23/12/2021
Manche Gerichte sind mehr als nur Nahrung; sie sind Geschichten, Traditionen und ein Stück kulinarisches Erbe. Die Pofesen, oft auch als Arme Ritter bekannt, gehören zweifellos dazu. Dieses scheinbar einfache Gericht birgt eine erstaunliche Vielfalt und eine faszinierende Geschichte, die sich über Jahrhunderte und Kulturen erstreckt. Es ist ein Gericht, das beweist, dass aus einfachen Zutaten mit etwas Kreativität und Liebe wahre Gaumenfreuden entstehen können.

Im Kern teilen alle Pofesen ein grundlegendes Prinzip: Brotscheiben, egal ob süß oder würzig, werden mit einer geschmacksgebenden Masse bestrichen und zusammengelegt. Diese vorbereiteten Schnitten saugen sich anschließend mit einer Flüssigkeit voll und werden dann in Fett goldbraun herausgebacken. Um sicherzustellen, dass sie beim Braten nicht auseinanderfallen, ist es unerlässlich, Pofesen vor dem Backen zu panieren oder in einen Backteig zu tauchen. Dieses Prinzip der Verwertung von altem Brot zu etwas Neuem und Köstlichem macht die Pofesen zu einem Paradebeispiel für nachhaltige und zugleich köstliche Hausmannskost.
- Was sind Pofesen? Das Grundprinzip des Genusses
- Die unendliche Wandlungsfähigkeit: Namen und ihre Bedeutung
- Eine Reise durch die Jahrhunderte: Die reiche Geschichte der Pofesen
- Von süß bis herzhaft: Zubereitung und klassische Varianten
- Pofesen im Vergleich: Süß vs. Herzhaft
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Ein zeitloser Klassiker für jeden Anlass
Was sind Pofesen? Das Grundprinzip des Genusses
Die Definition von Pofesen mag auf den ersten Blick schlicht erscheinen, doch in dieser Einfachheit liegt ihre Genialität. Es ist die Kunst, aus oft übrig gebliebenem Brot eine vollwertige, sättigende und äußerst schmackhafte Mahlzeit zu zaubern. Das Brot – oft vom Vortag, um die ideale Konsistenz für das Aufsaugen der Flüssigkeit zu gewährleisten – wird in Scheiben geschnitten. Diese Scheiben können von Milchbrot, Semmeln oder sogar Toastbrot stammen, je nach gewünschtem Geschmack und Textur. Die Füllung ist der kreative Kern der Pofesen: Sie kann süß sein, beispielsweise mit Marmelade, Powidl (Pflaumenmus), Apfelmus oder Quark, oder herzhaft mit Käse, Schinken, Gemüse oder sogar Fleisch. Die befüllten Brotscheiben werden dann zusammengeklappt, ähnlich einem Sandwich, und in eine Flüssigkeit getaucht. Traditionell ist dies oft Milch, manchmal aber auch Ei-Milch-Gemisch, Wasser oder sogar Wein, je nach regionaler Variante und gewünschtem Aroma. Der entscheidende Schritt ist das anschließende Ausbacken in heißem Fett, das den Pofesen ihre charakteristische goldbraune Farbe und knusprige Hülle verleiht, während das Innere weich und saftig bleibt. Das Panieren oder Eintauchen in einen Backteig vor dem Braten ist hierbei von größter Bedeutung, da es nicht nur eine Schutzschicht bildet, die das Auseinanderfallen verhindert, sondern auch zur Textur und zum Geschmack beiträgt. Ohne diese Hülle würden die Pofesen im Fett zerfallen und nicht die gewünschte Konsistenz erreichen. Es ist diese Kombination aus weichem Kern und knuspriger Hülle, die Pofesen zu einem unwiderstehlichen Genuss macht.
Die unendliche Wandlungsfähigkeit: Namen und ihre Bedeutung
Pofesen sind zweifellos eines der flexibelsten Gerichte der Welt. Ob Sie sie als Pofesen, Arme Ritter, Bavesen, Baweusen, Karthäuserklöße oder gebackene Wecken bezeichnen – der Geschmack bleibt in jedem Fall vorzüglich. Auch bei der Füllung gibt es kaum Grenzen, und selbst der Zeitpunkt, wann diese getunkten und herausgebackenen Brotscheiben im Menü auftauchen, unterliegt keinen strengen Regeln. In der antiquarischen Kochliteratur wimmelt es von Rezepten für Pofesen aller Art, doch sind sie im Register nicht immer leicht unter einem einzigen Namen zu finden, was ihre weite Verbreitung und regionalen Anpassungen unterstreicht.
Pofesen schwimmen als Einlage in Suppen, sie können aber auch ein vollwertiges Hauptgericht sein oder eine süße Mehlspeise, die als Dessert oder Zwischenmahlzeit genossen wird. Es gibt sie in rein vegetarischen Varianten, die sich hervorragend für fleischlose Tage eignen, oder in sehr archaischen Zubereitungen, beispielsweise mit Hirn, vornehmlich vom Kalb – eine Spezialität, die heute seltener, aber historisch bedeutsam ist. Darüber hinaus gibt es Pofesen, die speziell für bestimmte Anlässe wie Kindstaufen, Hochzeiten oder Feiertage zubereitet werden, und natürlich unterscheiden sie sich auch regional stark in ihren Zutaten und Zubereitungsweisen, was ihre kulturelle Bedeutung in verschiedenen Gegenden unterstreicht.
Eine Reise durch die Jahrhunderte: Die reiche Geschichte der Pofesen
Pofesen sind Überlebende und faszinierende Relikte der Kochkunst, deren Ursprünge weit in die Vergangenheit reichen. Schon Marcus Gavius Apicius, ein legendärer römischer Gourmet des ersten nachchristlichen Jahrhunderts, erwähnt in seinem berühmten Kochbuch ein Gericht, das auf in Milch eingeweichtem und dann gebratenem Weizengebäck basiert. Apicius, bekannt für seine opulenten Rezepte, überzog diese antiken „Milchschnitten“ mit Honig, was die süße Variante der Pofesen als eine sehr alte Tradition ausweist. Dies zeigt, dass die Idee, altes Brot durch Einweichen und Braten wieder genießbar zu machen, keine moderne Erfindung, sondern ein seit der Antike bewährtes Prinzip ist.
Die Erwähnung der „Armen Ritter“ findet sich bereits in einem späteren Kochbuch aus dem 14. Jahrhundert. Dieser Name, der sich bis heute gehalten hat und synonym für Pofesen verwendet wird, verweist auf die einfache Natur des Gerichts: Es war eine nahrhafte Mahlzeit, die auch von Menschen mit begrenzten Mitteln zubereitet werden konnte, indem sie altes Brot verwerteten. Der Begriff Pofese selbst hat eine interessante etymologische Wurzel. Er geht auf einen rechteckigen Schild zurück, der von Fußsoldaten – den „Armen Rittern“ ohne Pferd und Wagen – zu ihrem Schutz verwendet wurde. Dieser rechteckige Schutz vor feindlichen Pfeilen wurde nach der italienischen Stadt Pavia „Pavese“ genannt. Die Form des gefüllten und zusammengeklappten Brotes erinnert stark an diesen Schild, und so wurde der Name auf das Gericht übertragen. Diese Verbindung zur Militärgeschichte und zum einfachen Leben verleiht den Pofesen eine zusätzliche kulturelle Tiefe und erzählt eine Geschichte von Notwendigkeit, Kreativität und Überleben.
Von süß bis herzhaft: Zubereitung und klassische Varianten
Die Zubereitung von Pofesen, ob süß oder herzhaft, folgt einem ähnlichen Grundmuster, doch die Füllungen und Feinheiten unterscheiden sich erheblich und spiegeln die kulinarische Vielfalt wider. Die bekannteste und wohl am weitesten verbreitete süße Variante wird mit Powidl gefüllt. Im „Kochbuch der fleischlosen Küche“, einem vegetarischen Standardwerk aus den Zwanzigerjahren, wird detailliert beschrieben, wie Milchbrot vom Vortag entrindet und mit Dunstzwetschkenmus (einem regionalen Begriff für eingedicktes Pflaumenmus) bestrichen wird. Die Autoren dieses Kochbuchs legen großen Wert auf den Geschmack und raten daher von herkömmlichem Pflanzenfett ab, stattdessen empfehlen sie ausdrücklich die Verwendung von Butterschmalz. Butterschmalz verleiht den Pofesen nicht nur einen besonders deftigen und vollmundigen Geschmack, sondern sorgt auch für eine wunderbar goldbraune und knusprige Kruste. Nach dem Bestreichen werden die Brotscheiben zusammengeklappt, in Ei und Milch getaucht und dann im heißen Butterschmalz goldbraun gebraten. Das Ergebnis ist ein süßes, saftiges und unglaublich befriedigendes Gericht, das oft mit Puderzucker bestreut serviert wird.
Ebenfalls aus dieser Zeit stammen die pikanten Variationen, die Olga und Adolf Hess in ihrer berühmten Rezeptesammlung der „Wiener Küche“ auflisten. Diese Rezepte zeigen die enorme Bandbreite der Pofesen jenseits der süßen Zubereitungen. Sie füllen Pofesen mit einer Vielzahl von herzhaften Zutaten wie Gemüse, Pilzen, Spinat, Spargel, gehacktem Wildfleisch oder Kalbsnieren. Diese Füllungen werden oft mit Zwiebeln, Kräutern und Gewürzen verfeinert, um komplexe Geschmacksprofile zu schaffen. Die herzhaften Pofesen werden dann ebenfalls paniert oder in einen Backteig getaucht und in Fett ausgebacken, wobei sie eine knusprige Hülle erhalten, die einen spannenden Kontrast zur saftigen, pikanten Füllung bildet. Diese Varianten beweisen, dass Pofesen weit mehr als nur eine Süßspeise sein können und sich hervorragend als Hauptgericht eignen.
Besonders populär wurden in der Wiener Küche die Hirnbaweusen, die bei Hess unter den Hauptgerichten zu finden sind, heute aber auch gerne als Suppeneinlage verwendet werden. Die Zubereitung dieser speziellen Pofesen unterscheidet sich maßgeblich von den anderen Varianten: Die Füllung, die aus Kalbshirn, Zwiebeln, Eiern und Petersilie besteht, wird nicht mitgebacken. Stattdessen werden die Semmelscheiben – oft vom Vortag – zunächst allein in Fett goldbraun herausgebacken. Erst danach wird die heiße Hirnfüllung auf die frisch gebratenen Semmelscheiben gestrichen. Diese Methode sorgt dafür, dass die Füllung ihre Textur und ihren spezifischen Geschmack behält und nicht durch den Bratprozess verändert wird. Der stets ziemlich schlagfertige Wiener Volksmund hat auf diese besondere Zubereitung rasch reagiert und prägte für das humane Oberstübchen, also das Gehirn, den humorvollen Begriff „Pofesenkammerl“. Dies zeigt, wie tief Pofesen in der Alltagskultur und Sprache verwurzelt waren und sind.
Pofesen im Vergleich: Süß vs. Herzhaft
Die Dualität von süßen und herzhaften Pofesen ist ein faszinierendes Merkmal dieses Gerichts. Während die süßen Varianten oft als Dessert oder süße Hauptspeise (Mehlspeise) dienen, wie die klassischen Powidl-Pofesen, bieten die herzhaften Pofesen eine robuste Alternative für Mittag- oder Abendessen. Die süßen Pofesen zeichnen sich durch ihre Kombination aus saftigem Brot, fruchtiger Füllung und der süßen Note des Puderzuckers aus. Sie sind oft ein Symbol für Gemütlichkeit und Kindheitserinnerungen. Die herzhaften Pofesen hingegen, mit Füllungen aus Gemüse, Pilzen, Käse oder Fleisch, bieten eine komplexere Geschmackspalette. Sie können deftig, würzig oder sogar leicht scharf sein, je nach den verwendeten Zutaten und Gewürzen. Diese Vielfalt macht Pofesen zu einem Gericht, das zu fast jeder Tageszeit und jedem Anlass passt und die Anpassungsfähigkeit der traditionellen Küche hervorragend demonstriert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Pofesen und Arme Ritter dasselbe?
Ja, im Wesentlichen sind Pofesen und Arme Ritter sehr ähnliche Gerichte und die Begriffe werden oft synonym verwendet. Beide beschreiben in der Regel in Milch (und Ei) getränktes und dann in Fett gebratenes Brot. Der Hauptunterschied liegt oft in der Füllung: Pofesen sind typischerweise gefüllt und zusammengeklappt, während Arme Ritter auch als einzelne, ungefüllte Brotscheiben zubereitet werden können. Historisch sind beide Namen eng miteinander verbunden und verweisen auf die Verwertung von altem Brot.
Kann ich Pofesen auch im Ofen zubereiten?
Traditionell werden Pofesen in einer Pfanne mit viel Fett herausgebacken, um die charakteristische knusprige Hülle und das saftige Innere zu erhalten. Eine Zubereitung im Ofen ist technisch möglich, um Kalorien zu sparen, aber das Ergebnis wird sich in Textur und Geschmack deutlich unterscheiden. Im Ofen gebackene Pofesen werden weniger knusprig und nehmen nicht den gleichen Bratgeschmack an. Für das authentische Erlebnis ist das Ausbacken in Fett, idealerweise Butterschmalz, empfehlenswert.
Welche Brotsorten eignen sich am besten für Pofesen?
Für Pofesen eignen sich am besten Brotsorten vom Vortag, die nicht zu frisch sind. Milchbrot, Semmeln (Brötchen) oder auch ein festeres Weißbrot sind ideal. Wichtig ist, dass das Brot nicht zu weich ist, damit es die Flüssigkeit gut aufsaugen kann, ohne zu zerfallen. Die Kruste sollte vor der Verwendung entfernt werden, um eine gleichmäßigere Textur zu gewährleisten.
Was bedeutet der Begriff „Pofesenkammerl“?
„Pofesenkammerl“ ist ein humorvoller, umgangssprachlicher Ausdruck aus dem Wiener Volksmund, der sich auf das menschliche Gehirn bezieht. Er entstand im Zusammenhang mit den „Hirnbaweusen“, einer Pofesen-Variante, bei der Kalbshirn als Füllung verwendet wird. Der Begriff spielt auf die Ähnlichkeit der Form und Füllung an und ist ein Beispiel für den oft schlagfertigen Wiener Humor.
Sind Pofesen immer süß?
Nein, Pofesen sind nicht immer süß. Obwohl die süßen Varianten mit Powidl oder Marmelade sehr bekannt sind, gibt es eine reiche Tradition herzhafter Pofesen. Diese können mit verschiedenen Zutaten wie Gemüse, Pilzen, Käse, Schinken oder sogar Fleischfüllungen zubereitet werden und dienen dann als deftiges Hauptgericht oder als Suppeneinlage, wie die erwähnten Hirnbaweusen.
Fazit: Ein zeitloser Klassiker für jeden Anlass
Die Pofesen sind weit mehr als nur ein einfaches Gericht aus altem Brot. Sie sind ein Paradebeispiel für die Vielseitigkeit und den Einfallsreichtum der traditionellen Küche. Ihre lange Geschichte, die von römischen Gourmets bis zu den „Armen Rittern“ des Mittelalters reicht, und ihre unzähligen regionalen und geschmacklichen Varianten machen sie zu einem faszinierenden Studienobjekt der Kulinarik. Ob süß mit Powidl und Butterschmalz ausgebacken oder herzhaft mit raffinierten Füllungen nach Wiener Art zubereitet – Pofesen bieten für jeden Geschmack und Anlass das Richtige. Sie sind ein Gericht, das Komfort spendet, Erinnerungen weckt und gleichzeitig die Möglichkeit zur kreativen Entfaltung in der Küche bietet. Probieren Sie sich durch die verschiedenen Varianten und entdecken Sie selbst, warum Pofesen ein so zeitloser und beliebter Klassiker geblieben sind.
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