13/10/2024
Die Welt des Grillens ist vielfältig und bietet unzählige Methoden, um Fleisch, Fisch und Gemüse perfekt zuzubereiten. Zwei der prominentesten Techniken, die oft miteinander verglichen werden, sind das Grillen mit einem Infrarotbrenner und das traditionelle Garen. Beide haben ihre einzigartigen Eigenschaften, Vorteile und idealen Anwendungsbereiche. Doch was genau unterscheidet sie voneinander, und welche Methode ist die richtige für Ihre nächste Grillparty oder das schnelle Abendessen unter der Woche?
Was ist ein Infrarotbrenner und wie funktioniert er?
Ein Infrarotbrenner ist eine moderne Technologie im Bereich des Grillens, die eine sehr hohe und gleichmäßige Hitze erzeugt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Brennern, die Konvektionswärme (also die Erwärmung der Luft) nutzen, strahlt ein Infrarotbrenner direkte Infrarotstrahlung ab. Diese Strahlungswärme trifft direkt auf die Oberfläche des Grillguts und erhitzt es von außen nach innen. Man kann es sich wie die Wärme der Sonne vorstellen, die Sie direkt auf Ihrer Haut spüren, ohne dass die Luft um Sie herum notwendigerweise heiß ist.

Diese Art der Hitzeübertragung ermöglicht extrem hohe Temperaturen, oft weit über 500°C bis hin zu über 800°C, die in Rekordzeit erreicht werden. Ein Infrarotbrenner mit zwei Platten kann beispielsweise bis zu 9000 BTU (British Thermal Units) erzeugen, was eine enorme Heizleistung darstellt. Diese intensive Hitze ist perfekt für das sogenannte „Searing“ – das schnelle und scharfe Anbraten von Fleisch, um eine perfekte Kruste zu erzeugen und die Saftigkeit im Inneren zu versiegeln. Die hierbei entstehende Maillard-Reaktion ist für die köstlichen Röstaromen verantwortlich, die wir so sehr lieben.
Vorteile des Infrarotgrillens
- Geschwindigkeit: Infrarotbrenner heizen extrem schnell auf und garen Speisen in einem Bruchteil der Zeit, die traditionelle Methoden benötigen würden. Sie eignen sich bestens für schnelle Gerichte und Beilagen.
- Saftigkeit: Durch die schnelle Versiegelung der Oberfläche bleiben die Säfte im Inneren des Grillguts besser erhalten. Studien zeigen, dass mit Infrarot zubereitete Speisen bis zu 35 % mehr ihres Saftes behalten können.
- Effizienz: Da die Hitze direkt übertragen wird und der Garvorgang so schnell ist, verbrauchen Infrarotbrenner in der Regel weniger Brennstoff als herkömmliche Brenner über längere Garzeiten. Dies macht sie besonders effizient.
- Gleichmäßige Hitze: Die Strahlungswärme verteilt sich sehr gleichmäßig über die Grillfläche, was Hot Spots minimiert und ein konsistentes Garergebnis gewährleistet.
- Perfekte Kruste: Die hohen Temperaturen ermöglichen eine unvergleichliche Krustenbildung (Searing) bei Steaks, Burgern oder Fisch.
Nachteile des Infrarotgrillens
- Hohe Hitze erfordert Übung: Die extreme Hitze kann für unerfahrene Griller eine Herausforderung sein. Man muss schnell handeln, um ein Verbrennen der Speisen zu vermeiden.
- Weniger geeignet für Low & Slow: Für Gerichte, die über Stunden bei niedriger Temperatur garen müssen (z.B. Pulled Pork, Rippchen), sind reine Infrarotbrenner weniger ideal, obwohl viele moderne Grills Kombinationsmöglichkeiten bieten.
- Potenziell höhere Anschaffungskosten: Grills mit Infrarotbrennern können in der Anschaffung teurer sein als Basismodelle.
Was ist „Garen“ beim Grillen und wie funktioniert es?
Der Begriff „Garen“ im Zusammenhang mit Grillen bezieht sich in der Regel auf das traditionelle Grillen, sei es auf einem Holzkohlegrill oder einem Gasgrill mit Standardbrennern. Hierbei wird die Wärme hauptsächlich durch Konvektion (die Erwärmung der Luft um das Grillgut herum) und durch direkte Wärmeleitung von der Rostoberfläche übertragen. Die Temperaturen sind dabei in der Regel niedriger und der Garprozess erstreckt sich über eine längere Zeit.
Beim traditionellen Garen können Sie zwischen direktem und indirektem Grillen unterscheiden:
- Direktes Grillen: Das Grillgut liegt direkt über der Hitzequelle. Ideal für dünnere Stücke, die schnell gar werden, wie Würstchen, dünne Steaks oder Burger. Hierbei entstehen ebenfalls Röstaromen, allerdings nicht so intensiv wie beim Infrarot-Searing.
- Indirektes Grillen: Die Hitzequelle befindet sich nicht direkt unter dem Grillgut, sondern daneben. Dies ist vergleichbar mit dem Garen in einem Ofen und ideal für größere Fleischstücke, ganze Braten oder Geflügel, die langsam und schonend durchgaren sollen, ohne außen zu verbrennen.
Vorteile des traditionellen Garens
- Vielseitigkeit: Traditionelle Grills bieten eine große Bandbreite an Zubereitungsmöglichkeiten, von schnellem direktem Grillen bis hin zu stundenlangem „Low & Slow“-Räuchern.
- Einfachere Handhabung für Anfänger: Die moderateren Temperaturen sind fehlerverzeihender und einfacher zu kontrollieren.
- Raucharoma: Besonders Holzkohlegrills verleihen den Speisen ein unverwechselbares Raucharoma, das viele Griller schätzen und das Infrarotbrenner in dieser Form nicht bieten können.
- Gleichmäßiges Durchgaren: Für dickere Fleischstücke ist die längere Garzeit bei niedrigeren Temperaturen ideal, um ein gleichmäßiges Garen bis in den Kern zu gewährleisten und die Aromaentwicklung zu fördern.
Nachteile des traditionellen Garens
- Längere Garzeiten: Die Zubereitung dauert deutlich länger, insbesondere bei indirektem Garen.
- Höherer Brennstoffverbrauch: Über längere Garzeiten kann der Verbrauch an Gas oder Holzkohle höher sein.
- Weniger intensive Kruste: Ohne sehr hohe direkte Hitze ist es schwieriger, die gleiche Art von scharfer, karamellisierter Kruste zu erzielen wie mit einem Infrarotbrenner.
- Potenzieller Feuchtigkeitsverlust: Bei längeren Garzeiten besteht die Gefahr, dass das Grillgut austrocknet, wenn es nicht richtig überwacht wird.
Direkter Vergleich: Infrarotbrenner vs. Traditionelles Garen
Um die Unterschiede noch deutlicher zu machen, hier eine vergleichende Tabelle der beiden Grillmethoden:
| Merkmal | Infrarotbrenner | Traditionelles Garen |
|---|---|---|
| Hitzequelle | Strahlungswärme (direkt) | Konvektionswärme (Luft) + Wärmeleitung |
| Temperatur | Extrem hoch (500°C - 800°C+) | Moderat bis hoch (150°C - 350°C) |
| Garzeit | Sehr kurz | Länger |
| Saftigkeit | Hohe Feuchtigkeitsbindung (bis zu 35% mehr) | Kann Feuchtigkeit verlieren, wenn nicht kontrolliert |
| Brennstoffverbrauch | Geringer pro Garvorgang (durch Schnelligkeit) | Höher über längere Zeit |
| Ideal für | Steaks, Burger, Meeresfrüchte, schnelles Anbraten, Beilagen | Braten, Rippchen, Pulled Pork, Geflügel, Gemüse, Räuchern |
| Lernkurve | Steil (hohe Hitze erfordert Aufmerksamkeit) | Moderat (fehlerverzeihender) |
| Krustenbildung | Exzellent (perfektes Searing) | Gut (bei hoher direkter Hitze möglich) |
| Aroma | Röstaromen durch Maillard-Reaktion | Röstaromen + potenzielles Raucharoma (Holzkohle) |
Wann sollte man welchen Grilltyp verwenden?
Die Entscheidung, welche Grillmethode die beste ist, hängt stark von Ihren persönlichen Vorlieben und den Gerichten ab, die Sie zubereiten möchten.
- Wählen Sie den Infrarotbrenner, wenn:
- Sie perfekte Steaks mit einer knusprigen Kruste und einem saftigen Kern lieben.
- Sie schnell grillen möchten, z.B. unter der Woche nach der Arbeit.
- Sie Beilagen wie Gemüse oder dünne Fischfilets scharf anbraten möchten.
- Sie Wert auf höchste Effizienz und geringen Brennstoffverbrauch legen.
- Wählen Sie das traditionelle Garen, wenn:
- Sie große Fleischstücke wie Braten, ganze Hähnchen oder Rippchen zubereiten möchten, die langsam und schonend garen müssen.
- Sie das klassische Raucharoma eines Holzkohlegrills schätzen.
- Sie gerne verschiedene Grilltechniken wie indirektes Grillen oder Räuchern ausprobieren möchten.
- Sie einen entspannten Grillabend ohne Zeitdruck verbringen möchten.
Kombination ist der Schlüssel: Grills mit beidem
Viele moderne Gasgrills bieten heute eine Kombination aus traditionellen Brennern und einem integrierten Infrarotbrenner, oft als „Sizzle Zone“ oder ähnliches bezeichnet. Diese Hybrid-Grills bieten die ultimative Flexibilität, da sie es Ihnen ermöglichen, die Vorteile beider Welten zu nutzen. Sie können Ihr Steak auf dem Infrarotbrenner scharf anbraten und es dann auf den traditionellen Brennern bei niedrigerer Temperatur fertig garen. Oder Sie nutzen den Infrarotbrenner für Beilagen, während auf der Hauptfläche ein Braten langsam vor sich hin gart. Diese Grills stellen oft die beste Lösung für den vielseitigen Griller dar.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Ist Infrarotgrillen gesünder?
Infrarotgrillen kann in gewisser Weise als gesünder angesehen werden, da die direkte Hitze Fett und Säfte sofort verdampfen lässt, bevor sie auf die Flammen tropfen und Stichflammen erzeugen können. Dies reduziert die Bildung von potenziell schädlichen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die entstehen, wenn Fett verbrennt.
Kann ich mit einem Infrarotbrenner auch langsam garen?
Reine Infrarotbrenner sind primär für hohe Temperaturen und schnelles Garen konzipiert. Einige hochwertige Infrarotbrenner bieten jedoch eine variable Temperaturregelung, die es theoretisch ermöglicht, auch niedrigere Temperaturen zu halten. Für echtes „Low & Slow“ Garen sind traditionelle Gas- oder Holzkohlegrills (insbesondere mit indirekter Hitze) jedoch die bessere Wahl.
Wie reinige ich einen Infrarotbrenner?
Ein großer Vorteil von Infrarotbrennern ist ihre Selbstreinigungsfunktion. Durch die extrem hohen Temperaturen werden Essensreste und Fett zu Asche verbrannt, die sich leicht mit einer Grillbürste entfernen lässt. Es ist ratsam, den Brenner nach jedem Gebrauch für einige Minuten auf höchster Stufe laufen zu lassen.
Verändert Infrarotgrillen den Geschmack der Speisen?
Nein, Infrarotgrillen verändert den Geschmack der Speisen nicht im Sinne einer Geschmackszugabe. Es beeinflusst jedoch die Textur und die Bildung von Röstaromen (Maillard-Reaktion) auf eine Weise, die viele als überlegen empfinden, insbesondere bei Steaks. Es geht mehr um die Methode der Hitzeübertragung als um eine Geschmacksveränderung.
Was bedeutet BTU und warum sind 9000 BTU wichtig?
BTU steht für British Thermal Unit und ist eine Maßeinheit für die Heizleistung eines Brenners. Eine höhere BTU-Zahl bedeutet, dass der Brenner mehr Wärmeenergie pro Stunde erzeugen kann. 9000 BTU für zwei Platten, wie im Beispiel genannt, ist ein Indikator für eine sehr leistungsstarke Infraroteinheit, die in der Lage ist, extrem schnell sehr hohe Temperaturen zu erreichen. Dies ist entscheidend für das schnelle und effektive Searing.
Fazit
Sowohl der Infrarotbrenner als auch das traditionelle Garen haben ihren festen Platz in der Welt des Grillens. Der Infrarotbrenner brilliert durch seine Geschwindigkeit, Effizienz und die Fähigkeit, eine unvergleichliche Kruste und Saftigkeit zu erzeugen – ideal für schnelle Gerichte und das perfekte Steak. Das traditionelle Garen hingegen bietet unübertroffene Vielseitigkeit für eine breite Palette an Gerichten, insbesondere für langsam gegartes Fleisch und diejenigen, die das klassische Raucharoma schätzen. Die beste Wahl hängt letztendlich von Ihren individuellen Bedürfnissen, den zu grillenden Speisen und Ihren persönlichen Vorlieben ab. Viele Griller entscheiden sich heute für einen Grill, der beide Technologien kombiniert, um das Beste aus beiden Welten zu genießen und für jede Grillsituation gerüstet zu sein.
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