11/11/2021
Ein gepflegter Rasen und ein blühender Gemüsegarten sind der Stolz vieler Hobbygärtner. Doch manchmal trüben unerwartete Gäste das Bild: mysteriöse Löcher im Rasen, aufgewühlte Erde neben Hecken und plötzlich abgestorbene Pflanzen. Was steckt dahinter? Oft sind es die Maulwurfsgrillen, auch bekannt als Werren oder vereinzelt als Feldgrillen, die für diese unschönen Spuren verantwortlich sind. Auf den ersten Blick wirken sie wie lästige Schädlinge, doch ihre Rolle im Garten ist komplexer, als man zunächst vermuten mag. Bevor wir zu drastischen Maßnahmen greifen, ist es wichtig, diese faszinierenden Insekten zu verstehen und zu lernen, wie man mit ihrer Anwesenheit umgeht – sei es durch Akzeptanz ihrer nützlichen Eigenschaften oder durch gezielte, umweltfreundliche Bekämpfung, wenn sie überhandnehmen.

Was sind Maulwurfsgrillen und ihre Rolle im Garten?
Maulwurfsgrillen (Gryllotalpa gryllotalpa), oft auch einfach als Werren bezeichnet, sind faszinierende, nachtaktive Insekten, die sich hauptsächlich unter der Erde bewegen. Ihr Name ist Programm: Ihre kräftigen Vorderbeine sind perfekt an das Graben angepasst, ähnlich wie die eines Maulwurfs. Mit einer Größe von bis zu sieben Zentimetern gehören sie zu den größeren Insekten in unseren Gärten. Sie bevorzugen feuchten, lockeren Boden und sind daher oft in Rasenflächen, Gemüsebeeten und an Komposthaufen zu finden.
Entgegen der landläufigen Meinung sind Maulwurfsgrillen in erster Linie Nützlinge. Ihr Hauptnahrungsmittel besteht aus einer Vielzahl von Insektenlarven, Würmern und anderen Bodentieren. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Drahtwürmer, Engerlinge (die Larven von Mai- und Junikäfern), Erdraupen, Dickmaulrüssler-Käfer und sogar Schneckeneier. Indem sie diese potenziellen Schädlinge dezimieren, tragen Maulwurfsgrillen aktiv zur Gesunderhaltung des Bodens und zur Reduzierung anderer Gartenplagen bei. Ihr Appetit auf proteinreiche Nahrung ist es jedoch auch, der bei einer Massenvermehrung zum Problem werden kann.
Warum werden Maulwurfsgrillen zum Problem?
Obwohl sie überwiegend nützlich sind, können Maulwurfsgrillen unter bestimmten Bedingungen zur Plage werden. Dies geschieht vor allem, wenn ihre Populationen stark anwachsen, oft begünstigt durch milde, trockene Wintermonate, die das Überleben der Tiere fördern. In solchen Fällen kann die Nahrung an tierischen Proteinen knapp werden, und die Maulwurfsgrillen greifen auf pflanzliche Kost zurück. Dann fressen sie Wurzeln von Gemüsepflanzen, Blumen und Gräsern an.
Die sichtbarsten Anzeichen eines Befalls sind:
- Löcher im Rasen und aufgewühlte Erde: Besonders in der Nähe von Hecken oder in schattigen Bereichen der Wiese sind die charakteristischen, etwa fingerdicken Löcher zu finden, oft mit einem kleinen Haufen aufgewühlter Erde daneben.
- Abgestorbene Flecken im Rasen: Tennis- bis handballgroße, vertrocknete und braune Stellen im Rasen sind ein starker Hinweis auf Brutkammern der Maulwurfsgrillen. Beim Anlegen dieser unterirdischen Nester durchbeißen die Insekten alle Wurzeln in diesem Bereich, wodurch die Pflanzen vertrocknen.
- Beschädigte Gemüsepflanzen: Frisch angelegte Gemüsebeete sind besonders anfällig. Die Maulwurfsgrillen schieben beim Graben junge Keimlinge aus der Erde oder fressen deren zarte Wurzeln an, was zu einem schlechten Anwachsen oder Absterben der Pflanzen führt.
Es ist wichtig zu betonen, dass Maulwurfsgrillen in vielen Regionen eher selten geworden sind und nur örtlich zu einer echten Plage werden. Eine Überpopulation von 7.000 Tieren auf 600 Quadratmetern Parkrasen, wie in einem Fall dokumentiert, ist extrem und eher die Ausnahme.
Das ökologische Gleichgewicht: Natürliche Feinde und Selbstregulierung
Die Natur hat ihre eigenen Wege, das Gleichgewicht zu halten. Auch bei einer Überpopulation von Maulwurfsgrillen greifen natürliche Mechanismen. Ein faszinierendes Phänomen ist der Kannibalismus: Sobald die tierische Nahrung knapp wird, dezimieren sich die Maulwurfsgrillen selbstständig, indem sie sich gegenseitig fressen. Dieses Verhalten kann die Population um bis zu 95% reduzieren und hilft, kurzfristige Überpopulationen zu überwinden.
Darüber hinaus gibt es eine Reihe von natürlichen Fressfeinden, die helfen, die Population der Maulwurfsgrillen in Schach zu halten:
- Igel: Diese nachtaktiven Gartenbewohner sind fleißige Insektenfresser und machen auch vor Maulwurfsgrillen nicht Halt.
- Spitzmäuse und Maulwürfe: Auch diese kleinen Säugetiere ernähren sich von Bodentieren, darunter auch Maulwurfsgrillen.
- Katzen: Hauskatzen fangen gelegentlich Maulwurfsgrillen, die an die Oberfläche kommen.
- Hühner und Amseln: Vögel, die im Garten nach Nahrung suchen, können ebenfalls Maulwurfsgrillen entdecken und fressen.
Indem Sie einen naturnahen Garten gestalten und diese Nützlinge fördern (z.B. durch Igelhäuser, insektenfreundliche Pflanzen, Verzicht auf chemische Pestizide), unterstützen Sie das ökologisches Gleichgewicht und helfen, eine Massenvermehrung der Maulwurfsgrillen von vornherein zu verhindern oder auf natürliche Weise zu regulieren. Geduld ist hier oft der beste Gärtner.

Effektive Methoden zur Bekämpfung bei starkem Befall
Wenn die Schäden durch Maulwurfsgrillen ein unerträgliches Ausmaß annehmen und das natürliche Gleichgewicht nicht ausreicht, um die Population zu kontrollieren, gibt es gezielte Methoden, um die Tiere zu reduzieren. Hierbei setzen wir auf schonende und umweltfreundliche Ansätze, die den Garten nicht unnötig belasten.
1. Mechanische Methoden – Der direkte Ansatz
Eine überraschend effektive und schnelle Methode ist der Einsatz eines Akku-Staubsaugers. Setzen Sie das Rohr des Staubsaugers fest auf das Erdloch der Maulwurfsgrille. Drücken Sie kurz. Oft macht es ein leises 'tac', und die Grille wird durch den Unterdruck aus ihrem Gang gesaugt und direkt in den Auffangbehälter befördert. Diese Methode ist besonders nützlich, um einzelne, sichtbare Löcher schnell zu ‚säubern‘. Die gefangenen Tiere können dann weit entfernt vom Garten, idealerweise auf einer grünen Wiese, wieder freigelassen werden.
Eine bewährte Methode, um Maulwurfsgrillen lebend zu fangen, ist der Einsatz von Fallgruben:
- Vorbereitung: Graben Sie Behälter mit glatten Wänden, wie beispielsweise alte Konfitürengläser oder leere Joghurtbecher, ebenerdig in den Boden ein. Die Öffnung sollte bündig mit der Erdoberfläche abschließen.
- Anlocken: Platzieren Sie hochkant ein Holzbrett oder einen länglichen Stein direkt über der Mitte der Behälteröffnung. Maulwurfsgrillen sind nachtaktiv und bewegen sich gerne entlang von Hindernissen, da sie sich dort sicherer fühlen. So werden sie direkt in die Fallgruben geleitet.
- Kontrolle und Freilassung: Überprüfen Sie die Fallen jeden Morgen. Die gefangenen Tiere sollten dann eingesammelt und in ausreichender Entfernung zum Garten (mindestens mehrere hundert Meter) wieder ausgesetzt werden.
- Optimaler Zeitpunkt: Diese Methode ist besonders erfolgreich während der Paarungszeit der Maulwurfsgrillen, die von April bis Anfang Juni dauert. Zu dieser Zeit sind die Tiere besonders aktiv an der Oberfläche und auf der Suche nach Partnern.
2. Biologische Bekämpfung mit Nematoden – Die unsichtbaren Helfer
Eine sehr effektive und rein biologische Methode ist der Einsatz von parasitären Nematoden, auch Fadenwürmer oder Älchen genannt. Diese mikroskopisch kleinen Nützlinge sind natürliche Feinde der Maulwurfsgrillen und dezimieren vor allem die erwachsenen Insekten auf effiziente und natürliche Weise, ohne dabei Pflanzen, Haustiere oder Menschen zu schädigen.
- Welche Nematoden? Für die Bekämpfung von Maulwurfsgrillen eignen sich speziell Nematoden der Art Steinernema carpocapsae, oft unter dem Handelsnamen 'Carponem' erhältlich.
- Wirkungsweise: Die Nematoden dringen in die Maulwurfsgrillen ein, setzen Bakterien frei, die das Insekt abtöten, und vermehren sich dann im Inneren des Wirtes. Nach dem Absterben verlassen sie den Wirt und suchen nach neuen Opfern.
- Optimaler Anwendungszeitpunkt: Der beste Zeitpunkt für den Einsatz von Nematoden ist vor der Eiablage der Maulwurfsgrillen, also von April bis spätestens Mitte Mai. Zu dieser Zeit sind die erwachsenen Maulwurfsgrillen in den oberen Bodenschichten aktiv und somit optimal für die Nematoden erreichbar.
- Anwendung:
- Gießen Sie den Packungsinhalt der Nematoden in eine Gießkanne.
- Füllen Sie die Gießkanne mit Wasser auf und rühren Sie die Brühe regelmäßig um, um ein Absetzen der Nematoden zu verhindern.
- Gießen Sie die befallene Fläche gleichmäßig mit der Nematodenlösung.
- Wichtig: Führen Sie die Behandlung bei bedecktem Himmel oder in den Abendstunden durch, da Nematoden empfindlich gegenüber direkter Sonneneinstrahlung sind und diese ihre Wirksamkeit stark reduziert.
- Gießen Sie die behandelte Fläche unmittelbar nach der Anwendung gut nach, um die Nematoden tiefer in den Boden zu spülen.
- Halten Sie den Boden nach der Behandlung für etwa 10 Tage feucht. Dies ist entscheidend für das Überleben und die Aktivität der Nematoden.
3. Brutstätten finden und beseitigen
Bei einem sehr starken Befall, insbesondere wenn Sie die charakteristischen abgestorbenen Rasenflecken bemerken, kann es sinnvoll sein, die Brutkammern der Maulwurfsgrillen gezielt zu suchen und zu zerstören.
- Lokalisierung: Tasten Sie mit dem Finger oder einem kleinen Stöckchen die Gänge im Boden ab, die von den Löchern ausgehen. Wenn ein Gang plötzlich tiefer abzweigt und sich erweitert, befinden Sie sich in unmittelbarer Nähe einer Bruthöhle. Diese befinden sich oft direkt unter den abgestorbenen Rasenflächen.
- Entfernung: Graben Sie die Bruthöhlen vorsichtig aus. Darin finden Sie die Eier oder jungen Larven der Maulwurfsgrillen. Diese können dann entfernt und die Ausbreitung somit eingedämmt werden. Der beste Zeitpunkt hierfür ist ab Juni, wenn die Eier bereits gelegt sind und die Larven schlüpfen, aber noch nicht weit verbreitet sind.
Wann sollte man eingreifen? Eine Abwägung
Angesichts der Tatsache, dass Maulwurfsgrillen in erster Linie nützliche Insekten sind und nur bei einer Massenvermehrung zu echten Schädlingen werden, sollte die Entscheidung zum Eingreifen sorgfältig abgewogen werden. Der bloße Anblick einiger Löcher im Rasen rechtfertigt in der Regel keine Bekämpfungsmaßnahmen. Erst wenn die Schäden an Pflanzen und Rasenflächen deutlich sichtbar sind und das Wachstum beeinträchtigen, ist eine Intervention sinnvoll.
Denken Sie daran: Ein gesunder, vielfältiger Garten, der natürliche Feinde anzieht und ein Gleichgewicht fördert, ist oft die beste Prävention. Nur bei größeren Schäden und einer tatsächlichen Plage sollten Sie die hier beschriebenen Methoden anwenden, um die Population gezielt zu reduzieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Sind Maulwurfsgrillen wirklich Schädlinge?
A: In erster Linie sind Maulwurfsgrillen Nützlinge, da sie sich von anderen Schadinsekten und deren Larven ernähren. Nur bei einer starken Überpopulation und Nahrungsmangel können sie auch Pflanzenwurzeln anfressen und so zu Schädlingen werden.
F: Wie erkenne ich Maulwurfsgrillen-Löcher im Rasen?
A: Maulwurfsgrillen-Löcher sind typischerweise etwa fingerdick, oft von aufgewühlter Erde umgeben und befinden sich häufig in feuchten, schattigen Bereichen oder entlang von Hecken. Abgestorbene, tennis- bis handballgroße Rasenflecken können ebenfalls auf darunterliegende Brutkammern hinweisen.
F: Wann ist der beste Zeitpunkt, um Maulwurfsgrillen zu bekämpfen?
A: Für die mechanischen Fallen ist die Paarungszeit von April bis Anfang Juni optimal. Für den Einsatz von Nematoden ist die Zeit von April bis Mitte Mai ideal, da die erwachsenen Tiere dann in den oberen Bodenschichten aktiv sind.
F: Sind Nematoden sicher für meinen Garten und meine Haustiere?
A: Ja, die verwendeten Nematoden (z.B. Steinernema carpocapsae) sind hochspezialisiert auf bestimmte Insekten und stellen keinerlei Gefahr für Pflanzen, Menschen, Haustiere oder andere Nützlinge im Garten dar. Sie sind eine rein biologische und umweltfreundliche Bekämpfungsmethode.
F: Muss ich jedes Loch im Rasen behandeln?
A: Nein, in den meisten Fällen ist dies nicht notwendig. Bekämpfungsmaßnahmen sind erst bei deutlichen Schäden und einer als Plage empfundenen Überpopulation sinnvoll. Konzentrieren Sie sich auf die Bereiche mit den größten Problemen oder den Brutkammern.
Fazit
Maulwurfsgrillen sind ein faszinierender Teil unseres Garten-Ökosystems. Ihre Anwesenheit signalisiert oft einen gesunden Boden voller Leben. Während sie meist als unermüdliche Schädlingsbekämpfer agieren, können sie unter bestimmten Umständen zu einer Herausforderung werden. Mit dem Wissen über ihre Lebensweise und den gezielten, umweltfreundlichen Bekämpfungsmethoden, wie dem Einsatz von Nematoden oder mechanischen Fallen, können Sie eine Balance finden, die sowohl Ihrem Garten als auch der Natur zugutekommt. Erinnern Sie sich stets an das ökologisches Gleichgewicht: Prävention durch Förderung natürlicher Feinde und ein bedachtes Eingreifen nur bei echtem Bedarf sind der Schlüssel zu einem harmonischen Miteinander mit diesen besonderen Gartenbewohnern. So bleibt Ihr Garten ein Ort der Freude und des Wachstums, frei von unnötiger Sorge um kleine Gräber.
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