07/05/2024
Der moderne Grill ist weit mehr als nur eine einfache Garmöglichkeit für Würstchen und Steaks. Während viele Grillmeister noch immer primär an das scharfe Anbraten von Fleisch denken, birgt der Grill von heute ein unglaubliches Potenzial, das dem eines Backofens in nichts nachsteht. Ja, Sie haben richtig gehört: Backen auf dem Grill ist nicht nur möglich, sondern eröffnet Ihnen eine völlig neue Welt kulinarischer Genüsse. Von knusprigem Brot über herzhafte Pizzen und Flammkuchen bis hin zu zarten Kuchen und sogar ganzen Festtagsbraten – Ihr Grill kann all das. Das Geheimnis dahinter ist das Prinzip des indirekten Grillens, eine Methode, die eine gleichmäßige Hitzeverteilung und Zirkulation ermöglicht, ähnlich wie in einem Umluftofen.

- Indirektes Grillen: Das Geheimnis des Backens im Freien
- Grundregeln für erfolgreiches Backen auf dem Grill
- Vielfältige Backwaren vom Grill: Eine kulinarische Entdeckungsreise
- Süße Verführungen: Kuchen vom Grill
- Vergleichstabelle: Grill-Backwaren im Überblick
- Häufig gestellte Fragen zum Backen auf dem Grill
- Kann ich wirklich jeden Kuchen auf dem Grill backen?
- Welche Temperatur benötige ich zum Backen auf dem Grill?
- Muss ich meinen Grill speziell vorbereiten, bevor ich backe?
- Wie verhindere ich, dass mein Backgut anbrennt oder austrocknet?
- Brauche ich spezielle Backformen für den Grill?
- Kann ich auf einem Kugelgrill backen?
- Was ist der Vorteil des Backens auf dem Grill gegenüber dem Backofen?
Indirektes Grillen: Das Geheimnis des Backens im Freien
Das indirekte Grillen ist die Grundvoraussetzung, um Ihren Grill in einen vollwertigen Backofen zu verwandeln. Im Gegensatz zum direkten Grillen, bei dem das Grillgut direkt über der Hitzequelle liegt, wird beim indirekten Grillen die Hitze so verteilt, dass das Gargut von allen Seiten gleichmäßig und schonend gegart wird. Dies wird durch die entstehende Heißluftzirkulation ermöglicht, die nur in einem geschlossenen System – also mit einem Deckel – entstehen kann. Ein Grill ohne Deckel ist für das Backen ungeeignet, da die notwendige Zirkulation und das Halten einer konstanten Temperatur nicht gewährleistet sind.
So funktioniert die Einrichtung für indirektes Grillen:
- Beim Gasgrill: Heizen Sie den Grill wie gewohnt an. Sobald die gewünschte Temperatur erreicht ist, schalten Sie den mittleren Brenner (oder die Brenner direkt unter dem Bereich, wo das Grillgut liegen soll) einfach herunter oder ganz aus. Die seitlichen Brenner bleiben an und erzeugen die notwendige Hitze, die im geschlossenen System zirkuliert.
- Beim Holzkohlegrill: Nach dem Anheizen der Kohlen ziehen Sie die glühende Glut zu den Seiten des Grills. Die Mitte des Rostes bleibt frei von direkter Hitze. Hier entsteht der Bereich für das indirekte Garen.
In beiden Fällen legen Sie das zu backende Gut in die Mitte des Rostes. Die aufsteigende heiße Luft an den Seiten oder von den seitlichen Brennern wird durch den Deckel geleitet und zirkuliert um das Grillgut herum, wodurch es gleichmäßig wie im Backofen gart. Diese Methode ist nicht nur für Backwaren ideal, sondern auch für empfindliches Grillgut oder große Fleischstücke, die eine längere Garzeit benötigen und auf direktes, scharfes Anbraten empfindlich reagieren würden. Denken Sie an ganze Hähnchen, Enten, Gänse oder große Bratenstücke vom Rind oder Schwein. Sogar die traditionelle Weihnachtsgans findet heute ihren Weg immer häufiger auf den Grill, statt in den Küchenbackofen.
Grundregeln für erfolgreiches Backen auf dem Grill
Damit Ihr Backerfolg auf dem Grill garantiert ist, sollten Sie einige grundlegende Regeln beachten. Diese sorgen nicht nur für optimale Ergebnisse, sondern auch für eine saubere und sichere Handhabung:
- Der geschlossene Garraum: Wie bereits erwähnt, ist ein Grill mit Deckel absolut unerlässlich. Doch nicht nur das Vorhandensein des Deckels ist wichtig, sondern auch dessen korrekte Nutzung. Vermeiden Sie es, den Deckel während des Backvorgangs ständig zu öffnen. Jedes Öffnen führt zu einem unnötigen Hitzeverlust, der die Garzeit erheblich verlängert und das Ergebnis beeinträchtigen kann. Geduld ist hier der Schlüssel!
- Die Auffangschale: Platzieren Sie unbedingt eine hitzebeständige Schale direkt unter dem Grillrost im indirekten Bereich. Diese Schale fängt herabtropfendes Fett, Bratensaft oder überschüssige Flüssigkeit auf. Das verhindert nicht nur unschöne Verschmutzungen und mögliche Fettbrände, sondern hält auch den Grill sauber. Für längere Garzeiten, insbesondere bei fettreichen Speisen, empfiehlt es sich, etwas Wasser in die Auffangschale zu geben. Dies verhindert ein Anbrennen des aufgefangenen Fettes und sorgt für eine feuchtere Garumgebung, die das Austrocknen des Grillguts minimiert.
- Die Temperaturkontrolle: Ein integriertes Thermometer im Deckel ist von großem Vorteil, um die Innentemperatur des Grills zu überwachen. Für die meisten Backwaren sind mittlere bis hohe Temperaturen erforderlich, die aber konstant gehalten werden sollten. Bei einem Holzkohlegrill können Sie die Temperatur durch die Menge der Kohlen und die Einstellung der Lüftungsschieber regulieren. Bei einem Gasgrill ist dies durch die Brennersteuerung einfacher.
Vielfältige Backwaren vom Grill: Eine kulinarische Entdeckungsreise
Die Möglichkeiten, was Sie auf dem Grill backen können, sind nahezu grenzenlos. Neben den bereits erwähnten Fleischgerichten können Sie eine beeindruckende Vielfalt an Backwaren zubereiten, die Ihre Gäste überraschen und begeistern werden.
Brot, Pizza und Flammkuchen: Knusprige Genüsse
Für Brot, Pizza und Flammkuchen ist das Backen auf dem Grill ideal. Der Grill verleiht diesen Gerichten oft eine einzigartige Rauchnote und eine unvergleichliche Knusprigkeit, die im Backofen nur schwer zu erreichen ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt hierbei in der Gleichmäßigkeit der Hitze. Um ein Anbrennen außen und ein Rohbleiben innen zu verhindern, ist eine mittlere, konstante indirekte Hitze unerlässlich. Zu viel Hitze lässt die Kruste verbrennen, während zu wenig Hitze sie weich und labberig werden lässt.
Ein unverzichtbares Hilfsmittel für diese Art von Backwaren ist der Pizzastein oder Grillstein. Diese runden oder rechteckigen Steine werden auf den Grillrost gelegt und speichern die Hitze hervorragend, um sie dann gleichmäßig an den Teig abzugeben. Sie simulieren den Effekt eines Steinofens und sorgen für eine perfekt knusprige Kruste bei Brot, Pizza und Flammkuchen. Legen Sie den Stein auf den Rost, während der Grill aufheizt, damit er die gewünschte Temperatur erreicht, bevor der Teig darauf platziert wird.
Süße Verführungen: Kuchen vom Grill
Einen Kuchen auf dem Grill zu backen, mag im ersten Moment ungewöhnlich klingen, aber es funktioniert hervorragend und ist eine spannende Abwechslung. Alles, was Sie dazu benötigen, ist ein Grill mit Abdeckung – egal ob Kohle-, Gas- oder Elektrogrill, selbst ein Dutch Oven eignet sich hervorragend dafür. Das Prinzip bleibt das gleiche: indirektes Grillen, um eine Umlufthitze zu erzeugen.
Die Backzeit kann je nach Grillart und genauer Temperatur variieren. Eine zuverlässige Methode zur Überprüfung des Garzustands ist die sogenannte Stäbchenprobe. Stechen Sie dazu einfach ein Holzstäbchen in die Mitte des Kuchens. Bleibt Teig am Stäbchen kleben, ist der Kuchen noch nicht fertig und benötigt weitere Backzeit. Kommt das Stäbchen sauber heraus, ist Ihr Kuchen perfekt gebacken.

Rezepte für den süßen Grillgenuss:
Einfacher Schoko-Rührkuchen vom Grill
Für den ersten Versuch auf dem Grill eignet sich ein leichter Rührkuchen hervorragend. Hier ein einfaches, aber köstliches Rezept:
Zutaten: 2 Tassen Mehl, 2 Tassen Kakao (kein Instantkakaopulver, sonst wird der Kuchen zu süß), 2 Tassen Zucker, 1 Tasse Pflanzenöl, 1 Tasse Milch, 1 Päckchen Backpulver, 1 Päckchen Vanillezucker, 5 Eier.
Zubereitung: Alle Zutaten in einer großen Schüssel gut miteinander vermischen, bis ein glatter Teig entsteht. Geben Sie den Teig in eine geeignete Kuchenform (eine Springform oder eine ofenfeste Auflaufform). Heizen Sie Ihren Grill für das indirekte Backen vor. Sobald die gewünschte Temperatur erreicht ist (ca. 160-180°C), stellen Sie die Kuchenform in den indirekten Bereich des Grills. Je nach Grillart und exakter Temperatur sollte der Kuchen nun 45-60 Minuten backen. Führen Sie die Stäbchenprobe durch, um sicherzustellen, dass er durchgebacken ist.
Käsekuchen vom Grill: Für Fortgeschrittene
Der Käsekuchen vom Grill ist etwas aufwendiger, aber das Ergebnis ist die Mühe wert. Ein cremiger Genuss mit dem besonderen Aroma vom Grill.
Zutaten: Für den Boden: 200 g Butterkekse, 120 g Butter. Für die Füllung: 500 g Quark (40 % Fettstufe), 500 g Mascarpone, 160 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 3 Eier.
Zubereitung: Beginnen Sie mit dem Boden. Zerdrücken Sie die Butterkekse in einem Gefrierbeutel oder mit einem Mixer, bis sie fein krümelig sind. Schmelzen Sie die Butter und vermischen Sie diese mit den Keksbröseln. Drücken Sie die Masse fest in den Boden einer Springform. Heizen Sie den Grill auf 180°C für indirektes Grillen vor. Sobald die Temperatur erreicht ist, stellen Sie die Springform mit dem Keksboden für etwa 5-8 Minuten in den indirekten Bereich des Grills. Danach den Boden herausnehmen und vollständig abkühlen lassen, damit er fest wird.
Während der Boden abkühlt, bereiten Sie die Käsekuchenmasse zu. Vermischen Sie Mascarpone, Quark, Eier, normalen Zucker und Vanillezucker in einer Schüssel zu einer gleichmäßigen, cremigen Masse. Gießen Sie diese Masse auf den abgekühlten, festen Keksboden in der Springform. Für das finale Backen reduzieren Sie die Grilltemperatur auf etwa 160°C, um ein zu schnelles Verbrennen des Kuchens zu vermeiden. Stellen Sie den Käsekuchen wieder in den indirekten Bereich des Grills und backen Sie ihn für etwa 35 Minuten. Auch hier ist die Holzstäbchenmethode entscheidend für die Überprüfung des Garpunktes. Ist der Käsekuchen fertig, lassen Sie ihn vollständig auskühlen, bevor Sie ihn anschneiden und genießen. Auch wenn die Versuchung groß ist, ein warmes Stück zu probieren, ist das Risiko von Magenschmerzen bei Käsekuchen leider erhöht, wenn er noch nicht komplett durchgekühlt ist.
Vergleichstabelle: Grill-Backwaren im Überblick
Um Ihnen eine bessere Vorstellung von den Möglichkeiten zu geben, finden Sie hier eine kleine Übersicht über beliebte Backwaren vom Grill:
| Backware | Grill-Vorteil | Besondere Hinweise |
|---|---|---|
| Brot / Fladenbrot | Knusprige Kruste, leicht rauchiges Aroma | Unbedingt Pizzastein verwenden; mittlere, konstante indirekte Hitze |
| Pizza | Authentischer Geschmack wie aus dem Steinofen | Pizzastein erforderlich; hohe indirekte Hitze |
| Rührkuchen | Gleichmäßiges Garen, saftiges Ergebnis | Kuchenform verwenden; mittlere indirekte Hitze (160-180°C); Stäbchenprobe |
| Käsekuchen | Cremige Konsistenz mit leichtem Raucharoma | Springform; zweimaliges Backen; niedrigere indirekte Hitze (160°C) |
| Ganze Braten | Schonendes, langsames Garen; zartes Fleisch | Auffangschale mit Wasser; niedrige bis mittlere indirekte Hitze; Kerntemperaturmessung |
Häufig gestellte Fragen zum Backen auf dem Grill
Kann ich wirklich jeden Kuchen auf dem Grill backen?
Im Prinzip ja, solange Sie das Prinzip des indirekten Grillens und die Verwendung einer geeigneten Backform beachten. Rührkuchen, Käsekuchen, aber auch Blechkuchen oder sogar Hefezöpfe sind gut geeignet. Flüssige oder sehr empfindliche Teige erfordern möglicherweise etwas mehr Erfahrung und Sorgfalt.

Welche Temperatur benötige ich zum Backen auf dem Grill?
Die meisten Backwaren benötigen Temperaturen zwischen 160°C und 200°C. Kuchen und Braten garen oft bei niedrigeren Temperaturen (160-180°C) über längere Zeit, während Pizza und Brot höhere Temperaturen (bis zu 200°C oder mehr) für eine knusprige Kruste benötigen. Achten Sie auf die Rezeptangaben und nutzen Sie ein Grillthermometer.
Muss ich meinen Grill speziell vorbereiten, bevor ich backe?
Ja, die wichtigste Vorbereitung ist die Einrichtung für indirektes Grillen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Grill über einen Deckel verfügt. Reinigen Sie den Grillrost gründlich, bevor Sie die Backform oder den Pizzastein daraufstellen. Eine Auffangschale unter dem Grillgut ist ebenfalls empfehlenswert.
Wie verhindere ich, dass mein Backgut anbrennt oder austrocknet?
Die Verwendung von indirekter Hitze ist der erste Schritt. Eine hitzebeständige Auffangschale mit etwas Wasser darunter hilft, das Austrocknen zu verhindern und sorgt für eine feuchtere Garumgebung. Vermeiden Sie außerdem, den Deckel unnötig oft zu öffnen, da dies die Temperatur schwankt und das Backgut schneller austrocknen kann.
Brauche ich spezielle Backformen für den Grill?
Nein, in der Regel können Sie Ihre normalen ofenfesten Backformen verwenden, sofern sie die Hitze des Grills aushalten. Metall-, Keramik- oder Gusseisenformen sind gut geeignet. Silikonformen könnten bei sehr hohen Temperaturen leiden, sind aber für Kuchen meist unproblematisch.
Kann ich auf einem Kugelgrill backen?
Ja, Kugelgrills eignen sich hervorragend zum Backen, da sie durch ihre Form eine sehr gute Hitzeverteilung und Zirkulation ermöglichen, wenn der Deckel geschlossen ist. Die Kohlen werden einfach an die Seiten geschoben und das Backgut in die Mitte gestellt.
Was ist der Vorteil des Backens auf dem Grill gegenüber dem Backofen?
Der Hauptvorteil ist das einzigartige Aroma, das der Grill dem Backgut verleihen kann, insbesondere wenn Sie mit Holzkohle oder Holzchips arbeiten. Außerdem sparen Sie im Sommer die Nutzung des Backofens und halten die Küche kühl. Es ist auch eine tolle Möglichkeit, die Vielseitigkeit Ihres Grills voll auszuschöpfen und Ihre Gäste zu beeindrucken.
Das Backen auf dem Grill ist eine wunderbare Erweiterung Ihrer Grillfähigkeiten und eröffnet Ihnen unzählige neue kulinarische Möglichkeiten. Es erfordert ein wenig Übung und das Verständnis der indirekten Grillmethode, aber die Ergebnisse sind es absolut wert. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und entdecken Sie, wie vielseitig Ihr Grill wirklich sein kann. Verwöhnen Sie sich und Ihre Lieben mit knusprigem Brot, saftigen Kuchen oder einem perfekt gegarten Braten – alles direkt vom Grillrost!
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Backen auf dem Grill: Mehr als nur Fleisch kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Grillen besuchen.
