14/07/2021
Das Bierdosenhähnchen, auch bekannt als Beer Can Chicken, ist seit Jahrzehnten ein Kultobjekt der Grillkultur. Ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammend, hat es sich seinen Weg auf Grills weltweit gebahnt und begeistert mit seiner einzigartigen Zubereitungsart. Die Idee ist so einfach wie genial: Ein ganzes Hähnchen wird auf eine zur Hälfte geleerte Bierdose gesteckt und so auf dem Grill platziert. Der Clou dabei ist, dass das Hähnchen durch den aufsteigenden Bierdampf von innen zart gedämpft wird, während es von außen knusprig gegrillt wird. Dies führt zu einem unvergleichlich saftigen und aromatischen Ergebnis, das viele Grillfans schwören lässt.

Diese Methode, die oft mit geselligen Gartenpartys und dem Duft von würzigem Rauch in Verbindung gebracht wird, hat jedoch in jüngster Zeit auch eine Debatte über ihre Sicherheit entfacht. Während die Tradition viele Anhänger hat, werfen moderne Erkenntnisse Fragen auf, die jeden passionierten Griller beschäftigen sollten. In diesem ausführlichen Artikel tauchen wir tief in die Welt des Bierdosenhähnchens ein, beleuchten seine Geschichte, die Gründe für seine Beliebtheit, die aktuellen Sicherheitsbedenken und stellen natürlich auch sichere Alternativen sowie ein bewährtes Rezept vor, damit Sie das Beste aus Ihrem Grillabenteuer herausholen können.
- Die Faszination des Bierdosenhähnchens: Eine amerikanische Tradition
- Das BfR warnt: Schatten über dem Grillvergnügen
- Die clevere Alternative: Hähnchenbräter aus Edelstahl
- Das ultimative Rezept: Steven Raichlens Cajun Roastin' Chicken on a Beer Can
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Ist das Grillen mit der Bierdose sicher?
- Welche Art von Bier sollte ich verwenden?
- Benötige ich einen speziellen Grill für ein Bierdosenhähnchen?
- Wie lange dauert es, ein Bierdosenhähnchen zu grillen?
- Wie sorge ich für eine knusprige Haut?
- Kann ich das Rezept auch für andere Geflügelsorten verwenden?
- Fazit
Die Faszination des Bierdosenhähnchens: Eine amerikanische Tradition
Die Geschichte des Bierdosenhähnchens ist eng mit der Entwicklung des modernen Grillens verbunden. Es war in den USA, wo diese unkonventionelle Methode ihren Ursprung nahm und sich schnell verbreitete. Typisch amerikanisch, so scheint es, ist die Idee, ein Hähnchen über eine Dose des dort üblichen, oft als „dünn“ empfundenen Bieres zu stülpen und es so zu kochen – eine pragmatische Nutzung des vorhandenen Produkts.
Die wichtigste Voraussetzung für diese Grilltechnik ist ein geschlossener Grill, idealerweise ein Kugelgrill. Der Kugelgrill ist hierbei ein echter Game Changer. Er wurde bereits 1952 von George Stephen erfunden und revolutionierte die Art und Weise, wie wir grillen. Vor seiner Erfindung kam die Hitze meist nur von unten, was das Grillgut ungleichmäßig erhitzte. Mit dem Kugelgrill jedoch wird die Hitze in der geschlossenen Kugel gefangen und wirkt viel gleichmäßiger auf das Grillgut ein. Dies ermöglichte erstmals indirekte Grillmethoden bei milderen Temperaturen, was perfekt für größere Stücke wie ein ganzes Hähnchen ist. Ein weiterer entscheidender Vorteil des geschlossenen Grills ist die Möglichkeit, mit Rauch zu arbeiten. Dieser Aspekt ist für ein echtes Barbecue, das ursprünglich als Barbacoa bekannt ist, von entscheidender Bedeutung, da der Rauch dem Grillgut seinen charakteristischen Geschmack verleiht.
Das Prinzip des Bierdosenhähnchens ist einfach: Die feuchte Hitze des verdampfenden Bieres dämpft das Hähnchen von innen, wodurch es extrem saftig bleibt. Gleichzeitig wird die Haut von außen durch die indirekte Hitze des Grills knusprig braun. Das Ergebnis ist ein Hähnchen, das auf der Zunge zergeht und eine aromatische Kruste besitzt. Lange Zeit galt diese Methode als Inbegriff des entspannten, geselligen Grillens, und auch in Deutschland hat sie sich in den letzten Jahren, parallel zur zunehmenden Begeisterung für ausgefeilte Grilltechniken, etabliert.
Das BfR warnt: Schatten über dem Grillvergnügen
Doch nicht alles, was Spaß macht, ist auch uneingeschränkt empfehlenswert. Die deutsche Gründlichkeit hat sich des Bierdosenhähnchens angenommen, und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer Mitteilung vom 1. Juli 2014 eine klare Warnung ausgesprochen. Das BfR rät vom Verzehr des gemeinen Bierdosen-Hähnchens ab. Der Grund für diese Warnung ist besorgniserregend:
Es wird davon ausgegangen, dass die hohen Temperaturen beim Grillen und Braten gesundheitsschädliche Substanzen aus der bedruckten Außenseite und der beschichteten Innenseite der Bierdose lösen können. Diese Substanzen könnten dann in das Hähnchenfleisch übergehen. Dies ist ein ernster Hinweis, der nicht ignoriert werden sollte, auch wenn manche argumentieren, dass die Exposition gering sei oder die Menge der verzehrten Bierdosenhähnchen im Jahr begrenzt ist. Allerdings gilt im Bereich der Lebensmittelsicherheit der Vorsorgegrundsatz: Wo Risiken bestehen, sollten sie minimiert werden.
Hinzu kommt ein praktisches Problem, das die Zubereitung des traditionellen Bierdosenhähnchens erschwert: Moderne Getränkedosen werden aus extrem dünnen und leichten Blechen hergestellt. Während man für ein handelsübliches deutsches Hähnchen idealerweise eine 0,33-Liter-Dose benötigen würde, sind diese heute kaum noch erhältlich. Üblich sind längst 0,5-Liter-Dosen, die jedoch zu groß und vor allem zu instabil sind. Selbst wenn man das Hähnchen darüber stülpen kann, kippen diese Dosen auf einem Grill recht leicht, da der Schwerpunkt mit dem Hähnchen sehr weit oben liegt. Dies führt nicht nur zu Frustration, sondern kann auch eine Gefahr darstellen, wenn heißes Bier oder Hähnchen vom Grill stürzen.
Die Risikobewertung im Detail
Die Befürchtung des BfR ist nicht unbegründet. Getränkedosen sind innen mit einer Schutzschicht versehen, die das Metall vor dem Inhalt schützt und umgekehrt. Diese Beschichtungen können unter starker Hitzeeinwirkung Substanzen wie Bisphenol A (BPA) freisetzen. Auch die Lacke und Farben auf der Außenseite der Dose sind nicht für hohe Temperaturen ausgelegt und könnten potenziell schädliche Stoffe abgeben. Obwohl die Mengen, die ins Fleisch übergehen könnten, gering sein mögen, ist es ratsam, solche Risiken zu vermeiden, insbesondere wenn es sich um Substanzen handelt, die in höheren Konzentrationen gesundheitliche Bedenken aufwerfen.
Die clevere Alternative: Hähnchenbräter aus Edelstahl
Glücklicherweise muss der Spaß am saftigen Hähnchen vom Grill nicht enden. Für alle, die die Sicherheitsbedenken ernst nehmen oder einfach eine stabilere und vielseitigere Lösung suchen, gibt es hervorragende Alternativen: spezielle Edelstahl-Hähnchenbräter. Hersteller wie Rösle bieten solche Vorrichtungen an, die das gleiche Prinzip des aufrechten Garens nutzen, jedoch ohne die Risiken der Bierdose.
Diese Hähnchenbräter sind aus lebensmittelechtem Edelstahl gefertigt und besitzen in der Regel einen Behälter in der Mitte, der mit Flüssigkeit gefüllt werden kann. Der große Vorteil ist, dass man hier nicht auf Dosenbier beschränkt ist. Man kann dunkles Bier, Wein, Apfelwein, Hühnerbrühe oder sogar aromatische Säfte und Gewürzmischungen verwenden, um dem Hähnchen ein ganz besonderes Aroma zu verleihen. Die Stabilität dieser Bräter ist ebenfalls ein großer Pluspunkt; sie kippen nicht und bieten dem Hähnchen einen sicheren Stand auf dem Grillrost.
| Merkmal | Bierdosen-Methode | Edelstahl-Hähnchenbräter |
|---|---|---|
| Material | Aluminium mit Beschichtung und Druckfarben | Hochwertiger Edelstahl |
| Sicherheitsrisiko (BfR) | Potenzielle Freisetzung von Schadstoffen | Keine bekannten Risiken |
| Stabilität auf dem Grill | Gering, besonders bei 0,5l Dosen | Sehr hoch und sicher |
| Flüssigkeitswahl | Beschränkt auf Dosenbier | Beliebig (Bier, Wein, Brühe, Säfte) |
| Wiederverwendbarkeit | Nein, Einwegdose | Ja, lebenslange Nutzung |
| Anschaffungskosten | Gering (Kosten der Dose) | Höher (einmalige Investition) |
| Reinigung | Keine (Dose wird entsorgt) | Einfache Reinigung, oft spülmaschinenfest |
Die Anschaffung eines solchen Edelstahl-Hähnchenbräters ist eine einmalige Investition, die sich lohnt, besonders wenn man regelmäßig Geflügel auf diese Art zubereiten möchte. Und falls Sie planen, mehrere Hähnchen gleichzeitig zu grillen, benötigen Sie entsprechend auch mehrere dieser Vorrichtungen.
Das ultimative Rezept: Steven Raichlens Cajun Roastin' Chicken on a Beer Can
Ob mit Dose (auf eigene Gefahr) oder sicher auf dem Edelstahlbräter – das Ergebnis steht und fällt mit der richtigen Würze und Zubereitung. Einer, der das Bierdosenhähnchen perfektioniert hat, ist der amerikanische Grillpapst Steven Raichlen. Sein Rezept für 'Cajun Roastin' Chicken on a Beer Can' ist legendär und verleiht dem Hähnchen eine fantastische Würze. Hier ist seine Methode, leicht angepasst für den Gebrauch eines Hähnchenbräters:
Zutaten:
Für den Cajun Rub (Gewürzmischung zum Einreiben des Hähnchens):
- 50 ml Salz
- 3 EL süßes Paprikapulver
- 2 EL Knoblauchpulver
- 2 EL Zwiebelgranulat
- 2 EL getrockneter Thymian
- 2 EL getrockneter Oregano
- 1 EL schwarzer Pfeffer
- 1 EL weißer Pfeffer
- 1 EL Öl
- 2 TL getrocknete Salbeiblätter
- 1 TL Cayennepfeffer
Außerdem nötig (für ein großes Hähnchen, ca. 3 Personen):
- 1 großes Hähnchen
- 3-4 EL vom zubereiteten Cajun Rub
- 1 Dose Bier (falls verwendet, ansonsten 250-300 ml Flüssigkeit für den Bräter)
- 50 ml Hühnerbrühe
- 2 EL weiche Butter
- 1 EL Brandy
- 1 EL frischer Zitronensaft
- 3 EL geschmolzene Butter (zum Einpinseln)
Kochutensilien:
- 1 Hähnchenbräter (Edelstahl, optional anstelle von Bierdosen)
- 1 Pinsel zum Bestreichen
- Kugelgrill oder geschlossener Grill
- Aluschale
- Küchengarn
Anleitungen:
- Cajun Rub herstellen: Mischen Sie alle Zutaten für den Cajun Rub gründlich in einer Schüssel. Diese Gewürzmischung lässt sich in einem fest verschlossenen Behälter bis zu einem Jahr aufbewahren.
- Flüssige Würzbutter vorbereiten: Vermischen Sie Butter, Hühnerbrühe, Brandy und Zitronensaft in einem kleinen Topf. Erwärmen Sie die Mischung gegebenenfalls leicht, damit sich die Butter gut auflöst. Diese Mischung dient später zum Bestreichen des Hähnchens.
- Hähnchen vorbereiten: Reiben Sie das Hähnchen kräftig mit 3-4 EL des Cajun Rubs ein. Achten Sie darauf, den Rub auch unter die Haut zu schieben, um das Fleisch optimal zu aromatisieren.
- Grill vorbereiten: Wenn Sie Raucharoma wünschen, wässern Sie Holzchips für mindestens eine Stunde. Heizen Sie Ihren geschlossenen Grill (Kugelgrill oder Gasgrill) auf eine indirekte Temperatur von etwa 160-180 Grad Celsius vor.
- Rauchentwicklung (optional): Gießen Sie das Wasser von den Holzchips ab und legen Sie die feuchten Chips in eine Räucherbox oder direkt auf die Glut (bei einem Kohlegrill) bzw. über die Flamme (bei einem Gasgrill). Schließen Sie den Deckel des Grills und warten Sie etwa 15 Minuten, bis sich Rauch entwickelt hat.
- Hähnchen platzieren: Stülpen Sie das vorbereitete Hähnchen auf die zur Hälfte gefüllte Bierdose oder den Edelstahl-Hähnchenbräter (gefüllt mit Ihrer Wunschflüssigkeit). Fixieren Sie Flügel und Beine des Hähnchens mit Küchengarn am Körper, damit sie während des Grillvorgangs nicht verbrennen und das Hähnchen stabil bleibt.
- Grillvorgang: Platzieren Sie das Hähnchen mit der Dose/dem Bräter am besten in einer kleinen, flachen Aluschale auf dem Grillrost, um herabtropfendes Fett aufzufangen. Das Hähnchen benötigt im geschlossenen Grill etwa 1 Stunde und 45 Minuten bis 2 Stunden, abhängig von seiner Größe und der Grilltemperatur.
- Bestreichen: Nach etwa 45 Minuten grillen, besprühen oder bepinseln Sie das Hähnchen erstmals mit der flüssigen Würzbutter. Arbeiten Sie zügig, um nicht zu viel Hitze aus dem Grill entweichen zu lassen. Wiederholen Sie das Besprühen oder Bestreichen in Abständen von ca. 30-40 Minuten. Drehen Sie das Hähnchen gegebenenfalls im Grill um die eigene Achse, wenn Sie bemerken, dass eine Seite schneller bräunt.
- Garprobe: Das Hähnchen ist gar, wenn die Kerntemperatur an der dicksten Stelle des Oberschenkels (ohne Knochenkontakt) 82-85 Grad Celsius erreicht hat und die austretenden Säfte klar sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Rund um das Bierdosenhähnchen gibt es immer wieder Fragen. Hier die Antworten auf die wichtigsten:
Ist das Grillen mit der Bierdose sicher?
Wie vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gewarnt, ist von der Zubereitung auf der Bierdose abzuraten, da gesundheitsschädliche Substanzen aus der Dose in das Fleisch übergehen können. Die sicherere Alternative ist die Verwendung eines speziellen Edelstahl-Hähnchenbräters.
Welche Art von Bier sollte ich verwenden?
Für den Geschmack können Sie jedes Bier verwenden, das Ihnen schmeckt. Viele bevorzugen helles Lagerbier, aber auch dunkle Biere oder sogar Apfelwein können interessante Aromen hinzufügen. Wenn Sie einen Edelstahl-Hähnchenbräter verwenden, sind Sie nicht auf Bier beschränkt und können auch Brühe, Wein oder Säfte nutzen.
Benötige ich einen speziellen Grill für ein Bierdosenhähnchen?
Ja, ein geschlossener Grill ist unerlässlich. Ein Kugelgrill oder ein Gasgrill mit Deckel ermöglicht das indirekte Grillen bei gleichmäßiger Temperatur und die Zirkulation des Dampfes und Rauches, was für die Zubereitung entscheidend ist.
Wie lange dauert es, ein Bierdosenhähnchen zu grillen?
Ein mittelgroßes bis großes Hähnchen benötigt in der Regel zwischen 1 Stunde 45 Minuten und 2 Stunden bei einer Grilltemperatur von 160-180 Grad Celsius. Die genaue Zeit hängt von der Größe des Hähnchens und der konstanten Temperatur Ihres Grills ab.
Wie sorge ich für eine knusprige Haut?
Das regelmäßige Bestreichen mit der Würzbutter während des Grillvorgangs hilft, die Haut knusprig zu halten und zusätzlich Aroma zu verleihen. Achten Sie auch darauf, dass die Grilltemperatur konstant bleibt und das Hähnchen nicht zu schnell gart.
Kann ich das Rezept auch für andere Geflügelsorten verwenden?
Ja, das Prinzip des aufrechten Garens auf einem Bräter kann auch für kleinere Hühner oder sogar für Enten angewendet werden, wobei die Garzeiten entsprechend angepasst werden müssen.
Fazit
Das Bierdosenhähnchen bleibt ein Klassiker des Grillens, der für viele schöne Erinnerungen steht. Während die traditionelle Methode mit der Bierdose aufgrund neuer Erkenntnisse und praktischer Probleme in Frage gestellt werden muss, bietet die moderne Grillwelt glücklicherweise sichere und ebenso effektive Alternativen. Der Edelstahl-Hähnchenbräter ermöglicht es, das beliebte „Beer Can Chicken“-Erlebnis ohne Bedenken zu genießen und bietet sogar mehr Flexibilität bei der Wahl der Aromen. Egal, ob Sie ein erfahrener Grillmeister oder ein Neuling sind, mit der richtigen Ausrüstung und einem bewährten Rezept wie dem von Steven Raichlen steht einem saftigen, perfekt gegarten Hähnchen nichts im Wege. Entdecken Sie die Freude am Grillen neu und servieren Sie ein Gericht, das Ihre Gäste begeistern wird – sicher und mit vollem Aroma!
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