch effektiv beim Zartmachen. Die Tannine im Wein wirken ebenfalls auf die Fleischfasern ein.

Salzlake (Brining)

Obwohl Brining nicht primär zum Zartmachen dient, hilft es, die Feuchtigkeit im Fleisch zu erhöhen und es saftiger zu machen, was oft mit Zartheit assoziiert wird. Eine Salzlake kann auch Aromen ins Innere des Fleisches transportieren. Für Keulensteaks kann ein kurzes Brining (1-2 Stunden) vor dem Marinieren sinnvoll sein.

Geschmack ist König: Die perfekte Marinade für Keulensteaks

Neben dem Zartmachen spielt die Marinade eine entscheidende Rolle für den Geschmack des Keulensteaks. Eine gute Marinade sollte eine Balance aus Öl, Säure und Gewürzen bieten.

Grundlagen einer guten Marinade

  • Öl: Olivenöl, Rapsöl oder Sonnenblumenöl dienen als Basis, um die Aromen zu transportieren und das Fleisch vor dem Austrocknen zu schützen.
  • Säure: Wie bereits erwähnt, Säure ist nicht nur zum Zartmachen da, sondern bringt auch Frische und Ausgewogenheit in die Marinade. Wählen Sie zwischen Zitronensaft, Essig (Balsamico, Rotwein), oder sogar etwas Bier für eine malzige Note.
  • Gewürze: Hier sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Typische Gewürze für Rindfleisch sind:
    • Kräuter: Rosmarin, Thymian, Oregano, Majoran, Lorbeerblatt.
    • Aromaten: Knoblauch (frisch gehackt oder granuliert), Zwiebel (fein gewürfelt oder Pulver).
    • Gewürze: Schwarzer Pfeffer (frisch gemahlen!), Paprikapulver (edelsüß oder geräuchert), Kreuzkümmel, Koriander, Chili (frisch oder Flocken) für eine leichte Schärfe.
    • Süße/Umami: Ein Hauch brauner Zucker, Honig, Ahornsirup oder Sojasauce kann die Aromen abrunden und für eine schöne Kruste beim Grillen sorgen.

Einwirkzeit der Marinade

Die Marinierzeit ist entscheidend. Für Keulensteaks empfehle ich eine Marinierzeit von mindestens 4 Stunden, idealerweise aber 12 bis 24 Stunden im Kühlschrank. Längere Zeiten ermöglichen es den Aromen, tief ins Fleisch einzudringen und die zartmachenden Prozesse optimal wirken zu lassen. Drehen Sie das Fleisch währenddessen ein- oder zweimal, um eine gleichmäßige Verteilung der Marinade zu gewährleisten. Nehmen Sie das Steak etwa 30-60 Minuten vor dem Grillen aus dem Kühlschrank, damit es Raumtemperatur annehmen kann. Dies sorgt für ein gleichmäßigeres Garen.

Die Kunst des langsamen Garens: Perfekte Hitze für Keulensteaks

Nachdem das Keulensteak zart gemacht und mariniert wurde, kommt der letzte entscheidende Schritt: das Garen. Keulensteaks profitieren enorm von langsamen Garmethoden, die dem Kollagen Zeit geben, sich in Gelatine umzuwandeln.

Indirektes Grillen

Dies ist die bevorzugte Methode für Keulensteaks auf dem Grill. Richten Sie Ihren Grill für indirekte Hitze ein. Das bedeutet, dass die Kohlen oder Brenner auf einer Seite sind und das Fleisch auf der anderen, wo es keiner direkten Flamme ausgesetzt ist. Die Grilltemperatur sollte im Bereich von 120-150°C (250-300°F) liegen.

  • Anbraten (optional): Viele Grillmeister braten das Keulensteak zunächst für 1-2 Minuten pro Seite direkt über hoher Hitze an, um eine schöne Kruste (Maillard-Reaktion) zu erzeugen. Danach wird es auf die indirekte Zone verschoben.
  • Langsam garen: Lassen Sie das Steak langsam garen, bis es die gewünschte Kerntemperatur erreicht hat. Ein Fleischthermometer ist hier unerlässlich.

Kerntemperatur für Keulensteaks

Da Keulensteaks durch längere Garzeiten zarter werden, sind sie auch verzeihender, was die Kerntemperatur angeht, als sehr magere Schnitte. Dennoch ist die richtige Temperatur entscheidend für Saftigkeit und Zartheit.

  • Medium Rare: 54-57°C (130-135°F) – Immer noch rosa im Kern, sehr saftig und zart.
  • Medium: 57-60°C (135-140°F) – Rosa Kern, etwas fester, aber immer noch sehr gut.
  • Medium Well: 60-63°C (140-145°F) – Kaum noch rosa, beginnt fester zu werden.

Ich empfehle, Keulensteaks nicht über Medium Well hinaus zu garen, da sie sonst wieder trocken und zäh werden können.

Die Ruhezeit: Ein Muss!

Nachdem das Steak die gewünschte Kerntemperatur erreicht hat, nehmen Sie es vom Grill und lassen Sie es abgedeckt (z.B. mit Alufolie) für mindestens 10-15 Minuten ruhen. Während dieser Zeit verteilen sich die Fleischsäfte, die sich während des Garens im Zentrum gesammelt haben, wieder gleichmäßig im gesamten Steak. Das Ergebnis ist ein viel saftigeres und zarteres Stück Fleisch. Wenn Sie diesen Schritt überspringen, würden die Säfte beim Anschneiden einfach auslaufen.

Das Schneiden gegen die Faser

Dies ist der letzte, aber absolut kritische Schritt, um die Zartheit des Keulensteaks zu maximieren. Keulensteaks haben sehr ausgeprägte, lange Muskelfasern. Wenn Sie parallel zu diesen Fasern schneiden, bleiben die Stücke lang und zäh. Schneiden Sie stattdessen quer zur Faser in dünne Scheiben (idealerweise im 45-Grad-Winkel). Dadurch werden die Fasern verkürzt, und jeder Bissen wird viel zarter und angenehmer zu kauen sein. Suchen Sie nach der Faserrichtung, bevor Sie mit dem Schneiden beginnen.

Vergleich: Keulensteak vs. Premium-Steaks

Um die Besonderheit des Keulensteaks hervorzuheben, ist ein Vergleich mit populäreren, teureren Schnitten hilfreich:

MerkmalKeulensteak (Flank/Bavette)Ribeye/EntrecôteRinderfilet
KostenPreiswertMittel bis HochSehr Hoch
Natürliche ZartheitGering (braucht Vorbereitung)Hoch (viel Marmorierung)Sehr Hoch (kaum Bindegewebe)
GeschmackIntensiv, fleischigReichhaltig, buttrigMild, fein
VorbereitungsaufwandHoch (Marinieren, Zartmachen)Gering (Salz, Pfeffer genügt)Gering (Salz, Pfeffer genügt)
Ideale GarmethodeLangsames Garen, indirekte HitzeKurzbraten, direkte HitzeKurzbraten, Sous-Vide

Vergleich: Methoden zum Zartmachen von Keulensteaks

Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile:

MethodeWirkungsweiseVorteileNachteileEmpfohlene Dauer
Mechanisch (Klopfen/Tenderizer)Zerstört Fasern direktSchnell, effektiv, keine GeschmacksänderungKann Fleisch zerreißen, ArbeitsaufwandSofort wirksam
Enzymatisch (Frucht)Spaltet Proteine aufSehr effektiv, fügt Geschmack hinzuKann Fleisch matschig machen bei Überdosierung30 Min. - 2 Std.
Säurehaltig (Essig/Zitrone)Bricht Bindegewebe aufFügt Geschmack hinzu, gute PenetrationKann Fleisch "kochen" bei zu langer Einwirkzeit4 - 24 Std.
Milchprodukte (Joghurt/Buttermilch)Milchsäure & EnzymeSanft, hält Saftigkeit, cremigLängere Marinierzeit nötig8 - 24 Std.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Zubereitung von Keulensteaks

Wie lange muss ein Keulensteak mariniert werden?

Für optimale Zartheit und Geschmack sollte ein Keulensteak mindestens 4 Stunden, idealerweise aber 12 bis 24 Stunden mariniert werden. Längeres Marinieren (bis zu 24 Stunden) hilft, die zäheren Fasern aufzubrechen und die Aromen tiefer eindringen zu lassen. Bei enzymatischen Marinaden (mit Ananas oder Papaya) sollten Sie die Marinierzeit auf maximal 2 Stunden begrenzen, um ein matschiges Ergebnis zu vermeiden.

Kann ich Keulensteaks auch ohne Marinade zart bekommen?

Es ist sehr schwierig, ein Keulensteak ohne jegliche Form der Zartmachung oder Marinade wirklich zart zu bekommen. Die mechanische Zartmachung (Klopfen oder Tenderizer) ist eine Option, wenn Sie keine Marinade verwenden möchten. Allerdings trägt die Marinade nicht nur zur Zartheit bei, sondern auch maßgeblich zum Geschmack. Wenn Sie auf eine Marinade verzichten möchten, ist es umso wichtiger, das Steak sehr dünn gegen die Faser zu schneiden und es nicht über Medium Rare zu garen.

Welche Kerntemperatur ist ideal für Keulensteaks?

Für Keulensteaks empfehle ich eine Kerntemperatur von 54-57°C (130-135°F) für Medium Rare. Bei dieser Temperatur ist das Fleisch noch schön rosa im Kern und behält seine Saftigkeit. Wenn Sie es lieber etwas durchgegart mögen, gehen Sie bis 60°C (140°F) für Medium. Höhere Temperaturen als 63°C (145°F) sollten vermieden werden, da das Fleisch sonst trocken und zäh werden kann.

Warum ist das Ruhenlassen des Fleisches nach dem Grillen so wichtig?

Das Ruhenlassen des Steaks nach dem Grillen ist absolut entscheidend für seine Saftigkeit und Zartheit. Während des Garens ziehen sich die Muskelfasern zusammen und die Fleischsäfte werden in die Mitte des Steaks gedrängt. Wenn Sie das Steak sofort anschneiden würden, würden all diese wertvollen Säfte einfach auslaufen. Durch das Ruhen können sich die Säfte wieder gleichmäßig im gesamten Fleisch verteilen. Das Ergebnis ist ein saftigeres, zarteres und geschmackvolleres Steak. Planen Sie mindestens 10-15 Minuten Ruhezeit ein, abgedeckt mit Alufolie.

Kann man Keulensteaks auch im Ofen zubereiten?

Ja, Keulensteaks können auch im Ofen zubereitet werden, insbesondere wenn Sie keinen Grill zur Verfügung haben oder das Wetter nicht mitspielt. Die Methode ist ähnlich wie beim indirekten Grillen: Braten Sie das Steak zunächst in einer ofenfesten Pfanne auf dem Herd bei hoher Hitze an, um eine schöne Kruste zu bekommen. Danach überführen Sie die Pfanne in den vorgeheizten Ofen (ca. 120-150°C oder 250-300°F) und garen es langsam, bis die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist. Auch hier ist die Ruhezeit und das Schneiden gegen die Faser unerlässlich.

Fazit: Vom einfachen Schnitt zum Grill-Highlight

Keulensteaks mögen auf den ersten Blick unscheinbar wirken und den Ruf haben, zäh und geschmacklos zu sein. Doch wie Sie gesehen haben, liegt das Geheimnis ihrer Verwandlung in der richtigen Vorbereitung und Garmethode. Mit ein wenig Aufwand beim Zartmachen, einer gut durchdachten Marinade und dem entscheidenden Schritt des langsamen Garens und der Ruhezeit können Sie aus diesem preiswerten Schnitt ein absolut köstliches und zartes Grillsteak zaubern. Es ist eine lohnende Herausforderung, die Ihnen nicht nur ein ausgezeichnetes Essen beschert, sondern auch das Gefühl, ein wahrer Grillmeister zu sein. Probieren Sie es aus und lassen Sie sich vom Ergebnis begeistern – das Keulensteak wird sich als ein wahres Juwel auf Ihrem Grill erweisen!

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