Welche Fleischsorten gibt es zum Grillen?

Das Geheimnis des Gusto: Ein Wiener Rindfleisch-Rätsel

21/12/2021

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Liebe Guzzmania, Ihr Dilemma ist vielen Hobbyköchen und sogar erfahrenen Küchenchefs bekannt! Das österreichische Fleischerhandwerk birgt so manchen Begriff, der außerhalb der Landesgrenzen, manchmal sogar außerhalb Wiens, für Verwirrung sorgt. Ein 1,5 kg schweres Stück Rindfleisch mit der Bezeichnung „Gusto“ – das klingt nach einer echten kulinarischen Herausforderung und einer spannenden Entdeckungsreise. Keine Sorge, wir sind hier, um das Rätsel zu lüften und Ihnen zu zeigen, wie Sie dieses vielversprechende Stück Fleisch in ein unvergessliches Gericht verwandeln können.

Was versteht man unter 'Gusto'?
'Gusto' ist eine Sammelbezeichnung für die 'guten' Teilstücke von Schulter und Keule. Es umfaßt im Großen und Ganzen alle edleren Fleischteile vom Schlögel des Rindes. Davon kannst Du Schnitzel schneiden, einen Braten machen oder auch Gulasch.

Was ist Gusto? Das Wiener Rindfleisch-Geheimnis gelüftet

Der Begriff „Gusto“ im Zusammenhang mit Rindfleisch ist tatsächlich eine Spezialität der Wiener und österreichischen Fleischhauerei. Während er in anderen deutschsprachigen Regionen kaum bekannt ist, bezeichnet er in Wien in den allermeisten Fällen die Rindernuss. Die Rindernuss ist ein sehr vielseitiges Teilstück, das aus der Keule des Rindes stammt, genauer gesagt aus dem oberen Teil der Oberschale. Sie ist typischerweise mager, hat eine feine Faserstruktur und ist von einer dünnen Sehnenhaut umgeben, die vor der Zubereitung entfernt werden sollte.

Manchmal kann es regional auch vorkommen, dass mit „Gusto“ umgangssprachlich auch andere, eher seltenere oder spezifische Teilstücke gemeint sind, die für ihren besonderen Geschmack oder ihre Textur geschätzt werden, wie zum Beispiel der Zapfen (Hanging Tender) oder Teile des Bauchlappens (Schlepp). Angesichts der Größe von 1,5 kg und der Herkunft vom Biobauern ist die Wahrscheinlichkeit jedoch extrem hoch, dass es sich bei Ihrem Stück um die Rindernuss handelt. Dieses Wissen ist der Schlüssel zur perfekten Zubereitung, denn jedes Teilstück hat seine Eigenheiten und bevorzugten Garmethoden.

Ein Name, viele Gesichter: Gusto international

Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern, wie Ihr „Gusto“ im Rest der Welt genannt wird, hier eine kleine Übersicht, die sich auf die wahrscheinliche Identität als Rindernuss konzentriert, aber auch andere potenzielle Kandidaten kurz erwähnt:

Begriff (Österreich)DeutschlandSchweizEnglisch (UK/US)FranzösischItalienisch
Gusto (Rindernuss)Nuss, KugelNussKnuckle, Round, Sirloin TipNoix, BouleNoce, Girello
Zapfen (als seltener Gusto)OngletNierenzapfenHanging Tender, OngletOngletLombatello
Schlepp (als seltener Gusto)Bauchlappen, DünnungBauchFlank Steak, Skirt SteakBavette, HampePancia, Diaframma

Wie Sie sehen, ist die „Nuss“ ein weltweit bekannter Schnitt, auch wenn die regionalen Bezeichnungen variieren. Die gute Nachricht ist, dass die Zubereitungsempfehlungen für die Rindernuss international recht ähnlich sind.

Charakteristika des Gusto (Rindernuss): Vielseitig, aber anspruchsvoll

Die Rindernuss ist ein Stück, das zwar mager ist, aber dennoch einen guten, kräftigen Rindfleischgeschmack besitzt. Ihre feine Faserstruktur macht sie sehr vielseitig. Allerdings ist sie nicht so zart wie Filet oder Roastbeef und benötigt daher die richtige Zubereitung, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Sie ist nicht primär für das Kurzbraten als Steak geeignet, es sei denn, man behandelt sie besonders oder schneidet sie extrem dünn. Ihre Stärken liegen im langen, schonenden Garen, aber auch in der Verarbeitung zu dünnen Schnitzeln oder Rouladen.

Die Kunst der Zubereitung: So wird Ihr Gusto zum Gaumenschmaus

Da es sich bei Ihrem „Gusto“ höchstwahrscheinlich um eine Rindernuss handelt, konzentrieren wir uns auf deren ideale Zubereitungsmethoden. Diese sorgen dafür, dass das Fleisch wunderbar zart und aromatisch wird.

1. Schmoren: Der Klassiker für zarte Ergebnisse

Schmoren ist die Königsdisziplin für die Rindernuss. Durch das lange Garen in Flüssigkeit bei niedriger Temperatur werden die Kollagenfasern im Fleisch langsam in Gelatine umgewandelt, was das Fleisch unglaublich zart und saftig macht. Es ist die perfekte Methode für ein Gulasch, einen zünftigen Schmorbraten oder ein Boeuf Bourguignon.

  • Wiener Saftgulasch: Schneiden Sie Ihr Gusto in etwa 3-4 cm große Würfel. Braten Sie diese in heißem Öl scharf an, bis sie rundherum gebräunt sind. Nehmen Sie das Fleisch heraus und schwitzen Sie reichlich gewürfelte Zwiebeln (mindestens die gleiche Menge wie Fleisch, besser mehr) goldbraun an – das ist das Geheimnis eines guten Gulaschs! Geben Sie Paprikapulver (edelsüß und etwas rosenscharf) dazu, kurz mitrösten und sofort mit Essig oder Rotwein ablöschen, um die Zwiebeln zu karamellisieren und das Paprikapulver nicht bitter werden zu lassen. Fügen Sie das Fleisch wieder hinzu, zusammen mit etwas Kümmel, Majoran, Lorbeerblatt und einer Prise Salz. Mit Rinderbrühe oder Wasser aufgießen, bis das Fleisch gut bedeckt ist. Lassen Sie das Gulasch bei niedriger Hitze, idealerweise im Ofen (ca. 160°C), für mindestens 2,5 bis 3 Stunden schmoren, oder bis das Fleisch butterzart ist und fast von selbst zerfällt. Zwischendurch umrühren und gegebenenfalls Flüssigkeit nachgießen. Die Sauce dickt von selbst ein und wird herrlich sämig.
  • Klassischer Schmorbraten: Lassen Sie das Stück Gusto ganz oder halbieren Sie es. Salzen und pfeffern Sie es großzügig und braten Sie es von allen Seiten scharf in einem Bräter an. Nehmen Sie das Fleisch heraus und rösten Sie im selben Topf Wurzelgemüse (Karotten, Sellerie, Lauch) und Zwiebeln an. Tomatenmark kurz mitrösten, dann mit Rotwein und Rinderbrühe ablöschen. Das Fleisch wieder in den Topf geben, mit Kräutern wie Thymian und Rosmarin würzen. Im vorgeheizten Ofen bei 160-170°C für 2,5 bis 3,5 Stunden schmoren lassen, bis es sehr zart ist. Die Soße kann anschließend passiert und reduziert werden.

2. Braten im Ganzen: Für festliche Anlässe (Vorsicht bei der Wahl des Stücks)

Obwohl die Rindernuss meist geschmort wird, kann ein sehr hochwertiges, gut abgehangenes Stück Gusto vom Biobauern auch im Ganzen gebraten werden, idealerweise bei Niedertemperatur. Dies erfordert jedoch ein wenig mehr Aufmerksamkeit und ist eher für Kenner. Das Ziel ist hier, die Saftigkeit zu bewahren, ohne dass das Fleisch zäh wird.

  • Niedertemperatur-Braten: Salzen und pfeffern Sie das ganze Stück Gusto. Braten Sie es in einer Pfanne rundherum scharf an, um Röstaromen zu entwickeln. Legen Sie es dann auf ein Rost in den Ofen und garen Sie es bei niedriger Temperatur (ca. 80-100°C Ober-/Unterhitze), bis die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist (ca. 56-58°C für medium-rare, 60-62°C für medium). Dies kann je nach Größe 2-4 Stunden dauern. Die geringe Hitze sorgt dafür, dass das Fleisch gleichmäßig gart und zart bleibt. Nach dem Garen ist eine ausreichende Ruhezeit von mindestens 10-15 Minuten unter Alufolie unerlässlich, damit sich die Säfte im Fleisch verteilen können und es beim Anschnitt nicht austrocknet.

3. Dünn geschnitten: Rouladen und Schnitzel

Die feine Faser der Rindernuss macht sie auch ideal für die Zubereitung von Rouladen oder als Basis für ein „falsches“ Wiener Schnitzel vom Rind (oft als Naturschnitzel bezeichnet).

  • Rouladen: Lassen Sie das Gusto vom Metzger in etwa 0,5 cm dicke Scheiben schneiden oder schneiden Sie es selbst. Klopfen Sie die Scheiben dann vorsichtig zwischen zwei Frischhaltefolien sehr dünn (ca. 2-3 mm). Belegen Sie die dünnen Fleischscheiben mit Speck, Essiggurken, Zwiebeln und Senf, rollen Sie sie fest zusammen und fixieren Sie sie mit Rouladennadeln oder Küchengarn. Braten Sie die Rouladen scharf an und schmoren Sie sie dann in einer kräftigen Soße (ähnlich wie beim Gulasch oder Schmorbraten) für 1,5 bis 2 Stunden, bis sie butterweich sind.
  • Rindsschnitzel Natur: Auch hierfür wird das Gusto in dünne Scheiben geschnitten und sehr flach geklopft. Salzen und pfeffern Sie die Schnitzel und braten Sie sie in Butterschmalz auf beiden Seiten kurz an, bis sie eine schöne goldbraune Farbe haben. Servieren Sie sie mit einer Zitronenspalte. Das Ergebnis ist ein zartes, aromatisches Schnitzel, das nicht paniert ist und den reinen Rindfleischgeschmack in den Vordergrund stellt.

4. Kurzbraten oder Grillen: Wenn es wirklich ein Zapfen oder Schlepp ist (oder ein mutiger Versuch)

Sollte Ihr „Gusto“ wider Erwarten doch ein Zapfen oder Schlepp sein (was bei einem 1,5 kg Stück unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich ist), dann eignen sich diese Stücke hervorragend zum Kurzbraten oder Grillen. Beide sind von Natur aus geschmacksintensiver und haben eine andere Textur als die Nuss. Der Zapfen ist sehr saftig und zart, der Schlepp hat eine gröbere Faser, die aber bei richtiger Zubereitung sehr schmackhaft ist.

  • Vorbereitung: Diese Stücke profitieren enorm von einer Marinade (z.B. auf Sojasaucen-, Knoblauch- oder Kräuterbasis) für mindestens 2-4 Stunden.
  • Zubereitung: Braten oder grillen Sie die marinierten Stücke bei hoher Hitze nur kurz von jeder Seite (ca. 2-4 Minuten pro Seite, je nach Dicke) für ein medium-rare Ergebnis.
  • Der wichtigste Tipp hierbei: Schneiden Sie das Fleisch unbedingt quer zur Faserverlauf in dünne Scheiben! Dies ist entscheidend, um die Zartheit zu gewährleisten, da die Fasern sonst zu lang bleiben und das Fleisch zäh wirken würde.

Wichtige Tipps für den perfekten Gusto-Genuss

  • Der Faserverlauf ist entscheidend: Egal ob Sie schmoren oder kurzbraten – achten Sie beim Anschneiden immer darauf, quer zur Faserverlauf zu schneiden. Dies verkürzt die Muskelfasern und macht das Fleisch zarter im Biss.
  • Marinieren: Besonders für das Braten im Ganzen oder wenn Sie unsicher sind, kann eine Marinade mit säurehaltigen Komponenten (Wein, Essig, Joghurt) und Enzymen (Ananas, Papaya – vorsichtig dosieren!) helfen, das Fleisch zarter zu machen und zusätzliche Aromen zu verleihen.
  • Geduld beim Schmoren: Widerstehen Sie der Versuchung, den Schmorvorgang abzukürzen. Die Zartheit der Rindernuss entwickelt sich erst durch langes, langsames Garen.
  • Ruhezeit nach dem Garen: Lassen Sie das Fleisch nach dem Braten oder Schmoren immer einige Minuten ruhen, bevor Sie es anschneiden. So können sich die Fleischsäfte gleichmäßig im Stück verteilen, und es bleibt saftiger.
  • Qualität zahlt sich aus: Dass Ihr Gusto vom Biobauern stammt, ist ein riesiger Vorteil. Fleisch von glücklichen, artgerecht gehaltenen Tieren ist nicht nur ethisch vertretbarer, sondern hat auch eine bessere Textur und einen intensiveren Geschmack.

Warum heißt es „Gusto“? Eine kleine Spekulation

Der Ursprung des Begriffs „Gusto“ für die Rindernuss ist nicht eindeutig dokumentiert, aber es gibt plausible Erklärungen. „Gusto“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Geschmack“ oder „Lust, Appetit“. Es ist gut möglich, dass dieser Schnitt aufgrund seiner Vielseitigkeit und des guten Geschmacks, den er bei richtiger Zubereitung entwickelt, als „Gusto-Stück“ bezeichnet wurde – also ein Stück, das man mit „Gusto“ (Leidenschaft und Genuss) zubereitet und verzehrt. Oder es ist einfach ein Stück, das „Gusto auf mehr“ macht. Eine andere Theorie besagt, dass es ein Stück ist, das „Gusto“ (also Geschick oder Können) vom Koch erfordert, um es perfekt zuzubereiten, was wiederum auf seine Notwendigkeit zum Schmoren hindeutet.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Gusto

Ist Gusto immer Rindernuss?
In Wien und weiten Teilen Österreichs ist „Gusto“ in der Regel die Rindernuss aus der Keule. Es gibt jedoch regionale oder individuelle Ausnahmen, wo auch andere, geschätzte Teilstücke wie der Zapfen (Hanging Tender) oder Teile des Bauchlappens so bezeichnet werden könnten. Für ein 1,5 kg schweres Stück ist die Nuss aber die wahrscheinlichste Identität.

Kann ich Gusto grillen?
Als Rindernuss ist das Grillen im Ganzen oder als dickes Steak nicht die beste Wahl, da es sonst zäh werden kann. Es ist besser zum Schmoren, Kochen oder für dünn geschnittene Rouladen geeignet. Sollte Ihr Stück jedoch tatsächlich ein Zapfen oder Schlepp sein (was seltener ist), dann eignen sich diese Stücke hervorragend zum Kurzbraten oder Grillen, vorausgesetzt, sie werden mariniert und anschließend quer zur Faser geschnitten.

Welche Gewürze passen am besten zu Gusto?
Für Schmorgerichte wie Gulasch sind Paprikapulver (edelsüß und rosenscharf), Kümmel, Majoran, Lorbeerblatt, Salz und Pfeffer klassisch. Für Braten passen Rosmarin, Thymian, Knoblauch und Zwiebeln sehr gut. Bei dünn geschnittenen Schnitzeln reicht oft eine Prise Salz und Pfeffer, um den Eigengeschmack des Rindfleisches zu betonen.

Wie lange muss Gusto schmoren, damit es zart wird?
Ein 1,5 kg schweres Stück Gusto (Rindernuss) sollte beim Schmoren mindestens 2,5 bis 3,5 Stunden garen, je nachdem, ob es im Ganzen oder in Würfeln zubereitet wird. Die genaue Zeit hängt von der Größe der Stücke und der Hitze ab. Das Fleisch ist fertig, wenn es sich leicht mit einer Gabel zerteilen lässt und butterzart ist.

Ist Gusto ein teures Stück Fleisch?
Die Rindernuss ist im Vergleich zu Edelteilen wie Filet oder Roastbeef ein eher preiswerteres Teilstück des Rindes. Ihre Vielseitigkeit und der gute Geschmack bei richtiger Zubereitung machen sie jedoch zu einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Bio-Qualität, wie bei Ihrem Stück, kann den Preis natürlich etwas erhöhen, garantiert aber oft eine bessere Fleischqualität und -textur.

Fazit: Ihr Gusto-Erfolg ist garantiert!

Liebe Guzzmania, Sie halten ein wunderbares Stück Fleisch in den Händen, das mit der richtigen Zubereitung zu einem wahren Gaumenschmaus wird. Die Rindernuss, Ihr „Gusto“, ist ein vielseitiges Stück, das besonders durch langsames Schmoren seine ganze Zartheit und seinen vollen Geschmack entfaltet. Ob als herzhaftes Gulasch, festlicher Schmorbraten oder zarte Roulade – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Experimentieren Sie mit den hier vorgeschlagenen Methoden und lassen Sie sich von der Qualität Ihres Bio-Rindfleisches inspirieren. Mit Geduld und Liebe zum Detail wird Ihr „Gusto“ nicht nur ein Fleischstück, sondern ein kulinarisches Erlebnis. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Kochen und natürlich: Guten Appetit!

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