Was passiert wenn man Auberginen in Scheiben schneidet?

Auberginen: Salzen – Notwendigkeit oder Mythos?

14/02/2023

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Manchmal tauchen Fragen in der Küche auf, die Generationen von Köchen beschäftigt haben. Eine davon betrifft die Aubergine, diese vielseitige und oft missverstandene Frucht, die botanisch gesehen zu den Beeren gehört, kulinarisch jedoch als Gemüse behandelt wird. Insbesondere die Frage, ob man Auberginen vor der Zubereitung unbedingt salzen muss, hält sich hartnäckig in Kochbüchern und Rezepten. Was steckt hinter diesem scheinbar einfachen Schritt, und ist er in der modernen Küche noch relevant? Lassen Sie uns eintauchen in die Welt der Auberginen und die Geheimnisse ihrer perfekten Zubereitung lüften.

Wie gefährlich sind Auberginen?

Der Mythos vom bitteren Geschmack: Solanin verstehen

Auberginen gehören zur Familie der Nachtschattengewächse, genau wie Kartoffeln, Tomaten und Paprika. Diese Pflanzen enthalten natürlicherweise eine chemische Verbindung namens Solanin. Solanin ist ein Glykoalkaloid, das in höheren Konzentrationen tatsächlich leicht giftig sein kann und Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auslösen kann. Früher, als Auberginensorten noch nicht so hochgezüchtet waren wie heute, enthielten sie oft höhere Mengen dieses Bitterstoffs, insbesondere wenn sie unreif waren. Dies führte dazu, dass Auberginen einen unangenehm bitteren Geschmack entwickeln konnten, der das Gericht ungenießbar machte. Das Salzen galt als die bewährte Methode, um diesem Problem entgegenzuwirken. Man hoffte, durch das Salzen nicht nur Wasser, sondern auch die Bitterstoffe aus der Frucht zu ziehen.

Warum salzen? Die traditionelle Methode und ihre Wirkung

Die traditionelle Methode des Auberginensalzens ist recht einfach: Man schneidet die Aubergine in Scheiben, Würfel oder Spalten, bestreut sie großzügig mit Salz – oft grobem Meersalz – und lässt sie für eine bestimmte Zeit, meist 30 Minuten bis zu einer Stunde, ruhen. Während dieser Zeit entzieht das Salz der Aubergine durch Osmose Wasser. Dieses Wasser tritt an die Oberfläche und nimmt dabei einen Teil der unerwünschten Bitterstoffe mit sich. Unter den Auberginenscheiben sammelt sich eine bräunliche, oft schaumige Flüssigkeit, die ein deutliches Zeichen dafür ist, dass der Prozess erfolgreich war. Nach der Ruhezeit werden die Auberginenstücke gründlich unter fließendem Wasser abgespült, um überschüssiges Salz zu entfernen, und anschließend sorgfältig trockengetupft. Das Abtupfen ist dabei genauso wichtig wie das Salzen selbst, denn nasse Auberginen würden später beim Braten oder Grillen spritzen und nicht die gewünschte Bräunung erreichen.

Moderne Züchtungen: Weniger Bitterstoffe, neue Regeln

Ein entscheidender Punkt, der die Notwendigkeit des Auberginensalzens heute in Frage stellt, sind die Fortschritte in der Landwirtschaft. Moderne Auberginenzüchtungen sind darauf ausgelegt, von Natur aus weniger Solanin und damit weniger Bitterstoffe zu enthalten. Viele der heute im Handel erhältlichen Sorten sind so mild, dass ein Einsalzen zur Geschmacksverbesserung schlichtweg überflüssig ist. Auch der Reifegrad spielt eine Rolle: Voll ausgereifte Früchte enthalten generell weniger Solanin als unreife Exemplare. Dies hat dazu geführt, dass der Hinweis, Auberginen unbedingt salzen zu müssen, in vielen modernen Rezepten als überholt gilt. Für eine schnelle Gemüsepfanne oder einen Auflauf können Sie die Aubergine in der Regel direkt verarbeiten, ohne diesen zusätzlichen Schritt.

Wie gefährlich sind Auberginen?

Wann Salzen doch sinnvoll ist: Mehr als nur Bitterkeit

Obwohl das Entfernen von Bitterstoffen bei modernen Auberginen oft nicht mehr der Hauptgrund für das Salzen ist, gibt es dennoch Situationen, in denen dieser Schritt sehr vorteilhaft sein kann. Das Salzen entzieht der Aubergine nicht nur Wasser, sondern verändert auch ihre Textur. Das Fruchtfleisch wird weicher und kompakter, was besonders bei Gerichten gewünscht ist, bei denen die Aubergine die Hauptrolle spielt oder eine bestimmte Konsistenz erreichen soll. Hier sind die Hauptgründe, warum das Salzen immer noch eine Überlegung wert ist:

  • Texturverbesserung: Das Einsalzen macht das Fruchtfleisch der Aubergine weniger schwammig und zarter. Dies ist besonders vorteilhaft für Gerichte wie Antipasti, Auberginen-Parmigiana oder Moussaka, wo eine cremige und weiche Konsistenz gewünscht ist. Die Aubergine behält nach dem Salzen ihre Form besser und zerfällt nicht so leicht.
  • Reduzierte Ölaufnahme: Auberginen sind bekannt dafür, wie kleine Schwämme Öl aufzusaugen, was sie oft sehr fettig machen kann. Durch das Entziehen von Wasser vor dem Braten oder Frittieren wird die Zellstruktur der Aubergine verändert. Sie nimmt dann deutlich weniger Öl auf, was das Gericht leichter und gesünder macht und auch den Geschmack der Aubergine besser zur Geltung bringt.
  • Weniger Spritzen: Wasser und heißes Öl sind keine guten Freunde. Wenn Auberginen mit viel Feuchtigkeit in heißes Öl gegeben werden, spritzt es stark. Das Entwässern durch Salzen reduziert diesen Effekt erheblich und macht das Kochen sicherer und sauberer.

Es ist also eine Frage des Gerichts und des gewünschten Ergebnisses. Wenn Sie eine Aubergine für eine knusprige Beilage grillen oder braten möchten, die nicht zu viel Fett enthalten soll, oder wenn Sie eine besonders zarte Konsistenz wünschen, dann ist das Salzen immer noch ein wertvoller Tipp.

Reife erkennen: Der Schlüssel zum Genuss

Unabhängig davon, ob Sie sich für das Salzen entscheiden oder nicht, ist die Auswahl einer reifen Aubergine entscheidend für den Geschmack und die Qualität Ihres Gerichts. Reife Auberginen enthalten von Natur aus weniger Solanin und sind daher weniger bitter. So erkennen Sie eine reife Aubergine:

  • Farbe und Glanz: Eine reife Aubergine sollte eine tiefe, glänzende Farbe haben (je nach Sorte lila, schwarz, weiß oder gestreift). Ein matter oder fleckiger Glanz kann auf Überreife oder Mängel hindeuten.
  • Festigkeit: Drücken Sie leicht auf die Schale. Sie sollte leicht nachgeben, aber nicht matschig sein oder dauerhaft eine Delle behalten. Eine zu harte Aubergine ist wahrscheinlich unreif.
  • Stielansatz: Der Stielansatz sollte grün und frisch aussehen, nicht trocken oder braun.
  • Gewicht: Eine reife Aubergine fühlt sich schwerer an, als sie aussieht, was auf einen hohen Wassergehalt hinweist (bevor Sie sie salzen, natürlich!).
  • Fruchtfleisch (wenn geschnitten): Das Innere sollte weiß oder leicht cremefarben sein und eine leicht wattige Textur haben. Grüne Verfärbungen im Fruchtfleisch können auf Unreife hindeuten.

Wenn Sie eine reife Aubergine wählen, minimieren Sie das Risiko von Bitterkeit von vornherein und können sich oft den Schritt des Einsalzens sparen, es sei denn, Sie möchten die Textur und Ölaufnahme beeinflussen.

Salzen vs. Nicht Salzen: Eine Entscheidungshilfe

Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, wann das Salzen Ihrer Auberginen sinnvoll ist, haben wir eine kleine Übersicht erstellt:

AspektAuberginen salzen (Empfohlen für)Auberginen nicht salzen (Empfohlen für)
ZielEntfernung von Bitterstoffen (traditionell), weichere Textur, geringere Ölaufnahme, weniger SpritzenZeit sparen, schnelle Zubereitung, Erhaltung des ursprünglichen Geschmacks
GerichteAntipasti, Auberginen-Parmigiana, Moussaka, frittierte Auberginen, gerillte Scheiben als HauptkomponenteGemüsepfannen, Currys, Aufläufe, Eintöpfe, wo die Aubergine eine Nebenrolle spielt
Spezifische VorteileCremigere Konsistenz, weniger Fett im Endprodukt, bessere Formstabilität beim KochenSchnelle und unkomplizierte Zubereitung, ideal für den Alltag
ZeitaufwandZusätzliche 30-60 Minuten Ruhezeit plus Abspülen und TrockentupfenKein zusätzlicher Zeitaufwand
Auberginen-TypAlle Auberginen, insbesondere wenn Sie unsicher sind oder traditionelle Sorten verwendenModerne, reife Auberginen, die von Natur aus wenig Bitterstoffe haben

Häufig gestellte Fragen zu Auberginen und ihrem Salzen

Sind Auberginen roh gefährlich?
Rohe Auberginen enthalten Solanin, das in größeren Mengen Magen-Darm-Beschwerden verursachen kann. Obwohl die Mengen in modernen Züchtungen gering sind, wird der Verzehr großer Mengen roher Auberginen nicht empfohlen. Durch Kochen, Braten oder Grillen werden die Solaninwerte stark reduziert, was sie sicher für den Verzehr macht.

Muss ich Auberginen vor dem Braten immer salzen?
Nein, nicht unbedingt. Bei modernen, reifen Auberginen ist das Salzen zur Entfernung von Bitterstoffen oft nicht mehr notwendig. Es ist jedoch sinnvoll, wenn Sie eine weichere Textur wünschen, die Ölaufnahme reduzieren oder das Spritzen beim Braten minimieren möchten. Es hängt also vom Gericht und Ihren persönlichen Vorlieben ab.

Was passt gut zu gebackenen Auberginen?
Gebackene Auberginen schmecken wunderbar und passen gut zu Salaten aus frischen Gurken oder Tomaten, Fladenbrot und Tsatsiki oder einer Zitronen-Dill-Creme. Im vorgeheizten Backofen die Auberginen bei 180°C Umluft ca. 20 bis 30 Minuten backen.

Was passiert, wenn ich Auberginen nicht salze?
Wenn Sie Auberginen nicht salzen, bleiben sie fester und können, je nach Sorte und Reifegrad, einen leicht bitteren Nachgeschmack haben. Sie neigen auch dazu, beim Braten oder Frittieren mehr Öl aufzusaugen und stärker zu spritzen. Für viele Gerichte ist dies jedoch kein Problem, und der Unterschied ist oft kaum spürbar, besonders bei jungen, frischen Auberginen.

Wie vermeide ich, dass Auberginen zu viel Öl aufsaugen, wenn ich sie nicht salzen möchte?
Eine gute Möglichkeit ist, die Auberginen nicht zu lange zu braten und sie bei hoher Hitze schnell zu garen, damit sie eine Kruste bilden, bevor sie zu viel Öl aufsaugen können. Sie können auch eine Antihaftpfanne verwenden oder die Auberginen vor dem Braten leicht mit Öl bepinseln, anstatt viel Öl in die Pfanne zu geben. Auch das Grillen ist eine hervorragende fettarme Alternative.

Kann ich Auberginen auch in der Pfanne salzen, anstatt sie vorher zu behandeln?
Nein, das Salzen in der Pfanne hat nicht den gleichen Effekt. Das Einsalzen vor der Zubereitung dient dazu, Wasser und Bitterstoffe zu entziehen und die Zellstruktur zu verändern. Salz, das erst in der Pfanne hinzugefügt wird, dient lediglich der Würzung und kann die Textur oder Ölaufnahme nicht mehr beeinflussen. Es ist wichtig, das Salz vor dem Kochprozess einwirken zu lassen und anschließend wieder abzuwaschen.

Fazit: Eine Frage der Wahl und des Geschmacks

Die Frage, ob man Auberginen salzen muss, hat keine pauschale Antwort. Sie ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Kochtraditionen mit der Zeit und durch neue Entwicklungen anpassen. Während es früher eine Notwendigkeit war, um Bitterkeit zu vermeiden, ist es heute oft eine bewusste Entscheidung, die von der gewünschten Textur, dem Gericht und der persönlichen Vorliebe abhängt. Moderne Auberginensorten sind so gezüchtet, dass sie nur noch minimale Bitterstoffe enthalten, sodass Sie sie oft direkt verarbeiten können. Doch für bestimmte Anwendungen, insbesondere wenn Sie eine zarte, nicht-ölige Konsistenz wünschen, bleibt das Salzen eine äußerst nützliche Technik. Experimentieren Sie selbst in Ihrer Küche und finden Sie heraus, welche Methode für Ihre Lieblings-Auberginengerichte die beste ist. Guten Appetit!

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