22/08/2022
Das Schnitzel ist weit mehr als nur ein Gericht; es ist ein kulinarisches Phänomen, das Generationen begeistert und auf Speisekarten rund um den Globus zu finden ist. Mit seiner zarten Textur und der oft knusprigen Panade verkörpert es für viele den Inbegriff herzhafter Hausmannskost und festlicher Anlässe gleichermaßen. Ob aus Hähnchenfilet, zartem Schweinefleisch oder edlem Rindfleisch – die Vielseitigkeit des Schnitzels ist bemerkenswert. Doch was genau macht ein Schnitzel aus, und welche Geheimnisse stecken hinter seiner Zubereitung?
Im Kern ist ein Schnitzel ein dünn geklopftes Stück Fleisch, das in der Regel paniert und anschließend goldbraun gebraten wird. Die Kunst der Zubereitung liegt im Detail: von der Auswahl des Fleisches über das präzise Plattieren bis hin zur perfekten Panierstraße und dem Braten bei idealer Temperatur. Es ist ein Gericht, das sowohl Einfachheit als auch Raffinesse vereint und dessen Geschichte tief in der europäischen Küche verwurzelt ist.

- Die Geschichte des Schnitzels: Eine Reise durch die Zeit
- Vielfalt auf dem Teller: Die verschiedenen Schnitzelarten
- Die Kunst der Zubereitung: So gelingt das perfekte Schnitzel
- Beilagen und Serviertipps
- Häufig gestellte Fragen zum Schnitzel
- Was ist der Unterschied zwischen einem Wiener Schnitzel und einem Schnitzel „Wiener Art“?
- Kann man Schnitzel auch auf dem Grill zubereiten?
- Wie bleibt die Panade knusprig und löst sich nicht ab?
- Kann ich Schnitzel vorbereiten und später braten?
- Welches Fett ist am besten zum Braten von Schnitzel geeignet?
- Fazit: Ein zeitloser Genuss
Die Geschichte des Schnitzels: Eine Reise durch die Zeit
Die Ursprünge des Schnitzels reichen weit zurück. Obwohl das Wiener Schnitzel untrennbar mit Österreich verbunden ist, gibt es Hinweise auf ähnliche Zubereitungsarten von Fleisch in anderen Kulturen, die bereits im Mittelalter existierten. Historiker vermuten, dass die Idee, Fleisch zu klopfen und zu panieren, möglicherweise aus Byzanz oder dem Orient über Italien nach Mitteleuropa kam. Schon im 15. Jahrhundert gab es in Italien Gerichte, bei denen Fleisch in Semmelbröseln gewendet und gebraten wurde, wie das „Cotoletta alla Milanese“.
Das Wiener Schnitzel, das heute das bekannteste Schnitzel ist, hat seine festen Wurzeln in Wien und ist seit dem 19. Jahrhundert dokumentiert. Es ist streng definiert: Ein echtes Wiener Schnitzel muss zwingend aus Kalbfleisch (genauer gesagt aus der Oberschale des Kalbs) bestehen und in Butterschmalz ausgebacken werden. Die Legende besagt, dass Feldmarschall Radetzky das Rezept aus Italien mitgebracht haben soll, doch diese Geschichte ist weitgehend widerlegt. Vielmehr entwickelte sich das Wiener Schnitzel aus lokalen Kochtraditionen und erlangte im Laufe der Zeit durch seine Beliebtheit und die feine Zubereitungsart seinen heutigen Status als Nationalgericht.
Die Verbreitung des Schnitzels über die Grenzen Österreichs hinaus führte zu einer Vielzahl regionaler und internationaler Adaptionen, die das Gericht in seiner heutigen Vielfalt prägen. Jedes Land, ja jede Region, hat oft ihre eigene Interpretation des Schnitzels entwickelt, die sich in Fleischsorte, Panade und Beilagen widerspiegelt.
Vielfalt auf dem Teller: Die verschiedenen Schnitzelarten
Obwohl das Wiener Schnitzel der Goldstandard ist, gibt es eine beeindruckende Bandbreite an Schnitzelarten, die sich in Fleischsorte, Zubereitung und Beilagen unterscheiden. Hier sind einige der gängigsten:
- Wiener Schnitzel: Das Original. Ausschließlich aus dünn geklopftem Kalbfleisch, paniert mit Mehl, Ei und frischen Semmelbröseln, in Butterschmalz goldbraun gebraten. Es zeichnet sich durch seine zarte Konsistenz und die luftige, wellige Panade aus.
- Schnitzel „Wiener Art“ (Schweineschnitzel): Dies ist die in Deutschland und vielen anderen Ländern am weitesten verbreitete Form. Hierfür wird Schweinefleisch (oft aus dem Schinken oder der Oberschale) verwendet. Die Zubereitung ist ansonsten identisch mit dem Wiener Schnitzel, daher der Zusatz „Wiener Art“. Es ist eine kostengünstigere und dennoch sehr schmackhafte Alternative.
- Putenschnitzel: Eine leichtere Variante, die aus der Putenbrust geschnitten wird. Es ist magerer und hat einen milderen Geschmack, ideal für jene, die eine leichtere Mahlzeit bevorzugen.
- Hähnchenschnitzel: Ähnlich dem Putenschnitzel, aber aus Hähnchenbrustfilet. Beliebt wegen seines zarten Fleisches und seiner schnellen Zubereitung. Oft eine gute Wahl für Kinder.
- Jägerschnitzel: Hierbei handelt es sich in der Regel um ein paniertes oder unpaniertes Schweineschnitzel, das mit einer reichhaltigen Pilzrahmsoße serviert wird. Der Name leitet sich von der traditionellen Jagdbeute (Pilze) ab.
- Zigeunerschnitzel: Ein weiteres beliebtes Soßen-Schnitzel, das mit einer pikanten Paprika-Tomaten-Soße serviert wird. Der Name ist historisch, aber aufgrund seiner problematischen Konnotationen wird oft der neutralere Begriff „Schnitzel Balkan Art“ oder „Schnitzel Paprika“ verwendet.
- Rahmschnitzel: Ein Schnitzel (oft Schwein oder Kalb) in einer cremigen Rahmsoße, oft verfeinert mit Zwiebeln oder Kräutern.
- Pariser Schnitzel: Eine weniger bekannte, aber elegante Variante. Das Fleisch (oft Kalb oder Schwein) wird nur in Mehl und Ei gewendet, ohne Semmelbrösel, und dann gebraten. Es entsteht eine dünne, goldene Hülle.
- Naturschnitzel: Hier wird das Fleisch nicht paniert, sondern nur gewürzt und direkt gebraten. Ideal für eine leichtere Mahlzeit oder wenn der reine Fleischgeschmack im Vordergrund stehen soll.
Die Kunst der Zubereitung: So gelingt das perfekte Schnitzel
Die Zubereitung eines perfekten Schnitzels erfordert Sorgfalt und Aufmerksamkeit für Details. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Die Auswahl des Fleisches: Für ein authentisches Wiener Schnitzel wählen Sie Kalbsschnitzel aus der Oberschale. Für Schnitzel „Wiener Art“ eignen sich magere Stücke vom Schweineschinken oder -rücken. Bei Pute oder Huhn verwenden Sie die Brustfilets.
2. Das Plattieren (Klopfen): Dies ist ein entscheidender Schritt. Legen Sie das Fleisch zwischen zwei Frischhaltefolien und klopfen Sie es gleichmäßig dünn. Für Kalbsschnitzel etwa 2-4 mm, für Schwein oder Geflügel etwas dicker, 4-6 mm. Das Klopfen macht das Fleisch zart und sorgt dafür, dass es gleichmäßig gart und die Panade besser haftet.
3. Die Panierstraße vorbereiten: Stellen Sie drei tiefe Teller bereit: einen mit Mehl (Type 405), einen mit verquirltem Ei (mit einer Prise Salz und Pfeffer gewürzt) und einen mit frischen Semmelbröseln. Frische Semmelbrösel sind entscheidend für die Knusprigkeit und die typische wellige Panade. Vermeiden Sie industriell hergestellte, feine Paniermehl.
4. Das Panieren: Arbeiten Sie zügig. Zuerst das Fleisch beidseitig leicht salzen und pfeffern. Dann das Schnitzel zuerst im Mehl wenden, überschüssiges Mehl abklopfen. Anschließend durch das Ei ziehen, gut abtropfen lassen. Zum Schluss in den Semmelbröseln wenden. Drücken Sie die Brösel nicht fest an, sondern betten Sie das Schnitzel locker ein und bedecken Sie es sanft. Die Panade soll luftig bleiben, damit sie beim Braten „Souffliert“ (sich vom Fleisch löst und Wellen wirft).
5. Das Braten: Erhitzen Sie reichlich Fett in einer großen Pfanne. Für Wiener Schnitzel ist Butterschmalz die erste Wahl, da es einen feinen Geschmack verleiht und hohe Temperaturen verträgt. Alternativ eignen sich Pflanzenöle mit hohem Rauchpunkt wie Rapsöl oder Sonnenblumenöl. Die Fettschicht sollte so hoch sein, dass das Schnitzel darin schwimmen kann. Die Temperatur ist entscheidend: Das Fett sollte heiß sein (ca. 170-180°C), aber nicht rauchen. Legen Sie das Schnitzel vorsichtig ins Fett und braten Sie es goldbraun. Schwenken Sie die Pfanne während des Bratens leicht, damit das heiße Fett auch über die Oberseite der Panade gelangt und diese gleichmäßig gart und wellig wird. Nach etwa 2-4 Minuten pro Seite ist das Schnitzel fertig. Es sollte eine goldbraune Farbe haben und die Panade schön knusprig sein.
6. Abtropfen lassen: Nehmen Sie das fertige Schnitzel aus der Pfanne und legen Sie es kurz auf Küchenpapier, um überschüssiges Fett abtropfen zu lassen. Sofort servieren.
Tabelle: Schnitzelarten im Überblick
| Schnitzelart | Fleisch | Panade | Typische Beilagen | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Wiener Schnitzel | Kalb (Oberschale) | Mehl, Ei, frische Semmelbrösel | Zitronenspalte, Preiselbeeren, Kartoffelsalat | Muss aus Kalbfleisch sein, geschützte Bezeichnung |
| Schnitzel „Wiener Art“ | Schwein (Schinken, Rücken) | Mehl, Ei, frische Semmelbrösel | Pommes, Kartoffelsalat, Zitrone | Häufigste Variante, kostengünstiger |
| Putenschnitzel | Pute (Brust) | Mehl, Ei, frische Semmelbrösel | Reis, leichter Salat, Zitronenspalte | Leichter und magerer |
| Hähnchenschnitzel | Hähnchen (Brust) | Mehl, Ei, frische Semmelbrösel | Pommes, Gemüse, Dips | Sehr zart, schnell gar |
| Jägerschnitzel | Schwein/Kalb (oft unpaniert) | Oft unpaniert, manchmal paniert | Pilzrahmsoße, Spätzle, Nudeln | Serviert mit Pilzrahmsoße |
| Pariser Schnitzel | Kalb/Schwein | Nur Mehl und Ei | Zitronenspalte, Petersilienkartoffeln | Keine Semmelbrösel-Panade |
Beilagen und Serviertipps
Das Schnitzel ist erst komplett mit den passenden Beilagen. Die Klassiker sind:
- Kartoffelsalat: Besonders der süddeutsche oder österreichische Kartoffelsalat mit Essig und Öl ist eine beliebte Kombination.
- Pommes Frites: Eine zeitlose Wahl, besonders bei Kindern beliebt.
- Preiselbeeren: Die süß-herbe Marmelade bildet einen wunderbaren Kontrast zum salzigen, knusprigen Schnitzel.
- Zitronenspalten: Ein Spritzer frischer Zitrone hebt den Geschmack des Schnitzels hervor und macht es leichter.
- Grüner Salat: Ein einfacher, frischer Blattsalat mit einem leichten Dressing sorgt für eine ausgewogene Mahlzeit.
- Bratkartoffeln: Knusprige Bratkartoffeln sind eine weitere beliebte und herzhafte Beilage.
Servieren Sie das Schnitzel immer frisch aus der Pfanne, solange es noch heiß und knusprig ist.
Häufig gestellte Fragen zum Schnitzel
Die Zubereitung des Schnitzels wirft oft Fragen auf. Hier sind einige der häufigsten:
Was ist der Unterschied zwischen einem Wiener Schnitzel und einem Schnitzel „Wiener Art“?
Der entscheidende Unterschied liegt im Fleisch. Ein echtes Wiener Schnitzel muss zwingend aus Kalbfleisch bestehen. Der Begriff ist sogar in der EU geschützt. Ein Schnitzel „Wiener Art“ hingegen wird aus Schweinefleisch (oder seltener aus Geflügel) zubereitet, wobei die Panier- und Brattechnik der des Wiener Schnitzels nachempfunden ist. Beide sind köstlich, aber nur das Kalbsschnitzel darf sich „Wiener Schnitzel“ nennen.
Kann man Schnitzel auch auf dem Grill zubereiten?
Klassische panierte Schnitzel werden traditionell in der Pfanne gebraten, da die Panade im direkten Kontakt mit der Flamme oder Glut verbrennen würde. Wenn Sie jedoch ein Naturschnitzel (also unpaniertes, dünn geklopftes Fleisch) zubereiten möchten, eignet sich der Grill hervorragend. Klopfen Sie das Fleisch dünn, würzen Sie es kräftig und grillen Sie es kurz bei hoher Hitze. Es ist eine leichtere Alternative zum panierten Schnitzel und bietet einen rauchigen Geschmack.
Wie bleibt die Panade knusprig und löst sich nicht ab?
Für eine knusprige und haftende Panade sind mehrere Punkte wichtig: Erstens, das Fleisch vor dem Panieren gut trocken tupfen. Zweitens, die richtige Reihenfolge der Panierstraße (Mehl, Ei, Brösel) einhalten. Drittens, die Semmelbrösel nur locker andrücken, nicht festpressen, damit sich beim Braten die typischen „Soufflage“-Wellen bilden können. Viertens, ausreichend heißes Fett verwenden und das Schnitzel darin schwimmen lassen, um ein gleichmäßiges Garen und eine goldbraune Farbe zu gewährleisten. Zu wenig Fett oder eine zu niedrige Temperatur führen zu einer matschigen Panade.
Kann ich Schnitzel vorbereiten und später braten?
Paniertes Schnitzel sollte idealerweise sofort nach dem Panieren gebraten werden. Lässt man es zu lange liegen, zieht die Feuchtigkeit aus dem Fleisch in die Panade ein, wodurch diese aufweicht und nicht mehr so knusprig wird. Wenn Sie vorbereiten müssen, können Sie das Fleisch klopfen und die Panierstraße vorbereiten. Das Panieren selbst sollte dann kurz vor dem Braten erfolgen. Gebratene Schnitzel lassen sich im Ofen bei niedriger Temperatur kurz warmhalten, verlieren aber etwas an Knusprigkeit.
Welches Fett ist am besten zum Braten von Schnitzel geeignet?
Für das authentische Aroma und die beste Bräunung ist Butterschmalz die erste Wahl. Es hat einen hohen Rauchpunkt und verleiht dem Schnitzel einen feinen, nussigen Geschmack. Alternativ können geschmacksneutrale Pflanzenöle wie Rapsöl, Sonnenblumenöl oder Erdnussöl verwendet werden, die ebenfalls hohe Temperaturen vertragen. Wichtig ist, dass ausreichend Fett in der Pfanne ist, damit das Schnitzel darin „schwimmen“ kann.
Fazit: Ein zeitloser Genuss
Das Schnitzel ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein einfaches Gericht durch sorgfältige Zubereitung und hochwertige Zutaten zu einem unvergesslichen Geschmackserlebnis wird. Es vereint Tradition mit Vielseitigkeit und ist aus der internationalen Küche nicht mehr wegzudenken. Egal ob als klassisches Wiener Schnitzel, als herzhaftes Schweineschnitzel „Wiener Art“ oder in einer der vielen anderen Variationen – das Schnitzel bleibt ein zeitloser Genuss, der auf jedem Teller für Begeisterung sorgt. Probieren Sie es selbst aus und entdecken Sie die Freude am perfekten Schnitzel!
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