Was ist ein Niedrigtemperaturgaren?

Braten vom Grill: So gelingt die perfekte Kruste

03/03/2023

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Ein saftiger Braten mit einer herrlich knusprigen Kruste ist der Traum vieler Hobbyköche und das Herzstück vieler festlicher Mahlzeiten. Doch wie gelingt dieses Meisterwerk, insbesondere wenn man den Grill oder die Grillfunktion des Ofens nutzen möchte, um die begehrte Kruste zu erzielen? Wir, das Team von Kochen mit Genuss, teilen heute unsere bewährten Methoden und Geheimnisse, damit auch Sie einen Braten zubereiten können, der Ihre Gäste begeistern wird.

Wie lange braucht ein Braten auf dem Grill?
Es benötigt dafür einen Grill mit Deckel und eine gleichbleibende Hitze. Der Braten wird indirekt, also am Rande der Glut zubereitet und benötigt bei 180 Grad unter der Grillhaube jedenfalls 2 Stunden, wenn er ein Gewicht von etwas über einem Kilogramm hat. Damit die Schwarte knackig wird, immer wieder einpinseln.

Die Zubereitung eines Bratens mag auf den ersten Blick komplex erscheinen, doch mit der richtigen Vorbereitung, Geduld und einigen Kniffen wird es zu einem wahren Vergnügen. Wir konzentrieren uns auf die beiden beliebten Varianten: den aromatischen Bierbraten und den klassischen Krustenbraten. Beide versprechen ein butterzartes Ergebnis mit einer unvergleichlichen Kruste, die bei der richtigen Technik wunderschön „aufpoppt“.

Inhaltsverzeichnis

Die Grundlagen für jeden perfekten Braten

Bevor wir uns den spezifischen Rezepten widmen, gibt es einige universelle Prinzipien, die für jeden Braten gelten, egal ob Schwein, Rind oder Lamm. Die Qualität des Fleisches, die richtige Vorbereitung und die Kontrolle der Temperatur sind entscheidend.

Die Auswahl des Fleisches und die Vorbereitung

Der erste Schritt zum Erfolg ist die Wahl des richtigen Fleisches. Für Krustenbraten eignet sich am besten ein Stück vom Schwein, sei es aus dem Rücken oder der Schulter, das eine schöne Schwarte besitzt. Diese Schwarte ist der Schlüssel zur späteren Kruste.

  • Das Einschneiden der Schwarte: Dies ist einer der kritischsten Schritte. Eine rautenförmig eingeschnittene Schwarte ermöglicht nicht nur das bessere Eindringen von Gewürzen, sondern sorgt auch dafür, dass die Kruste später gleichmäßig knusprig wird. Sie können dies entweder selbst mit einem sehr scharfen Messer (Diamant geschliffen ist ideal) tun, die Schwarte vorher wässern, um sie weicher zu machen, oder, was wir empfehlen, Ihren Metzger bitten, dies für Sie zu erledigen. Pierre bevorzugt einen gepökelten Braten, der dem Fleisch eine zart rosa Färbung verleiht.
  • Würzen ist entscheidend: Das Fleisch sollte großzügig gesalzen und gepfeffert werden. Bei Krustenbraten reiben Sie das Fleisch (außer der Schwarte) zusätzlich mit Paprika und Senf ein. Bei der Schwarte ist Meersalz besonders wichtig, da es hilft, die Feuchtigkeit zu entziehen und so das spätere Aufpoppen fördert. Knoblauchzehen und Rosmarinzweige können in die Schwarte gespickt werden, um zusätzliche Aromen freizusetzen.
  • Anbraten: Das scharfe Anbraten des Bratens von allen Seiten (außer der Schwarte!) in Butterschmalz ist essenziell, um Röstaromen zu entwickeln, die später die Basis für eine fantastische Soße bilden.

Der Bierbraten: Ein Fest für die Sinne

Der Bierbraten besticht durch seine besondere Saftigkeit und ein einzigartiges Aroma, das durch das Einlegen in Bier entsteht. Hier die detaillierten Schritte:

Zutaten und Vorbereitung

  • Schweinebraten mit Schwarte (in zwei Hälften geteilt, falls sehr groß)
  • Bier (ca. 0,5 Liter)
  • Meersalz, Pfeffer
  • Knoblauchzehen, Rosmarinzweige
  • Gemüse (z.B. Suppengrün, Zwiebeln)
  • Lorbeerblätter, Kümmel
  • Bratenfond, Sahne, Butter

Zubereitungsschritte

  1. Bierbad für die Schwarte: Füllen Sie einen Bräter etwa 1 cm hoch mit Bier und legen Sie den Braten mit der Schwarte nach unten hinein, sodass nur die Schwarte im Bier liegt. Lassen Sie ihn etwa 2 Stunden ruhen. Dies hilft, die Schwarte weicher zu machen und das Aufpoppen zu erleichtern.
  2. Gemüse vorbereiten: Währenddessen das Gemüse putzen, klein schneiden und in einen großen Bräter geben. Lorbeerblätter, Kümmel und Knoblauchzehen hinzufügen.
  3. Anbraten des Fleisches: Nehmen Sie das Fleisch aus dem Bier, tupfen Sie es trocken und braten Sie es von allen Seiten scharf an – die Schwarte wird NICHT angebraten.
  4. Flüssigkeit für die Soße: Löschen Sie den Bratsatz mit dem restlichen Bier ab und gießen Sie es zum Gemüse. Legen Sie den Braten mit der Schwarte nach oben in das Gemüsebett. Achten Sie darauf, dass der Braten nicht schwimmt, da die Flüssigkeit bei niedriger Temperatur nicht verkocht. Eine halbe Flasche Bier sollte genügen.

Der klassische Krustenbraten: Zartheit und Würze

Pierre schwört auf das Niedrigtemperaturgaren, um einen besonders saftigen und zarten Krustenbraten zu erzielen. Sein Rezept ist ein Klassiker, der immer gelingt.

Wie lange braucht ein Braten auf dem Grill?
Es benötigt dafür einen Grill mit Deckel und eine gleichbleibende Hitze. Der Braten wird indirekt, also am Rande der Glut zubereitet und benötigt bei 180 Grad unter der Grillhaube jedenfalls 2 Stunden, wenn er ein Gewicht von etwas über einem Kilogramm hat. Damit die Schwarte knackig wird, immer wieder einpinseln.

Zutaten und Vorbereitung

  • Krustenbraten ca. 1,5 kg (Schweinbraten aus Rücken oder Schulter mit Haut)
  • Suppengrün, 2 Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen
  • 6-8 Backpflaumen
  • Salz, Pfeffer, Paprika, Senf
  • Butterschmalz
  • 4-5 Pimentkörner, 2 Lorbeerblätter

Zubereitungsschritte

  1. Fleisch vorbereiten: Den Krustenbraten von allen Seiten (außer der Schwarte) mit Salz, Pfeffer und Paprika würzen. Danach mit Senf einreiben und die Gewürze einmassieren. Die Schwarte kräftig salzen.
  2. Anbraten und Gemüse anrösten: Den Braten in einem großen Bräter von allen Seiten in Butterschmalz gut anbraten und beiseite stellen. Zwiebeln, Knoblauch, Backpflaumen und Suppengrün grob schneiden und im Bräter anrösten. Die Röstaromen sind für eine gute Saucengrundlage unerlässlich.
  3. Braten einlegen: Das Röstgemüse würzen, den Braten einlegen und mit Wasser auffüllen, bis der Braten halb bedeckt ist. Lorbeerblätter und Piment hinzugeben.

Garzeiten und Kerntemperatur: Der Schlüssel zur Perfektion

Die größte Herausforderung beim Braten ist oft die richtige Garzeit und das Erreichen der perfekten Kerntemperatur. Ein Fleischthermometer ist hier Ihr bester Freund.

  • Niedrigtemperaturgaren: Beide Rezepte setzen auf das Niedrigtemperaturgaren im Ofen, was das Fleisch besonders zart und saftig macht. Beim Bierbraten starten wir bei 80 Grad. Beim Krustenbraten von Pierre beginnt man bei 150 Grad Umluft für 1,5 Stunden, dann wird auf 120 Grad für weitere 3,5 Stunden reduziert.
  • Kerntemperatur: Stechen Sie das Thermometer in den Kern des Bratens. Für einen Braten, der „gerade eben durch, super saftig und butterzart“ ist, streben wir eine Kerntemperatur von 65 Grad an. Beim Bierbraten nehmen Sie den Braten bereits bei ca. 63 Grad Kerntemperatur aus dem Ofen, um ihn für die Kruste umzusetzen. Bei einem 4 cm dicken Braten können Sie mit ca. 4 Stunden Garzeit rechnen. Ein 1,5 kg Krustenbraten benötigt insgesamt etwa 5 Stunden bei niedriger Temperatur.
  • Begießen: Beim Krustenbraten ist es wichtig, den Braten ca. alle 30-45 Minuten mit dem Sud zu begießen, damit die Kruste nicht verbrennt.

Garzeiten-Tabelle (Richtwerte)

FleischsorteGewicht/DickeOfentemperaturGarzeit (ca.)Kerntemperatur
Schweinebraten (Bierbraten)4 cm dick80°C4 Stunden65°C
Schweinebraten (Krustenbraten)1,5 kg150°C (1,5h), dann 120°C (3,5h)5 Stunden65°C
Schweinebraten (allgemein)1 kg120-150°C2,5 - 3,5 Stunden62-65°C
Rinderbraten1 kg120°C3 - 4 Stunden55-60°C (rosa)

Bitte beachten Sie, dass dies nur Richtwerte sind. Jeder Ofen ist anders, und die genaue Garzeit hängt von der Beschaffenheit des Fleisches ab. Die Kerntemperatur ist der verlässlichste Indikator.

Die Knusprige Kruste: Das große Finale am Grill

Dies ist der Moment, auf den alle warten: die knusprige Kruste. Hier kommt der Grill oder die Grillfunktion des Ofens ins Spiel.

  • Vorbereitung: Beim Bierbraten die Schwarte etwa alle 30 Minuten mit Salzlake einpinseln, damit sie gut austrocknet und später schön knusprig wird. Auf keinen Fall mit Bier oder Brühe begießen! Das würde das Aufpoppen verhindern.
  • Der Hitze-Schock: Wenn der Braten die gewünschte Kerntemperatur (ca. 63-65 Grad) erreicht hat, nehmen Sie ihn aus dem Bräter und setzen ihn in einen neuen, möglichst vorgewärmten Bräter um. Schieben Sie ihn schnell wieder in den Ofen. Stellen Sie die Temperatur auf 230 Grad Oberhitze oder idealerweise auf Grillstufe ein.
  • Aufsicht ist Pflicht: Jetzt ist volle Aufmerksamkeit gefragt! Beobachten Sie den Braten genau, damit die Kruste nicht verbrennt. Das Aufpoppen geht sehr schnell, oft innerhalb von 10-15 Minuten. Wenn die Kruste goldbraun und knusprig ist, ist der Braten fertig.

Die perfekte Soße: Der Begleiter des Bratens

Eine gute Soße rundet den Braten perfekt ab. Sie wird aus dem Bratsatz und dem Gemüse zubereitet.

Zubereitung der Soße

  1. Basis vorbereiten: Nehmen Sie den Braten aus dem Bräter. Geben Sie das Gemüse und den Biersud (vom Bierbraten) oder den Sud mit Röstgemüse (vom Krustenbraten) in einen Topf.
  2. Soße kochen: Für den Bierbraten: Schalotten fein würfeln und in Butter anschwitzen, mit Bratenfond ablöschen und etwas einkochen lassen. Dann das Gemüse und den Biersud hinzufügen und zusammen köcheln lassen. Für den Krustenbraten: Die Sauce durch ein grobes Sieb in einen Topf geben, aufkochen und abschmecken. Das Röstgemüse kann als Beilage gegessen oder in die Soße püriert werden.
  3. Verfeinern und Andicken: Die Soße mit Salz, Pfeffer und Kümmel abschmecken. Mit etwas Sahne verfeinern. Optional mit Soßenbinder oder Butter-Mehl-Klümpchen andicken, je nach Geschmack.

Beilagen: Was passt zum Braten?

Die Beilagen können so vielfältig sein wie die Farben eines Tuschkastens. Klassische Begleiter, die den Braten perfekt ergänzen, sind:

  • Salzkartoffeln oder Kartoffelklöße
  • Semmelknödel
  • Rotkohl (gerne auch selbstgemachtes karamellisiertes Rotkraut)
  • Sauerkraut

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Braten vom Grill

1. Warum wird meine Kruste nicht knusprig?

Die häufigsten Gründe sind zu viel Feuchtigkeit auf der Schwarte oder eine zu geringe Hitze am Ende. Achten Sie darauf, die Schwarte vor dem finalen Grillen gut trocken zu tupfen und gegebenenfalls mit Salzlake einzupinseln. Die hohe Temperatur (230°C Oberhitze oder Grill) ist entscheidend für das Aufpoppen.

Wie bereite ich einen Bierbraten an?
Den Ofen auf 80 Grad vorheizen. Das Fleisch aus dem Bier nehmen, trocken tupfen und von allen Seiten scharf anbraten. Die Schwarte wird NICHT mit angebraten. Den Bratsatz mit dem restlichen Bier ablöschen und zu dem Gemüse gießen. Anschließend den Braten erneut salzen und pfeffern und mit der Schwarte nach oben in das Nest aus Gemüse setzen.

2. Kann ich den Braten auch ohne Niedrigtemperatur garen?

Ja, Sie können einen Braten auch bei höheren Temperaturen (z.B. 160-180°C) garen, allerdings kann er dabei schneller austrocknen. Das Niedrigtemperaturgaren sorgt für eine unvergleichliche Saftigkeit und Zartheit. Für die Kruste ist der abschließende Hitze-Schock aber immer notwendig.

3. Welches Fleisch eignet sich am besten für Krustenbraten?

Am besten eignet sich Schweinefleisch mit einer dicken, unversehrten Schwarte, idealerweise aus der Schulter oder dem Rücken. Fragen Sie Ihren Metzger nach einem Stück, das speziell für Krustenbraten geeignet ist.

4. Wie lange muss der Braten ruhen?

Nach dem Garen und vor dem Anschneiden sollte der Braten idealerweise 10-15 Minuten ruhen. Dies ermöglicht, dass sich die Fleischsäfte wieder im gesamten Braten verteilen und er beim Anschneiden nicht austrocknet. Die Kruste bleibt in dieser Zeit schön knusprig.

5. Kann ich die Soße vorbereiten?

Die Soße kann größtenteils vorbereitet werden. Die Röstaromen und das Gemüse können bereits geröstet und püriert werden. Der finale Schritt mit dem Ablöschen des Bratsatzes und dem Einkochen sollte jedoch idealerweise frisch erfolgen, um die volle Geschmacksintensität zu gewährleisten.

Fazit: Geduld und Präzision führen zum Genuss

Ein Braten vom Grill oder aus dem Ofen mit knuspriger Kruste ist ein wahres Highlight und der Beweis für Kochkunst. Wie Alexander Wittmann und Pierre von Kochen mit Genuss zeigen, sind die Schlüssel zum Erfolg die sorgfältige Vorbereitung der Schwarte, das geduldige Garen bei niedriger Temperatur und der finale, kurze Hitze-Schock, der die Kruste zum Poppen bringt. Mit einem guten Fleischthermometer und etwas Übung werden auch Sie zum Bratenmeister. Wir wünschen viel Freude beim Nachkochen und Genießen!

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