Was wird bei einem Asado normalerweise gegrillt?

Asado: Argentinisches Grillen wie die Gauchos

17/11/2023

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Haben Sie die Nase voll von den üblichen Verdächtigen auf Ihrem Grill? Suchen Sie nach einer Möglichkeit, Ihr nächstes Grillfest in ein wirklich außergewöhnliches Ereignis zu verwandeln? Dann lassen Sie sich von der jahrhundertealten Tradition der argentinischen Gauchos inspirieren und wagen Sie sich an ein echtes Asado. Dies ist weit mehr als nur einfaches Grillen; es ist eine Zeremonie, ein Festmahl und ein tief verwurzeltes Kulturgut, das butterzartes Fleisch über offenem Holzfeuer über Stunden hinweg gart. Es mag anfangs eine Herausforderung sein, die richtige Technik zu meistern, doch das einzigartige Geschmackserlebnis, die besondere Atmosphäre und die Wertschätzung der argentinischen Cowboys werden Ihnen zeigen, dass sich der Aufwand lohnt. Bevor Sie sich in dieses Abenteuer stürzen, ist es ratsam, sich umfassend zu informieren und die Philosophie hinter dem Gaucho-Grillen zu verstehen.

Was wird bei einem Asado normalerweise gegrillt?
Für uns recht zart besaitete Deutsche ist ein Asado eine neue Erfahrung – schließlich hängt bei Argentiniern nicht selten ein ganzes Schwein oder Lamm mit dem Kopf nach unten im Feuer. Außerdem grillen die Gauchos mit Holz statt mit Kohle.
Inhaltsverzeichnis

Was ist Asado überhaupt? Ein Fest für die Sinne

Der Begriff „Rindfleisch aus Argentinien“ ist bereits für sich genommen ein unübertroffenes Qualitätsmerkmal. Die hohe Exportrate des südamerikanischen Landes spricht Bände über seine ausgeprägte Fleisch- und Grillkultur. Doch es ist die spezielle Zubereitungsmethode, die sich hinter dem Wort „Asado“ verbirgt, die es so besonders macht. Während Asado generell eine gegrillte Speise bezeichnet, gleicht es in Argentinien einer umfassenden Festmahlzeit. Charakteristisch ist dabei die Zubereitung ganzer Fleischstücke oder sogar ganzer Tiere, oft noch mit Haut, die auf speziellen, kreuzförmigen Spießen vertikal um ein offenes Feuer platziert werden. Im Gegensatz zu unserem gewohnten Grillen, bei dem Holzkohle zum Einsatz kommt, grillen die Gauchos traditionell mit Holz. Der „Asador“, der Meister des Grills, ist die zentrale Figur. Er überwacht das Feuer, entscheidet, wann die Kohle perfekt durchgeglüht ist, und legt das Fleisch dann präzise auf den Rost oder die Spieße. Für uns Europäer, die an kleinere Portionen und schnellere Zubereitungszeiten gewohnt sind, ist ein Asado eine völlig neue Erfahrung – nicht selten hängt bei Argentiniern ein ganzes Schwein oder Lamm kopfüber im Feuer, um langsam und schonend zu garen.

Das Asado verkörpert bewusstes, traditionelles „Slow Food“ und bildet einen echten Kontrast zur schnellen Bratwurst. Da die Argentinier bevorzugt große, ganze Fleischstücke zubereiten, die oft weit über 60 Minuten auf dem Grill verbringen, gleicht ein Asado dem regelrechten Zelebrieren der Esskultur. Es ist ein familiärer Gegenpol zur Fast-Food-Kultur, die auch vor Südamerika nicht Halt macht. Eine weitere Besonderheit ist der Verzicht auf Saucen und Marinaden. Die Gauchos genießen den puren Fleischgeschmack und würzen lediglich mit etwas Salz. Dies geschieht aus Überzeugung, denn ein verfälschter Geschmack würde von der herausragenden Qualität des Fleisches ablenken. Das Asado hat eine lange Tradition, die ihren Ursprung in der abendlichen Schlachtung von Vieh hat, das dann langsam am Feuer gegart wurde. Damals hatten die Gauchos lediglich lange Holzstöcke, die sie neben dem Feuer platzieren konnten, nicht darüber. Die heutigen Asado-Kreuze sind meist aus Metall gefertigt und werden oft in Eigenregie hergestellt, um die optimale Positionierung des Fleisches zu gewährleisten.

Das Herzstück: Argentinisches Rindfleisch und die Wahl des Holzes

Die Qualität des Fleisches ist beim Asado von entscheidender Bedeutung. Argentinisches Rindfleisch ist weltweit bekannt für seine Zartheit und seinen intensiven Geschmack, der auf die extensiven Weideflächen und die natürliche Aufzucht der Tiere zurückzuführen ist. Es sind nicht nur einzelne Steaks, die hier auf den Rost kommen, sondern oft ganze Teilstücke wie Rippenbögen (Asado de Tira), ganze Lammkeulen oder eben ein ganzes Spanferkel. Die Größe der Fleischstücke erfordert die lange Garzeit und die spezielle Zubereitungsmethode. Die Wahl des Holzes ist ebenfalls ein kritischer Faktor. Verwendet wird ausschließlich gut durchgetrocknetes Hartholz, dessen Scheite nicht zu dünn sein sollten. Hartholz brennt länger und erzeugt eine konstante, gleichmäßige Glut, die für das langsame Garen unerlässlich ist. Die Art des Holzes kann auch subtile Geschmacksnuancen an das Fleisch abgeben, was das Geschmackserlebnis zusätzlich bereichert. Oft werden einheimische Hölzer wie Quebracho oder Algarrobo verwendet, die eine intensive Hitze und ein einzigartiges Aroma liefern.

Die Kunst des Asado: Vorbereitung und Technik

Auch für den heimischen Garten gibt es zahlreiche Möglichkeiten, ein Asado zuzubereiten, beispielsweise mit einem Spanferkel. Für dieses Vorhaben ist zunächst ein mittelgroßes Feuer aus gut durchgetrocknetem Hartholz wichtig. Die Holzscheite sollten dabei eine gewisse Dicke aufweisen, um eine langanhaltende Glut zu gewährleisten. Für eine gleichmäßige Garung ist es entscheidend, das Tier aufzuklappen. Dieser Anblick mag für schwächere Nerven gewöhnungsbedürftig sein, gehört aber in Argentinien untrennbar zum Asado dazu. Da die Vorbereitung des Tieres ein Knochenjob im wahrsten Sinne des Wortes ist, sollten Sie sich unbedingt von einem fachkundigen Fleischer helfen lassen. Die Rippenknochen müssen dabei links und rechts von der Wirbelsäule sorgfältig mit einem Beil durchtrennt und der Brustkorb auseinandergezogen werden. Damit auch die Keulen optimal aufgeklappt werden können, muss das Steißbein ebenfalls durchtrennt werden. Nur so kann das Spanferkel flach auf dem Asado-Kreuz befestigt werden und die Hitze gleichmäßig aufnehmen.

Die Würzung ist denkbar einfach: Salz reicht für den unverfälschten Geschmack vollkommen aus. Ist das Tier auf dem Asado-Kreuz befestigt, sollte das Spanferkel zunächst mit dem Kopf nach oben gegrillt werden. Wenn die Rippen zum Feuer zeigen, erhalten die dicken Keulen zuerst die größte Hitze und können beim Wenden langsam durchgaren. Dieser Schritt ist entscheidend, um die dicksten Teile des Tieres optimal vorzugaren. Danach wird das Ferkel mit dem Kopf nach unten gedreht, um Schultern und Nacken zu grillen. Abschließend wird das Spanferkel mit zwei Böcken waagerecht über die Glut gelegt, damit die Schwarte knusprig werden kann – achten Sie darauf, dass dieser Vorgang nur wenige Sekunden dauert, da die Schwarte sonst verbrennt! Für das Feuer benötigen Sie eine gute Schubkarre voll Holz, damit der Garprozess vollständig und gleichmäßig gewährleistet werden kann.

Unser Tipp: Schüren Sie gleichzeitig ein zweites Feuer, von dem aus Sie immer wieder neue Glut produzieren können. Diese wird dann auf das eigentliche Feuer geschaufelt, um eine konstante und kontrollierbare Hitze zu gewährleisten. Da die Metallkreuze recht unbeweglich sind, wird die Glut um das Kreuz mithilfe einer Schaufel bewegt und aufgelockert. Dies ermöglicht es dem Asador, die Hitzezufuhr präzise zu steuern und Hotspots zu vermeiden. Achten Sie auch unbedingt auf die Windrichtung, damit keine Asche auf das wertvolle Fleisch getragen wird. Neben Spanferkel schmecken auch Lamm und Rindfleisch als Asado zubereitet hervorragend und bieten eine geschmackliche Vielfalt, die Sie begeistern wird.

Asado vs. Traditionelles deutsches Grillen

Um die Besonderheit des Asado noch deutlicher hervorzuheben, lohnt sich ein direkter Vergleich mit dem hierzulande üblichen Grillen:

MerkmalArgentinisches AsadoTraditionelles deutsches Grillen
HitzequelleOffenes Holzfeuer, GlutHolzkohle, Gas, Elektro
Fleischart & -größeGanze Tiere (Spanferkel, Lamm), große Fleischstücke (Rind)Einzelne Steaks, Würstchen, Koteletts, Geflügelteile
ZubereitungszeitMehrere Stunden (Slow Food)Wenige Minuten bis max. 1 Stunde (Fast Food)
Würzung/MarinadeNur Salz, um den reinen Fleischgeschmack zu bewahrenVielfältige Marinaden, Gewürzmischungen, Saucen
GerätAsado-Kreuz, LagerfeuerGrillkamin, Kugelgrill, Gasgrill
Anlass/KulturUmfassendes Familienfest, soziale ZeremonieGeselliges Beisammensein, schnelles Essen

Häufig gestellte Fragen zum Asado

Kann ich ein Asado auch in meinem heimischen Garten zubereiten?

Ja, absolut! Wie im Artikel beschrieben, ist es durchaus möglich, ein Asado im eigenen Garten zu veranstalten. Sie benötigen ausreichend Platz für ein offenes Feuer und die entsprechenden Asado-Kreuze, die Sie oft auch selbst bauen können. Die Herausforderung liegt weniger im Ort als in der Beherrschung der Technik und der Geduld.

Welches Holz sollte ich für das Asado verwenden?

Verwenden Sie gut durchgetrocknetes Hartholz. Die Scheite sollten nicht zu dünn sein, um eine langanhaltende und gleichmäßige Glut zu gewährleisten. In Argentinien werden oft Hölzer wie Quebracho oder Algarrobo genutzt. Hierzulande eignen sich auch Buchenholz, Eichenholz oder Obstbaumhölzer sehr gut, da sie eine gute Glut entwickeln und dem Fleisch ein angenehmes Aroma verleihen können.

Warum wird beim Asado kein Gasgrill verwendet?

Ein Gasgrill kann die einzigartige Atmosphäre und den tiefen Rauchgeschmack, den das offene Holzfeuer erzeugt, nicht replizieren. Das Asado ist eine traditionelle Methode, bei der das Garen über Holzglut nicht nur eine Wärmequelle, sondern ein integraler Bestandteil des Geschmacksprofils und der kulturellen Erfahrung ist. Der Geruch von brennendem Holz und das Knistern der Flammen tragen maßgeblich zum Erlebnis bei.

Muss ich wirklich einen Fleischer um Hilfe bitten, wenn ich ein Spanferkel zubereite?

Es wird dringend empfohlen, sich von einem fachkundigen Fleischer helfen zu lassen. Das fachgerechte Aufklappen des Spanferkels, das Durchtrennen der Rippenknochen und des Steißbeins erfordert nicht nur Kraft und das richtige Werkzeug, sondern auch Kenntnisse der Anatomie, um das Tier optimal für das Garen vorzubereiten. Dies stellt sicher, dass das Fleisch später gleichmäßig gart und das Ergebnis perfekt wird.

Wie lange dauert ein Asado im Durchschnitt?

Die Garzeit eines Asado hängt stark von der Größe des Fleisches und der Intensität des Feuers ab. Ein ganzes Spanferkel kann leicht 4 bis 6 Stunden oder sogar länger dauern. Rindfleischstücke können ebenfalls mehrere Stunden benötigen. Das Asado ist ein echtes Slow-Food-Erlebnis, bei dem Geduld eine Tugend ist.

Warum wird das Fleisch nur mit Salz gewürzt?

Die argentinische Grillkultur legt größten Wert auf den reinen, unverfälschten Geschmack des Fleisches. Argentinisches Rindfleisch ist von so hoher Qualität, dass es keine Maskierung durch Marinaden oder komplexe Gewürzmischungen benötigt. Salz dient lediglich dazu, den natürlichen Eigengeschmack zu intensivieren und eine Kruste zu bilden, ohne ihn zu überdecken. Es geht darum, das Produkt in seiner besten Form zu genießen.

Fazit: Ein Erlebnis, das sich lohnt

Eines steht auf jeden Fall fest: Asado Grillen ist wohl der geheime Wunsch eines jeden Mannes, der das Grillen wirklich lebt. Es bedeutet aber auch eine Menge Feuer, Schweiß und Arbeit, um ein solches Gericht zuzubereiten. Es ist ein Prozess, der Geduld, Hingabe und ein tiefes Verständnis für das Produkt erfordert. Doch die Belohnung ist unvergleichlich: ein butterzartes, geschmacksintensives Stück Fleisch, das nicht nur den Gaumen verwöhnt, sondern auch eine tiefe Wertschätzung für die Tradition und die Gemeinschaft vermittelt. Wenn Sie es lieber etwas ruhiger und weniger martialischer angehen wollen, dann sollten Sie sich vielleicht lieber vorher einen schönen Gasgrill anschaffen – das geht dann auch mal für den schnellen Hunger. Aber wenn Sie bereit sind, sich auf ein echtes Abenteuer einzulassen und ein unvergessliches kulinarisches Erlebnis zu schaffen, dann ist das argentinische Asado genau das Richtige für Sie. Es ist nicht nur Kochen, es ist eine Leidenschaft, eine Kunst und ein Stück argentinischer Seele, das Sie in Ihren eigenen Garten bringen können. Tauchen Sie ein in diese faszinierende Grillkultur und lassen Sie sich vom Geschmack Argentiniens verzaubern!

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