Warum ist Grillen mit Gas und Strom gesünder als mit Holzkohle?

Gesünder Grillen: Gas, Strom oder Kohle?

06/09/2021

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Die warmen Tage laden unwiderstehlich zum Grillen ein. Der Duft von frisch Gegrilltem liegt in der Luft, Freunde und Familie versammeln sich – ein Bild des puren Genusses. Doch hinter dieser Idylle verbirgt sich oft eine wichtige Frage: Wie gesund ist unser geliebtes Grillvergnügen wirklich? Während der Holzkohlegrill für viele der Inbegriff des authentischen Geschmacks ist, rücken Gas- und Elektrogrills zunehmend in den Fokus, wenn es um eine gesündere Zubereitung geht. Dieser Artikel beleuchtet, welche gesundheitlichen Risiken beim Grillen entstehen können und warum moderne Grillmethoden oft die bessere Wahl für Ihr Wohlbefinden sind, ohne dabei auf den Genuss verzichten zu müssen.

Warum ist Grillen mit Gas und Strom gesünder als mit Holzkohle?
Damit der Grillgenuss gesundheitlich unbedenklich ist, gibt es einiges zu beachten. Welche Schadstoffe entstehen können und warum Grillen mit Gas und Strom gesünder ist als mit Holzkohle. Beim Grillen können Schadstoffe entstehen, die sich am Grillgut absetzen oder als Feinstaub eingeatmet werden.
Inhaltsverzeichnis

Die Schattenseiten des Holzkohlegrills: Warum Rauch problematisch ist

Das Grillen über offener Flamme, insbesondere mit Holzkohle, birgt bestimmte Risiken für unsere Gesundheit. Wenn Fett oder Öl vom Grillgut auf die glühende Kohle tropft, entsteht eine charakteristische blaue Flamme. Diese Flamme ist ein Indikator für die Bildung sogenannter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese chemischen Verbindungen sind bekanntermaßen krebserregend und können sich über den aufsteigenden Rauch direkt auf Fleisch, Fisch oder Gemüse absetzen und so in unseren Körper gelangen. Es ist nicht nur das herabtropfende Fett, das Probleme verursacht. Der Rauch, der beim Verbrennen von Holzkohle entsteht, enthält neben diesen PAK auch schädlichen Feinstaub sowie Kohlenstoffmonoxid und Kohlenstoffdioxid. Das Einatmen dieser Stoffe sollte so weit wie möglich vermieden werden, da sie Atemwege und Lungen belasten können.

Im Gegensatz dazu produzieren Gas- und Elektrogrills deutlich weniger dieser Giftstoffe. Der Hauptgrund liegt in ihrer Konstruktion: Fetttropfen laufen bei diesen Geräten meist an Metallteilen ab und verbrennen nicht direkt auf einer Glut. Dies verhindert die Entstehung der schädlichen PAK und reduziert die Rauchentwicklung erheblich. Ein weiterer Vorteil ist die präzisere Temperaturkontrolle, die das Risiko des Anbrennens minimiert.

Versteckte Gefahren: HAA und gepökeltes Fleisch

Doch nicht nur der Rauch des Holzkohlegrills kann gesundheitsschädlich sein. Auch die Art und Weise, wie wir unser Grillgut erhitzen, spielt eine entscheidende Rolle. Wird Fleisch zu lange oder bei zu hohen Temperaturen gegrillt, können sich heterozyklische aromatische Amine (HAA) bilden. Diese Substanzen stehen ebenfalls im Verdacht, krebserregend zu sein. Ein Holzkohlegrill kann Temperaturen von bis zu 350 Grad Celsius erreichen, was das Risiko der HAA-Bildung erhöht, wenn das Grillgut nicht sorgfältig überwacht wird. Gas- und Elektrogrills bieten hier den Vorteil einer besseren Temperaturregulierung, die es ermöglicht, das Grillgut schonender zu garen.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Auswahl des Grillguts. Bestimmte Fleischsorten, insbesondere gepökeltes oder geräuchertes Fleisch wie Kassler, geräucherter Speck, Leberkäse oder Bockwurst, gehören nicht auf den Grill. Bei hoher Hitze können in diesen Produkten Nitrosamine entstehen, die ebenfalls als krebserregend gelten. Es ist ratsam, auf diese Art von Fleisch beim Grillen zu verzichten und stattdessen auf frische, unverarbeitete Alternativen zurückzugreifen.

Die Vorteile von Gas- und Elektrogrills: Sauberer Genuss

Die Entscheidung für einen Gas- oder Elektrogrill ist oft eine Entscheidung für mehr Gesundheit und Komfort. Wie bereits erwähnt, minimieren diese Grilltypen die Bildung schädlicher Stoffe wie PAK und Feinstaub, da kein Fett direkt in eine offene Flamme oder auf glühende Kohle tropfen kann. Stattdessen werden Fetttropfen in Auffangschalen gesammelt oder laufen an den Heizelementen vorbei ab. Dies führt nicht nur zu einem gesünderen Grillprozess, sondern auch zu einer deutlich geringeren Rauchentwicklung, was besonders in dicht besiedelten Gebieten oder auf Balkonen von Vorteil ist.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die präzise Temperaturkontrolle. Sowohl Gas- als auch Elektrogrills ermöglichen es, die Hitze exakt einzustellen und konstant zu halten. Dies verhindert ein Überhitzen des Grillguts und reduziert somit die Bildung von HAA. Sie können das Grillgut sanft garen oder bei Bedarf kurz scharf anbraten, ohne das Risiko des Anbrennens zu erhöhen. Die schnelle Einsatzbereitschaft und die einfache Reinigung sind weitere Pluspunkte, die den Grillalltag erleichtern und somit zu einem entspannteren Grillvergnügen beitragen.

Vergleich der Grillarten aus gesundheitlicher Sicht

Um die Unterschiede noch deutlicher zu machen, hier eine vergleichende Übersicht der gängigen Grillarten:

MerkmalHolzkohlegrillGasgrillElektrogrill
Risiko PAK-BildungHoch (bei Fetttropfen auf Glut)Sehr gering (Fett tropft nicht auf Flamme)Sehr gering (Fett tropft nicht auf Heizelement)
Risiko HAA-BildungMittel bis hoch (schlechtere Temperaturkontrolle)Gering (präzise Temperaturkontrolle)Gering (präzise Temperaturkontrolle)
RauchentwicklungHoch (Feinstaub, CO, CO2)Sehr geringKein Rauch
TemperaturkontrolleSchwierig, ungenauPräzise und schnellPräzise und schnell
ReinigungAufwendiger (Asche, Ruß)MittelEinfach
MobilitätEingeschränkt (Rauch, Asche)Gering (Gasflasche)Hoch (steckdosenabhängig)

Praktische Tipps für gesünderes Grillen – Unabhängig vom Grilltyp

Auch wenn Gas- und Elektrogrills gesundheitliche Vorteile bieten, lässt sich auch mit einem Holzkohlegrill gesünder grillen, wenn man einige grundlegende Regeln beachtet. Diese Tipps helfen Ihnen, das Risiko schädlicher Stoffe zu minimieren und den Grillgenuss unbeschwert zu erleben:

  • Kohle richtig vorbereiten: Lassen Sie die Holzkohle vollständig durchglühen, bis sich eine weiße Ascheschicht bildet. Verzichten Sie auf Spiritus oder andere flüssige Brandbeschleuniger, die zusätzliche Schadstoffe erzeugen können. Verwenden Sie stattdessen einen Anzündkamin oder geeignete, feste Grillanzünder.
  • Gute Belüftung sichern: Grillen Sie stets im Freien und sorgen Sie für eine gute Luftzufuhr. Vermeiden Sie eine starke Rauchentwicklung, indem Sie für ausreichend Sauerstoffzufuhr zur Glut sorgen.
  • Fett und Marinade abtupfen: Tupfen Sie überschüssiges Fett und Marinade vom Grillgut ab, bevor es auf den Rost kommt. So tropft weniger davon in die Glut oder auf die Heizelemente, was die Bildung von PAK und Rauch reduziert.
  • Grillgut clever platzieren: Wenn Sie mit Holzkohle grillen, platzieren Sie die Kohlen in der Mitte des Rosts und das Grillgut eher am Rand. So tropft austretendes Fett nicht direkt auf die Glut, sondern läuft am Rost ab. Bei Gas- und Elektrogrills nutzen Sie die indirekten Zonen oder die Auffangschalen.
  • Nichts anbrennen lassen: Vermeiden Sie verbrannte Stellen am Grillgut. Besonders mariniertes Grillgut oder Geflügel sollte nur kurz scharf angebraten und dann bei niedrigeren Temperaturen (oder indirekt neben der Kohle) fertig gegart werden. Schneiden Sie verkohlte Stellen großzügig ab und essen Sie diese nicht mit.
  • Wiederverwendbare Grillschalen: Verwenden Sie Grillschalen aus Edelstahl oder Gusseisen. Diese sind robust, langlebig und verhindern, dass Fett in die Flamme tropft. Vermeiden Sie das Ablöschen mit Bier, da dies ebenfalls Rauch und Schadstoffe erzeugen kann.
  • Vorsicht bei Aluminium: Aluschalen und Aluminiumfolie sind nicht für säure- und salzhaltige Speisen wie gewürztes Grillgut, Mariniertes oder Fetakäse geeignet. Aluminium kann unter diesen Bedingungen in die Lebensmittel übergehen.
  • Geeignetes Grillbesteck: Verwenden Sie hitzebeständiges Grillbesteck, idealerweise aus Edelstahl. Plastik oder Holz können bei hohen Temperaturen schmelzen oder verbrennen und unerwünschte Stoffe freisetzen.

Gesunde Auswahl auf dem Rost: Mehr als nur Fleisch

Ein wesentlicher Aspekt des gesunden Grillens liegt in der Auswahl der Lebensmittel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend und verarbeitetes Fleisch (wie Wurst) sogar als krebserregend ein. Dies bedeutet nicht, dass Sie komplett auf Fleisch verzichten müssen, aber eine Reduzierung ist ratsam. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 300 Gramm Fleisch und Wurstwaren pro Woche zu verzehren.

Konzentrieren Sie sich stattdessen auf eine vielfältige Auswahl. Eine gute Faustregel für gesünderes Grillen ist: zweimal so viel Gemüse wie Fleisch essen. Gemüsespieße mit Paprika, Zucchini, Champignons und Zwiebeln sind nicht nur lecker, sondern auch reich an Vitaminen und Ballaststoffen. Auch fettreiche Fische wie Lachs oder Forelle eignen sich hervorragend für den Grill und liefern wertvolle ungesättigte Fettsäuren. Grillkäse ist eine weitere schmackhafte Alternative. Als Beilage eignet sich Vollkornbrot besser als Weißbrot.

Wer vegetarisch oder vegan grillen möchte, sollte bei verarbeitetem Fleischersatz wie Tofuwürstchen oder Seitansteaks auf die Zusatzstoffe achten. Diese enthalten oft viel Fett und Zucker, was den gesundheitlichen Vorteil mindern kann. Greifen Sie lieber zu frischem Tofu, Seitan oder Gemüse.

Die Magie der Marinade: Geschmack und Schutz

Eine gut zubereitete Marinade kann nicht nur den Geschmack Ihres Grillguts verbessern, sondern auch zu einem gesünderen Grillvergnügen beitragen. Kräuter und Gewürze wie Knoblauch, Zwiebeln, Ingwer, Thymian, Rosmarin, Schwarzer Pfeffer und Cayennepfeffer sowie Zitronensaft sind nicht nur aromatisch, sondern wirken im Körper auch entzündungshemmend. Studien deuten darauf hin, dass diese Zutaten die Bildung schädlicher heterozyklischer aromatischer Amine (HAA) beim Grillen reduzieren können.

Um Fleisch in möglichst kurzer Zeit gut zu bräunen und Röstaromen zu entwickeln, kann der Marinade eine Prise Zucker hinzugefügt werden, beispielsweise bei Geflügelfleisch. Zucker beschleunigt die Maillard-Reaktion, die für die Bräunung verantwortlich ist, und ermöglicht so eine kürzere Grillzeit bei niedrigeren Temperaturen, was wiederum die HAA-Bildung minimiert. Achten Sie jedoch darauf, den Zuckeranteil moderat zu halten, um ein Anbrennen zu vermeiden.

Hygiene ist Trumpf: Keime vermeiden beim Grillen

Neben der Vermeidung von Schadstoffen ist auch die Küchenhygiene beim Grillen von größter Bedeutung, um gesundheitliche Risiken zu minimieren. Achten Sie darauf, sogenannte Kreuzkontaminationen zu vermeiden. Rohes Fleisch oder Fisch können krankheitserregende Bakterien wie Salmonellen und Viren enthalten. Auch wenn diese Keime beim Grillen meist abgetötet werden, können sie über benutzte Schneidebretter, Messer und Hände auf andere Lebensmittel wie Rohkost, Salate, Dressings oder andere Beilagen übertragen werden.

  • Verwenden Sie separate Schneidebretter und Messer für rohes Fleisch/Fisch und für Gemüse/fertige Speisen.
  • Waschen Sie sich gründlich die Hände, nachdem Sie rohes Fleisch angefasst haben.
  • Halten Sie die Kühlkette für leicht verderbliche Lebensmittel stets ein. Lebensmittel sollten bis kurz vor dem Grillen gut gekühlt bleiben und nicht zu lange in der Sonne stehen.
  • Verwenden Sie für den Transport von rohem Fleisch zum Grill eine saubere Zange oder Gabel, und eine andere für das fertige Grillgut.

Häufig gestellte Fragen zum gesunden Grillen

Ist Grillen mit Holzkohle grundsätzlich ungesund?
Nein, nicht grundsätzlich. Es birgt jedoch höhere Risiken bezüglich der Bildung schädlicher Stoffe wie PAK und Feinstaub. Mit der richtigen Technik (Kohle durchglühen lassen, Fett abtupfen, indirektes Grillen) lassen sich diese Risiken deutlich minimieren. Gas- und Elektrogrills sind aus gesundheitlicher Sicht jedoch oft die bessere Wahl.
Kann ich Aluschalen oder Aluminiumfolie verwenden?
Vorsicht ist geboten. Für säure- und salzhaltige Speisen wie mariniertes Fleisch, gewürztes Gemüse oder Fetakäse sind Aluschalen und -folie nicht geeignet, da Aluminium in die Lebensmittel übergehen kann. Verwenden Sie stattdessen Grillschalen aus Edelstahl oder Gusseisen.
Muss ich verbrannte Stellen am Grillgut abschneiden?
Ja, unbedingt. Verkohlte oder stark verbrannte Stellen enthalten eine hohe Konzentration an schädlichen Stoffen wie HAA. Schneiden Sie diese großzügig ab, bevor Sie das Grillgut essen.
Welche Temperatur ist ideal zum Grillen?
Es gibt keine einzelne "ideale" Temperatur, da diese vom Grillgut abhängt. Wichtig ist, sehr hohe Temperaturen (über 200-250°C) zu vermeiden, um die Bildung von HAA zu reduzieren. Fleisch sollte kurz scharf angebraten und dann bei niedrigerer, indirekter Hitze fertig gegart werden. Gas- und Elektrogrills erleichtern die Temperaturkontrolle enorm.
Sind PAK und HAA die einzigen Schadstoffe beim Grillen?
Nein, es gibt weitere wie Nitrosamine, die bei gepökeltem Fleisch entstehen können, oder Feinstaub und Kohlenmonoxid aus Holzkohlerauch. PAK und HAA sind jedoch die am häufigsten diskutierten krebserregenden Stoffe im Zusammenhang mit dem Grillprozess selbst.

Grillen ist und bleibt eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Sommer. Mit dem Wissen um potenzielle Risiken und den richtigen Techniken können Sie Ihr Grillvergnügen jedoch deutlich gesünder gestalten, ohne dabei auf den unwiderstehlichen Geschmack verzichten zu müssen. Ob Sie sich für einen Gas-, Elektro- oder Holzkohlegrill entscheiden, die bewusste Auswahl des Grillguts, die sorgfältige Zubereitung und die Einhaltung grundlegender Hygieneregeln sind der Schlüssel zu einem unbeschwerten und gesunden Grillabend. Genießen Sie die warme Jahreszeit und Ihr Grillgut in vollen Zügen – aber immer mit einem Auge auf Ihre Gesundheit!

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