01/11/2023
Der Duft von frisch Gegrilltem liegt in der Luft, die Sonne lacht – der Sommer ist die Hochsaison für Grillfeste. Doch immer wieder kommen Fragen auf: Ist Grillen eigentlich gesundheitsschädlich? Gibt es versteckte Gefahren auf dem Rost? Die gute Nachricht vorweg: Grillen ist weitaus weniger problematisch, als es manchmal dargestellt wird. Vielmehr ist es eine Quelle des Genusses und der Geselligkeit. Doch wie bei allem im Leben gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift, und mit ein paar einfachen Tricks lässt sich das Grillvergnügen noch gesünder gestalten.

Ist Grillen wirklich ungesund? Die Faktenlage
Die größte Sorge vieler Grillfans dreht sich um die vermeintliche Krebsgefahr durch dunkel gebratenes oder angekohltes Grillgut. Ernährungswissenschaftler wie Uwe Knop betonen jedoch, dass die Angst vor krebserregenden Stoffen beim Grillen oft übertrieben ist. Krebs ist eine komplexe Erkrankung, die durch das Zusammenspiel vieler individueller Lebensstilfaktoren entsteht und nicht auf einen einzigen Auslöser zurückzuführen ist. Es gibt bis heute keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass der gelegentliche Verzehr von dunkel-krossem Fleisch jemals Krebs verursacht oder gefördert hat.
Die "Gefahr" von dunklem Grillgut
Wenn Fleisch zu stark erhitzt wird, können tatsächlich polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen. Diese Stoffe gelten in hoher Konzentration als potenziell krebserregend. Sie bilden sich vor allem, wenn Fett in die heiße Glut tropft und Rauch aufsteigt, der sich dann auf dem Grillgut absetzt. Ähnlich verhält es sich mit heterozyklischen Aminen (HCA), die bei hohen Temperaturen in eiweißreichen Lebensmitteln entstehen können. Doch wie Knop richtig feststellt: Nur weil diese Substanzen entstehen können, bedeutet das nicht, dass sie in den geringen Mengen, die beim normalen Grillen aufgenommen werden, tatsächlich gesundheitsschädlich sind. Unser Körper verfügt über effektive Entgiftungsmechanismen, die kleine Mengen solcher Stoffe problemlos verarbeiten können.
Die Rolle unseres Geschmacks
Ein interessanter Aspekt ist die Rolle unseres Geschmackssinns als „Gesundheitsindikator“. Wenn Fleisch wirklich zu stark verkohlt oder gar verbrannt ist, schmeckt es einfach nicht mehr. Der Körper lehnt es intuitiv ab, und man wird es wahrscheinlich gar nicht erst essen wollen. Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus. Der Grad der Bräunung und Krossheit ist ansonsten reine Geschmackssache. Wer sein Steak gerne mit einer schönen Kruste isst, kann dies in Maßen und ohne übermäßige Sorge tun. Der Genuss und die Befriedigung, die ein leckeres Grillgericht mit sich bringen, sind ebenfalls wichtige Faktoren für unser Wohlbefinden.
Gesünder grillen: Praktische Tipps und Mythen-Check
Um das Grillvergnügen optimal zu gestalten und potenzielle Risiken zu minimieren, gibt es einige bewährte Praktiken. Es geht nicht darum, auf den Genuss zu verzichten, sondern bewusste Entscheidungen zu treffen.

Die Wahl des Grillguts: Mager statt fettreich
Einer der einfachsten Wege zu gesünderem Grillen ist die bewusste Auswahl des Grillguts. Fettarmes Fleisch wie Hähnchenbrust, Putenfleisch, mageres Rinderfilet oder Hüftsteaks sind eine ausgezeichnete Wahl. Auch Fisch, wie Lachs oder Forelle, eignet sich hervorragend für den Grill und liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Wer nicht auf Würstchen verzichten möchte, kann auf magere Varianten oder Geflügelwürstchen zurückgreifen. Achten Sie beim Kauf auf eine gute Qualität, am besten aus biologischer Haltung. Fertig marinierte Produkte enthalten oft viel Zucker, Salz und unnötige Zusatzstoffe. Besser ist es, Marinaden selbst zuzubereiten, zum Beispiel auf Basis von Joghurt, Kräutern und Gewürzen.
Beilagen und Saucen: Selbstgemacht ist Trumpf
Ein gesundes Grillfest lebt nicht nur vom Fleisch. Die Beilagen spielen eine entscheidende Rolle. Setzen Sie auf eine Vielfalt an Gemüse: Zucchini, Auberginen, Paprika, Maiskolben, Spargel, Pilze oder Süßkartoffeln lassen sich wunderbar grillen und sind reich an Vitaminen und Ballaststoffen. Auch Salate sollten nicht in Mayonnaise ertränkt werden. Leichte Dressings auf Essig-Öl-Basis oder Joghurt-Dressing sind hier die bessere Wahl. Dips und Saucen können ebenfalls einfach selbst gemacht werden. Guacamole, Chutneys oder Dips auf Quark- oder Joghurtbasis sind nicht nur lecker, sondern auch fettärmer und gesünder als viele Fertigprodukte. Selbst Obst wie Ananas, Bananen oder Pfirsiche lässt sich hervorragend grillen und als gesundes Dessert servieren.
Die Grillmethode: Kohle, Gas oder Elektro?
Die Diskussion um den besten Grilltyp ist eine Glaubensfrage unter Grillmeistern. Aus gesundheitlicher Sicht gibt es jedoch Unterschiede, die man kennen sollte:
| Grilltyp | Vorteile (Gesundheit & Handhabung) | Nachteile (Gesundheit & Handhabung) |
|---|---|---|
| Holzkohlegrill | Intensives Raucharoma, traditionelles Grillgefühl. | Höhere PAK-Gefahr durch Fetttropfen in die Glut; weniger präzise Temperaturkontrolle; Rauchentwicklung. |
| Gasgrill | Sehr präzise Temperaturkontrolle; geringere PAK-Gefahr, da kein Fett in offene Flamme tropft; schnelle Einsatzbereitschaft; moderne Modelle mit Rauchkammern für Aroma-Chips. | Weniger "ursprüngliches" Raucharoma (subjektiv); Anschaffungskosten oft höher. |
| Elektrogrill | Geringste PAK-Gefahr; kein Rauch; ideal für Balkon oder Innenräume; einfache Reinigung; schnelle Einsatzbereitschaft. | Kein Raucharoma; oft geringere Leistung; abhängig von Stromanschluss. |
Für Holzkohlegrills empfiehlt es sich, Grillschalen oder Alufolie zu verwenden, um das Abtropfen von Fett in die Glut zu verhindern. Auch indirektes Grillen, bei dem das Grillgut nicht direkt über der Glut liegt, reduziert die Bildung von Schadstoffen.
Vorsicht vor potenziellen Schadstoffen
- Verkohlte Stellen: Verkohlte, schwarze Stellen am Fleisch enthalten die erwähnten PAKs und sollten großzügig abgeschnitten und nicht mitgegessen werden.
- Pökelfleisch: Kassler, Salami oder andere gepökelte Fleischwaren enthalten Nitritpökelsalz. Beim Erhitzen können sich daraus potenziell krebserregende Nitrosamine bilden. Ernährungswissenschaftler Knop beruhigt jedoch: Der gelegentliche Verzehr ist unbedenklich. Es ist kein einziger Fall bekannt, bei dem eine Krebserkrankung auf den Verzehr von gegrilltem Pökelfleisch zurückzuführen gewesen wäre. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift stattdessen zu frischem, unmariniertem Fleisch.
- Alufolie: Alufolie kann beim Grillen eine praktische Hilfe sein, um Grillgut vor direktem Kontakt mit der Flamme zu schützen oder zum Garen von Gemüse. Bei salz- oder säurehaltigen Lebensmitteln (z.B. marinierter Fisch, Tomaten) kann sich Aluminium jedoch lösen und ins Grillgut übergehen. Besser sind hier wiederverwendbare Grillschalen aus Edelstahl oder Keramik.
- Bier ablöschen: Ein absolutes No-Go! Das Ablöschen des Grillguts mit Bier oder anderen Flüssigkeiten kühlt nicht nur das Grillgut und die Glut ab, sondern wirbelt auch Asche auf, die am nassen Fleisch kleben bleibt. Zudem können sich dabei weitere gesundheitsschädliche Stoffe bilden. Das Bier lieber trinken!
Häufig gestellte Fragen rund ums gesunde Grillen
Viele Unsicherheiten begleiten das Thema Grillen. Hier die Antworten auf die gängigsten Fragen:
Kann man Kassler und anderes Pökelfleisch grillen?
Ja, wie bereits erwähnt, ist der gelegentliche Verzehr von gegrilltem Pökelfleisch unbedenklich. Die Warnungen vor Nitrosaminen sind meist übertrieben. Wer es jedoch regelmäßig isst oder Bedenken hat, sollte auf frisches Fleisch ausweichen.

Ist gefrorenes Grillgut sofort bereit?
Nein, das ist keine gute Idee. Tiefgefrorenes Fleisch, Fisch oder Gemüse sollte vor dem Grillen vollständig aufgetaut werden. Sonst besteht die Gefahr, dass das Äußere schon verkohlt ist, während der Kern noch eiskalt oder sogar roh ist. Dies beeinträchtigt nicht nur den Geschmack, sondern kann auch zu einer ungleichmäßigen Garung und im schlimmsten Fall zu Magen-Darm-Problemen führen.
Ist Grillen, Braten oder Schmoren am gesündesten?
Diese „Gretchenfrage“ der Ernährungswissenschaft hat keine eindeutige Antwort. Es gibt keine Wissenschaft, die beweist, dass eine Zubereitungsmethode grundsätzlich gesünder ist als eine andere. Die großen Institutionen der Ernährungswissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind sich einig: Es gibt keine „gesunden“ oder „ungesunden“ Lebensmittel an sich. Es kommt immer auf die Gesamternährung und die Menge an. Ob Sie grillen, braten oder schmoren, hängt von Ihren Vorlieben und dem jeweiligen Lebensmittel ab. Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung insgesamt.
Gibt es Lebensmittel, die absolut nicht gegrillt werden dürfen?
Grundsätzlich gibt es keine Lebensmittel, für die es eine „Grillwarnung“ gibt. Alles, was Ihnen schmeckt und sich auf dem Grill zubereiten lässt, kann gegrillt werden. Dies gilt auch und gerade für Vegetarier und Veganer. Tofu, vegane Würstchen, Seitan-Steaks oder eine bunte Mischung aus Gemüse und Obst bieten unzählige Möglichkeiten für ein köstliches und nachhaltiges Grillvergnügen. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf!
Was tun gegen trockene oder angebrannte Stellen?
Um trockene Stellen zu vermeiden, kann man das Grillgut während des Grillens immer wieder mit Marinade oder etwas Öl bepinseln. Achten Sie darauf, dass die Marinade keine zuckerhaltigen Bestandteile enthält, da Zucker schnell verbrennt. Gegen Anbrennen hilft eine moderate Hitze und regelmäßiges Wenden. Bei Holzkohlegrills kann man das Grillgut auch in den indirekten Bereich legen, wo es langsamer und schonender gart.
Fazit: Genuss ohne Reue
Grillen ist und bleibt ein wunderbares Sommervergnügen. Die meisten der verbreiteten „Gefahren“ sind bei normalem, maßvollem Verzehr unbegründet oder lassen sich mit einfachen Vorkehrungen minimieren. Es geht nicht darum, sich beim Grillen zu kasteien, sondern mit Bedacht und Freude zu genießen. Wählen Sie frische, hochwertige Zutaten, setzen Sie auf eine bunte Mischung aus Fleisch und viel Gemüse, bereiten Sie Saucen und Marinaden selbst zu und achten Sie auf eine schonende Zubereitung. So steht einem entspannten und leckeren Grillabend nichts im Wege, und Sie können Ihr gegrilltes Fleisch mit echtem Hunger und allen Sinnen genießen – denn das liefert gesunde Gefühle der Befriedigung.
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